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Bestechungsvorwürfe Apo-Bank wird zur Skandalbank

Die Bank der Ärzte und Apotheker stolpert zum zweiten Mal in zwei Jahren über einen Skandal in den eigenen Reihen. Ausgangspunkt für Bestechungsvorwürfe gegen die Apo-Bank-Bande ist ein Immobilienskandal. Die Kunden reagieren betroffen.
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Deutsche Apotheker und Ärtzebank in Düsseldorf. Quelle: Pressebild

Deutsche Apotheker und Ärtzebank in Düsseldorf.

(Foto: Pressebild)

FRANKFURT. Seine schon geschmiedeten Urlaubspläne kann Herbert Pfennig vergessen. Der fränkisch-bodenständige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Apotheker- und Ärztebank muss in den nächsten Wochen das unterste zuoberst kehren. Denn sein Institut, eigentlich Deutschlands erste Bankadresse für eine konservative Klientel aus Ärzten und Apothekern, hat personell und moralisch abgewirtschaftet. Pfennig muss von vorne anfangen. Und das zum zweiten Mal in nur 16 Monaten.

Ein Bestechungsskandal hat die Düsseldorfer Bank erschüttert und zu einem großen Kehraus in der Führungsriege geführt. Zwei von drei Vorständen wurden am Montag nach einer mehrstündigen Sondersitzung entlassen. Pfennig ist übrig geblieben. Von den beiden Kollegen steht einer im Verdacht, bestechlich zu sein. Und der andere hat das Problem, offenbar nicht gemerkt zu haben, was bei ihm im Vertrieb so alles unter der Hand lief. Pfennig selbst ist einigermaßen ratlos: „Dort hat sich wohl eine Gruppe von Mitarbeitern gebildet, mehrere Personen, die zusammengearbeitet haben“, sagte er bei einer Telefonkonferenz gestern, bei der er sich den Fragen von Branchenbeobachtern stellen musste. Wie viele Mitarbeiter waren sonst noch dabei? Pfennig zögert: „Wenn es eine zweistellige Anzahl wird, dann eine sehr niedrige“, schätzt er.

Eine Apo-Bande also? Wie viele auch immer mitgemacht haben – für die Bank ist der Vorfall ein Desaster. Auf nichts war sie so angewiesen wie auf einen seriösen Ruf. Sie ist die Standesbank der Ärzte und Apotheker. Etwa 60 Prozent aller Heilberufler wickeln ihre Geldgeschäfte über die Düsseldorfer Genossenschaftsbank ab. Und nun stehen Vertreter der ersten und zweiten Führungsebene der Bank im Verdacht, kriminell zu sein. Schon reagieren die wichtigsten Kunden: Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, sagt: „Natürlich sind wir alle betroffen wegen der Vorgänge.“ Die Gefahr des drohenden Imageschadens ist Pfennig wohl bewusst. In einem Mitarbeiterbrief, der dem Handelsblatt vorliegt, bedauert er, dass nun auch „der weit überwiegende Teil der Mitarbeiter, der sich immer korrekt verhalten“ hat, in Misskredit geraten könne.

Ausgangspunkt für die Bestechungsvorwürfe gegen die Apo-Bande ist ein Immobilienskandal beim Leipziger Bau- und Projektentwickler Licon und dessen Vertriebstochter Medicon. Dort sollen zwei Gesellschafter ihren dritten Mitgesellschafter betrogen haben. Die beiden sitzen in Untersuchungshaft. Sie waren aber offenbar nicht allein. Die Dresdner Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall auch gegen den entlassenen Apobank-Vorstand Stefan Mühr sowie gegen zwei der drei Vertriebsleiter der Apobank, Markus Herzig und Jürgen Grabensee. Sie alle wurden schon in der vergangenen Woche beurlaubt.

Bundesfinanzaufsicht ermittelt

Doch drei unfreiwillige Urlauber reichen nicht aus, um dem Desaster zu begegnen. „Wir werden die gesamte Vertriebsstruktur einer kompletten Prüfung unterziehen“, sagt Pfennig und bietet möglichen Mittätern einen Ablasshandel an: Wer bei der Aufklärung hilft, müsse – auch wenn er selbst in die Sache verwickelt ist – nicht mit einer fristlosen Kündigung und Schadensersatzforderungen rechnen. Die Bank will in dem Fall prüfen, ob die betroffenen Mitarbeiter bei kleineren Verfehlungen an anderer Stelle eingesetzt werden können.

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6 Kommentare zu "Bestechungsvorwürfe: Apo-Bank wird zur Skandalbank"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • So dubios wie hier scheint es an vielen Stellen in
    Genossenschaftlichen Kreisen zu laufen: Verstrickungen der Fonds- und Projektgesellschaften, seltsame Grundstückskäufe zu überhöhten Preisen von anderen genossenschaftseigenen Gesellschaften, unklare Weichkosten, überhöhte Treuhandgebühren, Schmiergeldzahlungen an Regionalbanken, ...

    Ein Sumpf, der bis zum Himmel stinkt. Es gibt noch vieles aufzuräumen bei den Genossen - nicht nur bei der Apobank!

  • Die bafin sollte eine strikte Trennung zwischen bank- und immobiliengeschäften erzwingen mit Verselbständigung des immo-Teils. Notleidende immobilien sind zwecks freihändigem Verkauf nach Zufallsprinzip an örtliche Makler zu geben. Das wird den Charakter von bankern nicht ändern, aber die Möglichkeit zu betrügen ist deutlich eingeschränkt.

  • bei immobilientransaktionen ist für Fondsanleger und nicht unternehmerisch tätigen,lediglich kapitalanlegenden Mitgesellschaftern eigentlich bedingungsloses Vertrauen vonnöten,da über kickbacks und andere ,nicht sofort ins Auge fallende Mittel (Zahlung überhöhter Preise,überhöhter Managementgebühren ,unnötiger beratungsgebühren an diesen und jenen Verkäufer usw. dem betrug Tür und Tor geöffnet ist...Wenn man bei immobiliengeschäften nicht das Sagen hat,sollte man davon die Finger lassen.

  • ... das ist Kapitalismus von seiner besten, aktuellen Seite ... siehe auch: Jürgen Roth`s buchtitel: Mafialand - Deutschland ... wer es immer noch nicht glaubt, dem ist auch nicht mehr zu helfen! Gute Nacht !

  • So dubios wie hier scheint es an vielen Stellen in Genossenschaftlichen
    banken zu laufen. Verstrickungen der Fonds- und Projektgesellschaften,
    seltsame Grundstückskäufe zu überhöhten Preise von genossenschaftseigenen
    Gesellschaften, unklare Weichkosten, überhöhte Treuhandgebühren,
    Schmiergeldzahlungen an Regionalbanken, ...
    Nicht nur die Machenschaften um die maroden DG Fonds sind dafür ein beispiel.


    Ein Sumpf, der bis zum Himmel stinkt. Es gibt noch vieles aufzuräumen!

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