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Bettina Orlopp Warum diese Commerzbankerin als brillant und bescheiden gilt

Die erste Frau im Vorstand der Commerzbank ist für die schwierigen Themen wie den Stellenabbau zuständig – und wird dennoch von allen Seiten gelobt.
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Startete ihre Karriere bei McKinsey. Quelle: imago/STAR-MEDIA
Bettina Orlopp

Startete ihre Karriere bei McKinsey.

(Foto: imago/STAR-MEDIA)

FrankfurtStellenstreichungen, härtere Kontrollen und ein Zurückfahren von individuellen Bonuszahlungen: Bettina Orlopp ist im Vorstand der Commerzbank wahrlich nicht für die populärsten Themen zuständig. Umso überraschender ist es, dass man innerhalb und außerhalb des Instituts fast nur Positives über die 48-Jährige hört.

Die Finanzaufsicht ist mit ihrer Arbeit ebenso zufrieden wie der Aufsichtsrat. Ihr Vertrag wurde kürzlich einstimmig bis 2024 verlängert. Und auch bei den meisten Arbeitnehmervertretern genießt Orlopp einen guten Ruf – trotz des schmerzhaften Umbaus von Deutschlands zweitgrößter Privatbank.

Im persönlichen Austausch tritt die Managerin unprätentiös auf. Gespräche mit ihr sind angenehm, Fragen zu kritischen Themen quittiert sie bisweilen mit einem Lächeln. „Früher oder später kommt in Gesprächen mit Menschen, die Bettina Orlopp kennen, schon einmal die Bemerkung: ‚Das ist ja eine richtig Nette‘“, sagt der langjährige Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller.

Doch damit sei Orlopp nur unzureichend beschrieben. „Sie ist eine exzellente Analytikerin, bereit und fähig, auch sehr schwierige Entscheidungen zu treffen und konsequent umzusetzen.“

Bei der Commerzbank gibt es dafür reichlich Gelegenheiten. Orlopp arbeitet seit 2014 für das Frankfurter Institut. Und im November 2017 zog sie als erste Frau überhaupt in den Vorstand des fast 150 Jahre alten Geldhauses ein. Sie ist dort für Recht, Compliance und Personal zuständig – und hat aktuell an allen Ecken und Enden zu tun.

Nach der Verkündung der Strategie „Commerzbank 4.0“ im Herbst 2016 ist es Orlopp innerhalb eines Dreivierteljahres gelungen, sich mit den Arbeitnehmervertretern auf die Rahmenbedingungen für den Abbau von 9600 Vollzeitstellen zu verständigen. Zudem treibt sie die Digitalisierung der Bank voran – unter anderem durch ein Traineeprogramm für Digitalexperten. „Sie denkt über ihren eigenen Bereich hinaus und kann im Team agieren“, sagt ein Commerzbank-Insider. „Sie ist ein Anker im Vorstand.“

Zu Orlopps wichtigsten Aufgaben zählt es darüber hinaus, die Kontrollsysteme der Bank zu verbessern. Die US-Behörden haben dem Institut 2015 wegen Sanktionsverstößen und laxer Geldwäschekontrollen eine Strafe von 1,45 Milliarden Dollar aufgebrummt.

Zudem zwangen sie die Bank, einen sogenannten Monitor einzusetzen, der das Institut kontrolliert. Doch mittlerweile ist der Monitor mit den Fortschritten bei den Überwachungssystemen offenbar zufrieden – und wird seine Arbeit bei der Bank wohl bald beenden.

Für Orlopp wäre das ein großer Erfolg. Sie habe die Stärkung der Kontrollsysteme intern „mit sehr viel Härte“ durchgesetzt, berichtet eine mit dem Thema vertraute Person. Auch die Finanzaufsicht lobt ihre Durchsetzungskraft – denn genau daran hat es beim Nachbarn Deutsche Bank in den vergangenen Jahren gehapert.

Orlopp hätte also allen Grund, sich auf die Schulter klopfen zu lassen – doch das entspricht nicht ihrem Wesen. „Sie ist eine sehr freundliche und bescheidene Person“, sagt ein langjähriger Weggefährte. „Sie macht nicht viel Getue um sich selbst. Sie muss nicht im Vordergrund stehen.“

Im vergangenen September ließ sich das allerdings nicht vermeiden. Denn da wurde Orlopp vor rund 250 Gästen im Berliner Adlon Hotel als Managerin des Jahres 2018 ausgezeichnet. Den Gleichstellungspreis vergibt das Familienunternehmen Mestemacher seit 2002. Und Mestemacher-Chefin Ulrike Detmers hofft, dass viele junge Bankerinnen Orlopp nacheifern werden. „Bettina Orlopp ist in der männerdominierten Finanzbranche ein brillantes Vorbild für Frauen.“

Orlopp hat in Regensburg Betriebswirtschaft studiert. Anschließend heuerte sie – wie einst ihr Vater – bei der Unternehmensberatung McKinsey an. Dort stieg sie mit 32 Jahren zur Partnerin auf – und gab im gleichen Jahr ihre Promotion an der Universität Regensburg ab. Anschließend brachte sie zwei Kinder zur Welt und arbeitete vorübergehend in Teilzeit für die Beratungsfirma.

2014 lotste sie der damalige Commerzbank-Chef Martin Blessing, der selbst viele Jahre für McKinsey gearbeitet hatte, dann nach Frankfurt. Dort setzt sich Orlopp neben dem Umbau des Instituts und der Stärkung der Kontrollsysteme auch für die Förderung von Frauen ein. Bis Ende 2021 sollen bei der Commerzbank mindestens 35 Prozent aller Führungskräfte weiblich sein.

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