Bezahlen mit dem Smartphone Mit dieser Funktion sticht Google Pay im Praxistest die Konkurrenz aus

Was hat Google Pay, was die NFC-Karte und die Payback-Pay-App nicht haben? Ein Selbstversuch unserer Autorin zeigt die Stärken und Schwächen.
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Das Smartphone muss nur aus dem Bereitschaftsmodus geweckt und ans Terminal gehalten werden, dann ist die Zahlung erfolgt. Quelle: dpa
Vorstellung von Google Pay

Das Smartphone muss nur aus dem Bereitschaftsmodus geweckt und ans Terminal gehalten werden, dann ist die Zahlung erfolgt.

(Foto: dpa)

FrankfurtAn der Kasse mit dem Smartphone zu bezahlen gehört für mich schon seit zwei Jahren zum Alltag. Anfang Juni 2016 hatte ich die Payback-App mit Bezahlfunktion getestet – und bin dabei geblieben. Statt zweier Karten, also Bankkarte und Karte des Bonusprogramms, muss ich nur das Handy zücken. Das hat mich überzeugt.

Außerdem empfinde ich es als Vorteil, dass ich den QR-Code schon einscannen kann, während der Kassierer noch meine Ware scannt. Ab dann kann ich mich ganz um das Einpacken meiner Einkäufe kümmern und muss nicht nochmal vor zum Kassenterminal.

Im Frühjahr vergangenen Jahres folgte der zweite Test einer mobilen Bezahllösung: Mein Smartphone hatte eine kurze Liaison mit der App Vodafone-Wallet. Praktisch war dabei zwar, dass ich mein Paypal-Konto für die Zahlungen hinterlegen konnte, häufig genutzt habe ich die Wallet-App aber nicht. Der Vorteil gegenüber einer Bankkarte mit kontaktloser Bezahlfunktion (NFC) erschien mir noch zu gering. Deshalb bekümmert es mich auch nicht, dass die App dieser Tage eingestellt wird.

Jetzt steht der dritte Test an: Google Pay. Am Dienstag ist das Bezahlsystem offiziell in Deutschland gestartet und wird dabei zunächst von der Commerzbank, Comdirect, N26 und Wirecard (mit der Boon-Kreditkarte) unterstützt. Folgen sollen demnächst die LBBW und Revolut.

Große Kundennachfrage bei Comdirect

Zufällig habe ich sowohl Einblick in die Banking-App der Comdirect als auch in die von N26. In der Smartphone-App der Comdirect fehlt bis Mittwochmorgen von Google Pay noch jede Spur – auch auf der mobilen Hilfe-Seite ist nichts darüber zu lesen, und über die App sind keine Einstellungen möglich.

Auf der Internet-Seite der Comdirect sticht ebenfalls keine Werbung für Google Pay ins Auge. Doch immerhin hilft die Volltextsuche. Kurios: Noch vor einigen Wochen hatte die Comdirect mit einer kurzzeitig vorab veröffentlichten Google-Pay-Hilfeseite die Spekulationen über einen nahenden Deutschlandstart befeuert. Doch am Mittwochmorgen, also nach dem Start, war die Hilfeseite noch unvollständig.

Bei der Antwort zum Aktivierungscode fehlte ein Link, ebenso bei der Frage, wie man seine Visa-Karte für das Bezahlen mit dem Handy registriert. Hier wurde sogar ein Video versprochen, aber nicht gezeigt. Immerhin konnte ich dennoch herausfinden, dass die Visa-Kreditkarte unter „Konto und Karte“ für Google Pay freigeschaltet werden kann.

Auf Nachfrage versichert ein Sprecher der Comdirect, dass fehlende Angaben schnellstmöglich eingefügt würden. „Mittelfristig“ sei zudem geplant, Google Pay in die Banking-App einzubinden. Schon jetzt verzeichne die Direktbank aber eine große Nachfrage ihrer Kunden. Bis Dienstagabend hat es laut Matthias Hach, Marketing-und Vertriebsvorstand der Comdirect, schon „weit über 1000 Anmeldungen und viele Zahlungen“ gegeben.

Auch bei der Smartphone-Bank N26 wird in der App – anders als auf der Website – nicht für Google Pay geworben. Um die Debit-Mastercard für Google Pay freizugeben, muss man sich allerdings nicht erst über die Website einloggen, sondern kann das in der App erledigen. Unter „Karteneinstellungen“ kann die Karte zu Google Pay hinzugefügt werden. Für Kunden, die es mit der mobilen Organisation ihrer Finanzen ernst meinen, ist das praktisch.

Google Pay einrichten

Nun gut, da ich die N26-App jetzt schon geöffnet habe, starte ich damit den Google-Pay-Praxistest. Die technischen Voraussetzungen habe ich vorher bereits geklärt: Mein Smartphone verfügt mindestens über das Betriebssystem Android 5.0 und hat eine NFC-Schnittstelle für die kontaktlose Datenübertragung. Auch den notwendigen Google-Account habe ich, und die Bildschirmsperre ist ebenfalls aktiv.

Sobald ich zugestimmt habe, dass ich die N26-Karte zu Google Pay hinzufügen möchte, beginnt die Verbindung, und es öffnet sich eine Seite, auf der ich meine Telefonnummer und Adresse angeben muss. Danach muss ich den Nutzungsbedingungen von N26 zustimmen. Hier geht es unter anderem darum, dass Google für die Abwicklung der Transaktionen verantwortlich ist. Dummerweise ist das auf Englisch formulierte Schriftstück danach weder in der App noch über die Website aufzufinden. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin jedoch mit, dass das noch Mittwoch nachgeholt werde, und die Bedingungen dann auch auf Deutsch verfügbar seien.

Nach der Zustimmung werde ich gefragt, ob ich von Google Pay Angebote per E-Mail bekommen möchte. Eigentlich würde ich hier nicht zustimmen, da die Zahl der Newsletter in meinem Postfach sowieso schon überhandnimmt, doch ich bin neugierig, ob von Google passgenauere Angebote kommen als von anderen Anbietern. Damit wären wir dann auch schon bei Thema Datenschutz.

Wer Google Pay nutzen will, muss den Nutzungsbedingungen der Bezahlfunktion, den Datenschutzhinweisen von Google Payments und den Datenschutzbestimmungen von Google zustimmen. Laut den Nutzungsbedingungen von Google Pay werden personenbezogene Daten nur genutzt, um die Zahlungsmethode und die Transaktionsdetails bereitstellen zu können – Betrag, Datum und Uhrzeit des Kaufs sowie der Händler werden in der App unter „letzte Aktivitäten“ gelistet. Daneben sollen die Daten zur Verarbeitung der Transaktionen dienen.

Von einer Nutzung für Werbung und Ähnliches ist dort nichts zu lesen. Auch Torsten Daenert, der im Privatkundengeschäft der Commerzbank als Bereichsleiter für Zahlungsverkehr und Einlagen zuständig ist, betonte im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Google bekommt die Daten nur zur Identitätsprüfung und zur Transaktionsabwicklung. Darüber hinaus darf das Unternehmen die Daten nicht nutzen – weder zu Werbezwecken noch zum Weiterverkauf.“

Und dennoch, in Zeiten, wo Daten mal als das „neue Gold“ und mal als das „neue Öl“ bezeichnet werden, ist es aus Kundensicht schwer zu glauben, dass Google ausgerechnet die wertvollen Zahlungsdaten links liegen ließe. Von Google Pay wird der Nutzer weitergeleitet zu den Datenschutzhinweisen von Google Payments. Auch dort ist von Werbung noch keine Rede. Allerdings werden einige Bedingungen genannt, unter denen personenbezogene Daten an andere Unternehmen und Tochterunternehmen von Google weitergeben werden dürfen.

Letztlich wird auf die Datenschutzbestimmung von Google verwiesen, und darin wird als ein Grund für die Datenerhebung durch Google die „Bereitstellung personalisierter Dienste, einschließlich Inhalte und Werbeanzeigen“ genannt. Ob Google dank dieser Klausel doch an meine Transaktionsdaten kommt? Eine abschließende Beurteilung ist für mich als Laie schwierig, deshalb muss ich zunächst einmal den offiziellen Aussagen zu diesem Thema vertrauen. Würden meine Bedenken überwiegen, müsste mein Test an dieser Stelle enden, doch ich möchte Google Pay jetzt ausprobieren.

Mit Google Pay an die Ladenkasse

Nachdem ich allem zugestimmt habe und die Einrichtung abgeschlossen ist, soll ich Google Pay nutzen können – obwohl ich die App selbst gar nicht installiert habe. Also los zum nächstgelegenen Händler, einem Rewe-Supermarkt. In der Liste der Akzeptanzstellen taucht die Kette nicht auf. Da dort aber NFC-Zahlungen möglich sind und Kreditkarten akzeptiert werden, bin ich zuversichtlich, dass es klappen wird.

Also schnell ein paar Waren in den Einkaufskorb gepackt und ab zur Kasse. Dort sorgt meine Ansage, dass ich mit Google Pay bezahlen möchte, bei der Kassiererin kurz für einen verwunderten Blick. Doch als ich das Handy zum Kartenterminal halte, versteht sie: „Ach so, mit Karte!“ Ich halte mein Smartphone nahe an das Kartenterminal, aber im Display erscheint eine Meldung, dass die Karte nicht gelesen werden konnte.

Kurz bin enttäuscht, aber dann erkenne ich das Problem: Anwenderfehler. Im Eifer des Gefechts habe ich vergessen, mein Smartphone aufzuwecken, also den Knopf zu drücken, der dafür sorgt, dass das Display leuchtet. Sobald ich das nachgeholt habe, vibriert mein Handy, an der Kasse piept es, und ich habe bezahlt.

Da ich für weniger als 25 Euro eingekauft habe, war dieses „Aufwecken“ ausreichend. Doch auch bei höheren Beträgen entfällt – im Gegensatz zum Bezahlen mit NFC-Karten und im Gegensatz zum Bezahlen mit der eingestellten App Vodafone-Wallet – die Eingabe der PIN. Dann muss nur die Bildschirmsperre aufgehoben werden.

Treupunkteprogramme in Google Pay

Nun möchte ich aber doch auch wissen, wie die Google-Pay-App aussieht. Ich installiere sie, und stelle fest, dass man darin auch Karten für Treuepunkteprogramme hinterlegen kann. Dafür wählt man das entsprechende Programm aus und kann dann entweder die Karte abfotografieren oder die Kundennummer eintippen.

Da ich meine Payback-Karte gerade nicht parat habe, in der Payback-App aber die Nummer finde, gebe ich diese ein. Leider wird sie von Google Pay nicht in einen Strichcode umgewandelt. Kurz habe ich die Hoffnung, dass dies egal sein könnte, da die Nummer der Treuekarte beim Bezahlen automatisch übermittelt werden könnte. Beim Blick auf den Kassenzettel zum zweiten Einkauf wird diese Hoffnung aber enttäuscht: Es wurden keine Payback-Punkte verbucht.

Damit die Kundenkartendaten an der Kasse übermittelt werden, muss der Nutzer vor dem Bezahlen die Google-Pay-App öffnen und die gespeicherte Karte auswählen. Wurde ein Barcode hinterlegt, soll man den Kassierer laut Google-Hilfe-Seite darum bitten, diesen zu scannen. Wurde nur eine Nummer hinterlegt, soll man dem Kassierer diese geben. Der müsste sie dann manuell eintippen. Das würde aber jegliche Zeitersparnis, die durch das mobile Bezahlen entsteht, wieder zunichte machen. Deshalb verzichte ich auf diesen Test.

Wer möchte, kann für jede einzelne Kundenkarte auch seinen Standort freigeben. Dann würde ich laut App „benachrichtigt, wenn dieses Treueprogramm in der Nähe genutzt werden kann“. Auch könnte ich für Google Pay generell den Standortzugriff aktivieren, dann würde Google Pay mir mitteilen, wo ich damit „bezahlen und sparen kann“.

Den Standortzugriff habe ich allerdings schon Payback Pay verwehrt. Der Gedanke, dass der Bezahldienst ständig wissen könnte, wo ich gerade bin, ist mir persönlich nicht geheuer. Außerdem befürchte ich, dann mit Werbung überfrachtet zu werden.

Fazit

Den ersten Praxistest hat Google Pay bei mir bestanden, der Test bei weiteren Händlern steht noch aus. Insbesondere bei Händlern, deren Kassenterminals zwar NFC-fähig sind, die aber keine Kreditkarte akzeptieren, erwarte ich Enttäuschungen. Dennoch ist die Zahl der Akzeptanzstellen hoch, und besonders praktisch ist, dass ich Google Pay auch im Ausland nutzen kann.

Dagegen ist Payback Pay nur bei neun Partnern des Bonusprogramms verfügbar. Obwohl mit Rewe, Alnatura, Penny und den dm-Drogerien einige große Ketten dabei sind, bleibt das weiterhin ein Nachteil.
Positiv fällt mir auch auf, dass ich die Google-Pay-App zum Bezahlen nicht öffnen muss – wobei ich das bisher bei Payback nie als echten Nachteil empfunden hatte, denn das Öffnen der App dauert nicht länger, als die Bankkarte aus dem Portemonnaie zu ziehen. Trotzdem gilt bei langen Schlangen an der Kasse: Je schneller, desto besser - und da besiegt die NFC-Technik den QR-Code.

Auf die Frage, welchen Vorteil die Zahlung per Handy gegenüber der Kartenzahlung per NFC hat, gibt Google Pay eine tatsächlich überzeugende Antwort - und sticht mit dieser Funktion die Konkurrenz aus: Bis zu einem Betrag von 25 Euro muss man das Smartphone nur aufwecken, und auch bei höheren Beträgen reicht es, das Gerät lediglich zu entsperren. Im Gegensatz zu NFC-Karten entfällt also die Eingabe der PIN, und man sollte mit Google Pay alle Beträge schnell bezahlen können.

Viel Luft nach oben besteht noch bei der Integration der Treueprogramme. Das gleiche Problem gab es auch schon bei Vodafone-Wallet. Dass man die App doch wieder öffnen muss, um die Karte scannen zu lassen, verzögert das Bezahlen. Schöner wäre es, wenn die App an der Händlerkasse automatisch erkennen würde, welche Treuekartedaten dort übermittelt werden können. Immerhin: Die eingescannten Karten sind immer noch bequemer als die vielen Plastikkarten im Portemonnaie – und letztes möchte man ja künftig gerne ganz zu Hause lassen.

Ich persönlich werde ab sofort voraussichtlich viergleisig fahren: bei den Payback-Pay-Partnern weiter diese App nutzen, bei anderen Händlern mit Google Pay bezahlen und zusätzlich noch meine Girocard dabei haben. Erst, wenn die bei Google Pay hinterlegt werden kann, wird das Bezahlsystem wirklich für die breite Masse an Kunden und Händlern attraktiv.

Wann das soweit sein soll, wurde bisher nicht verraten.
Und das vierte Zahlungsmittel: Meist halte ich mich in Deutschland auf – also brauche ich natürlich auch einen kleinen Notgroschen in Form von Bargeld.

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