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Die Frankfurter Türme der Deutschen Bank

Das erste volle „Sewing-Quartal“ zeigt Verbesserungen.

(Foto: AP)

Bilanz Wie Sewing die Deutsche Bank das Sparen lehrt

Das Institut hat im zweiten Quartal weniger verdient, macht aber Fortschritte auf der Kostenseite. Die Fondstochter DWS enttäuschte die Anleger aber.
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FrankfurtDer Weg zur Profitabilität bleibt für die Deutsche Bank lang und steinig, doch vier Monate nach dem Amtsantritt von Vorstandschef Christian Sewing trägt nun immerhin dessen Sparkurs erste Früchte. Das zweite Quartal mag für die Deutsche Bank insgesamt durchwachsen gewesen sein, ein Blick auf die Kostenseite der Bank zeigt aber, wo das Institut Fortschritte macht.

„Die Fähigkeit der Bank, bei ihren Profitabilitätszielen zu liefern, steht und fällt mit den Kosten“, betonte ein Analyst während der Telefonkonferenz der Bank am Vormittag. Zwar lagen die Gesamtkosten der Bank insgesamt mit 5,8 Milliarden Euro knapp über dem Wert des Vorjahres.

Allerdings lag das auch an höheren Restrukturierungskosten, die mit den Sparbemühungen zusammenhängen. Die bereinigten Kosten, in denen Sondereffekte wie die Rechtsrisiken, Restrukturierungen oder Abschreibungen außen vor bleiben, sind aber gesunken. Für die Bank ist das ein wichtiger Fortschritt. „Der Trend bei den Kosten geht in die richtige Richtung“, sagte Vorstandschef Sewing den Analysten.

„Es gibt viel Schatten und wenig Licht bei der Deutschen Bank“

Die Umsetzung von Kürzungen und Sparprogrammen sind stets eine heikle Operation. Oft sinken dabei die Erträge schneller als die Kosten. Vor allem im Investmentbanking tat sich das Institut lange schwer damit zu entscheiden, bei welchen Geschäften und Portfolios es den Rotstift wie entschlossen ansetzen soll. Auch im zweiten Quartal sind die Erträge im Investmentbanking gesunken, besonders stark im für die Bank noch immer wichtigen Wertpapierhandel mit einem Rückgang von 14 Prozent.

Immerhin bot der Blick auf den Aktienhandel eine beinahe schon tröstliche Erkenntnis: Obwohl die Bank gerade in diesem Bereich heftige Einschnitte angekündigt hat – immerhin soll etwa jede vierte Stelle wegfallen – blieb das Ertragsminus mit sechs Prozent fast schon überschaubar.

Rückzug aus Sparten unterschiedlich erfolgreich

Im ersten Quartal waren die Einnahmen dort noch um rund 20 Prozent eingebrochen. Mittlerweile hat die Bank ihr Sparprogramm unter den Mitarbeitern im Vertrieb nach eigenen Angaben aber weitgehend umgesetzt. „Die Mitarbeiter können sich nun wieder auf ihre Kunden konzentrieren“, sagte Sewing.

Auch der Rückzug aus Teilen des Hedgefonds-bezogenen Geschäfts verlief überwiegend glimpflich. Die Bank reduzierte ihre Geschäftsaktivitäten, konnte aber im verbliebenen Geschäft höhere Margen umsetzen. Doch der Verzicht auf bestimmte Geschäftsfelder hat auch seinen Preis: Wettbewerber des Instituts etwa haben im vergangenen Quartal unter anderem deshalb im Handelsgeschäft gut abgeschnitten, weil sich im Rohstoffhandel viel Geld verdienen ließ.

Die Deutsche Bank hat dieses Geschäft praktisch eingestellt. Die Frankfurter bereuen diesen Schritt dennoch nicht: Anstatt als mittelgroßer Spieler hin und wieder von einem gut laufenden Markt zu profitieren, will sich die Bank lieber auf die Geschäfte konzentrieren, in denen sie ihre Stärken sieht.

So erfreulich die Kostensenkungen für die Bank sind, auf der Ertragsseite kommt das Institut noch nicht richtig vom Fleck. Auf den ersten Blick blieben die Bruttoerträge im Vergleich zum Vorjahr zwar fast stabil. Rechnet man aber die zahlreichen Sondereffekte heraus, die die Einnahmen in die eine oder andere Richtung verzerrt haben, dann holte das Institut acht Prozent weniger Erträge herein als noch im Vorjahr.

Davon war nicht allein der Aktien- und Anleihehandel betroffen. Auch im Privatkundengeschäft nahm die Bank rund ein Prozent weniger, dabei hatte im Vorjahr ein Einmaleffekt das Ergebnis belastet.

Schwierigkeiten bei der DWS

Für die Bank besonders unerfreulich sind jedoch die Warnsignale, die die Fondstochter DWS aussandte. Zwar hat der Vermögensverwalter, der seit März auch an der Börse notiert ist, unter dem Strich mehr verdient als im Vorjahr. Doch die einstige Vorzeigetochter musste das zweite Quartal in Folge Nettoabflüsse von Kundengeldern hinnehmen. Immerhin 4,9 Milliarden Euro zogen Kunden zwischen April und Juni ab. Im ersten Quartal waren es sogar 7,8 Milliarden Euro gewesen.

Die DWS gab deshalb ihr Ziel, drei bis fünf Prozent mehr Geld einzusammeln, nun auch offiziell auf: „Angesichts der Volatilität und der Stimmung am Kapitalmarkt ist es unwahrscheinlich, dass wir unser Jahresziel für 2018 beim Nettomittelaufkommen erreichen werden“, sagte DWS-Finanzchefin Claire Peel am Mittwoch.

„Wir halten jedoch an unseren mittelfristigen Zielen diesbezüglich fest.“ Eigentlich will die DWS immer zwischen drei und fünf Prozent mehr Geld einsammeln. Die Margen bröckelten erneut ein wenig ab, auch wenn sie knapp über der von der DWS angepeilten Marke von 0,3 Prozent blieben.

Dem Gewinn half das wenig: Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte das Vorsteuerergebnis um 40 Prozent auf 149 Millionen Euro. Da trösteten auch die Sparbemühungen nicht: Das Fondshaus ist zuversichtlich, bereits in diesem Jahr 20 bis 30 Prozent seines mittelfristigen Einsparziels von 125 bis 150 Millionen Euro zu erreichen.

Applaus von den Anlegern gab es für die vorgelegten Zahlen dann aber weder für die Deutsche Bank noch für die Fondstochter DWS. Die Aktie der Deutschen Bank, die nach Veröffentlichung der Eckdaten noch deutlich gestiegen war, unter anderem weil die Bank mit 401 Millionen Euro „nur“ 14 Prozent weniger Gewinn machte, gab am frühen Mittwochmittag um etwas mehr als ein Prozent nach, ähnlich sah es bei der DWS aus.

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