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Bilanzcheck Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt

Die Deutsche Bank hat viele Probleme, besonders beim Investmentbanking. Vor der Hauptversammlung gibt sich der Finanzvorstand einsichtig. Die Zahlen im Bilanzcheck.
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Achleitner: „Der Deutschen Bank geht es ähnlich wie Eintracht Frankfurt“

FrankfurtWer wissen will, wie es um die Deutsche Bank bestellt ist, der muss sich eigentlich nur eine Kennzahl anschauen. Nichts spiegelt das tiefe Misstrauen des Kapitalmarkts so prägnant wider wie das Verhältnis von Aktienkurs zum Wert des Bilanzvermögens.

Das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis gilt als einer der wichtigsten Vertrauensindikatoren für Banken. Nach dem Aus der Fusionsgespräche mit der Commerzbank und enttäuschenden Zahlen für das erste Quartal 2019 ist diese Kennzahl auf nur noch 0,2 geschrumpft. Ein Wert über eins signalisiert Solidität, ein Wert darunter latentes Misstrauen. So schlecht wie die Deutsche Bank schneidet keiner ihrer weltweiten Konkurrenten ab.

Für die Skepsis gibt es einen einfachen Grund: In seinem ersten Jahr an der Spitze des größten heimischen Geldhauses hat Vorstandschef Christian Sewing zwar die Kosten in den Griff bekommen, aber die kontinuierliche Erosion der Erträge konnte er nicht aufhalten. Die Folge: In der Woche vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung am Donnerstag ist der Aktienkurs auf ein neues Allzeittief von 6,58 Euro gefallen.

 Finanzvorstand James von Moltke bringt das Dilemma auf den Punkt: „Bislang haben wir vor allem hart an den Kosten gearbeitet und damit Ertragsrückgänge ausgeglichen. Zu dieser Kostendisziplin muss auch wieder Ertragswachstum kommen“, sagte er dem Handelsblatt.

Ihr Kostenziel hat die Bank 2018 mit 22,8 Milliarden Euro zwar leicht übertroffen, aber die Erlöse schrumpften im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 25,3 Milliarden Euro. Die Einnahmen sanken in allen drei Kerngeschäftsfeldern, wobei das Privatkundengeschäft mit einer roten Null am besten abschnitt.

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Auch im ersten Quartal schmolzen die Erlöse, und Sewing musste seine Ertragsprognose für dieses Jahr kassieren. 2019 rechnet die Bank jetzt nur noch mit stabilen anstatt leicht höheren Einnahmen. Anzeichen für eine Wende zum Besseren gibt es nur in Teilbereichen: Seit dem vierten Quartal konnte die Bank im Zahlungsverkehr- und im Handelsfinanzierungsgeschäft mehr Einnahmen erzielen. Und auch im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft stiegen die Zinserträge.

Handelssparte unter Druck

Doch solche Verbesserungen entwickeln bislang kaum Durchschlagskraft. Das liegt vor allem an den Rückschlägen, die die Bank in ihrer einstigen Vorzeigesparte – dem Investmentbanking – einstecken muss: Dort sackten die Einnahmen 2018 um acht Prozent ab. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich auf 530 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite lag bei bescheidenen 0,9 Prozent.

Mit einem Einnahmeminus von 17 Prozent musste die einstige Paradedisziplin, der Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten, einen besonders starken Einbruch hinnehmen. Wie schwierig die Lage im Handel tatsächlich ist, lässt sich allenfalls erahnen. Die Deutsche Bank weist für einzelne Teile der Investmentbank keine Gewinne aus.

Zusätzlich verzerrt wird das Bild, weil das Geldhaus seine Transaktionsbank mit ins Investmentbanking gepackt hat. Diese Sparte, die zu den stabilsten Ertragsbringern gehört, verdient ihr Geld mit Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen.

Hier zählen die Frankfurter zur Weltspitze, und Vorstandschef Sewing sieht die Sparte als einen der wichtigsten Pfeiler der Strategie, in Zukunft zwei Drittel der Erlöse in stabileren Geschäftsbereichen zu erzielen. Da die Transaktionsbank profitabel arbeitet, dürfte der Handel tief in den roten Zahlen stecken. Viele Investoren wüssten das gerne genauer und fordern mehr Transparenz.

Mittlerweile hat die gesamte Corporate- und Investmentbank zwei Verlustquartale hinter sich. Immer mehr Investoren kommen zu dem Schluss, dass sich das Geldhaus eine Investmentbank dieser Größe schlicht nicht mehr leisten kann. Einige der größten Aktionäre fordern deshalb tiefe Einschnitte in dem Bereich.

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Dass Sewing bereits auf der Hauptversammlung einen Umbauplan für die Investmentbank präsentiert, gilt als unwahrscheinlich. Aber Großinvestoren hoffen, dass er zumindest Andeutungen macht, in welche Richtung die Reise gehen wird.

„Uns ist klar, dass wir noch viel tun müssen, um den Wertpapierhandel angemessen profitabel zu machen“, räumt Finanzchef von Moltke ein. Aber er sagt auch: „Die Finanzmärkte fokussieren sich stark auf unser Handelsgeschäft. Das überdeckt Fortschritte, die wir in anderen Bereichen wie dem Privat- und Firmenkundengeschäft, der Vermögensverwaltung oder der Transaktionsbank gemacht haben.“

Operatives Geschäft lahmt

Bislang schlagen sich diese Fortschritte allerdings nicht in auskömmlichen Renditen nieder. Mit Mühe und Not konnte Sewing 2018 das Versprechen erfüllen, nach drei Verlustjahren in Folge wieder einen Gewinn auszuweisen. Doch das Nettoergebnis von 267 Millionen Euro reichte nur für eine mikroskopische Eigenkapitalrendite von 0,4 Prozent.

Operativ ist die Bank nicht vom Fleck gekommen: Der höhere Gewinn kam vor allem zustande, weil im Vorjahr ein Sondereffekt für eine ungewöhnlich hohe Steuerlast gesorgt hatte. 2018 fiel die Steuerbelastung auf ein normales Maß zurück, sodass ein unverändertes Vorsteuerergebnis zu einem deutlich gestiegenen Nettoergebnis führte.

Große Hoffnungen setzt die Bank auf ein neues Kreditderivat (CDS), mit dem sich Investoren gegen einen Ausfall von Anleihen des Instituts absichern können. Solche Ausfallversicherungen gab es bislang nur für relativ riskante Anleihen des Geldhauses. Die Risikoprämien dieser Absicherungen waren daher deutlich teurer als die anderer Banken.

Das neue Derivat hat die Lücke zu den Wettbewerbern teilweise geschlossen. Allerdings sind die Versicherungskosten anderer Institute nach wie vor deutlich günstiger. „Das neue Kreditderivat auf bevorrechtigte vorrangige Anleihen verbessert die Vergleichbarkeit zu Wettbewerbern und verringert die Absicherungskosten für Kapitalmarktkunden, wenn sie mit uns Geschäfte abschließen“, meint von Moltke. „Für unser Geschäft ist das eine gute Nachricht, auch wenn sich das Ausmaß dieses Effekts schwer messen lässt.“

Achleitner im Fokus der Kritik

Diese positive Nachricht wird kaum ausreichen, um die frustrierten Aktionäre zu beruhigen. Die wirtschaftlichen Probleme der Bank sind neben den schwachen Kontrollsystemen einer der Gründe, warum mit ISS und Glass Lewis erstmals beide einflussreichen Hauptversammlungsberater den Aktionären empfehlen, sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Im Fokus der Kritik steht wieder einmal Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Einige Kernaktionäre der Bank wollen den Österreicher dazu drängen, zügig einen Nachfolger aufzubauen und sein Amt bereits vor Ablauf seines bis 2022 laufenden Vertrags aufzugeben. Sie werfen Achleitner vor, dass die Bank noch immer in der Krise steckt, obwohl er zweimal im Hauruckverfahren den Vorstandschef ausgetauscht hat.

Trotz dieser Kritik gehen Finanzkreise davon aus, dass es für Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung für eine knappe Entlastung reichen könnte. Aber auch das wäre angesichts von sonst üblichen Zustimmungsquoten von 90 Prozent und mehr ein deutlicher Denkzettel.

Von Moltke beschwört derweil eine bessere Zukunft: „Wir sind überzeugt, dass unser Kurs steigen wird, wenn sich unsere Erträge stabilisieren, und dann wieder wachsen“, sagt er. Vielen Analysten fehlt der Glaube: Für 2019 hat Sewing eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent versprochen. Die Analysten trauen der Bank im Schnitt nur 1,8 Prozent zu. Selbst für das Jahr 2021 liegen die Renditeschätzungen bei bescheidenen 3,5 Prozent – weniger, als Sewing bereits für 2019 versprochen hat.

Seit der Fondsanbieter DWS im vergangenen Jahr an die Börse ging, wird darüber spekuliert, ob das der Einstieg der Deutschen Bank in den Ausstieg aus dem Fondsgeschäft bedeuten könnte. Unter Vorstandschef Christian Sewing ist das eher unwahrscheinlich geworden. Erst im April bezeichnete er die DWS als einen „Kernbestandteil unserer Strategie“.

Enge Bindung erwünscht

Diese Anhänglichkeit des Mutterkonzerns ist keine Überraschung: Solange die Deutsche Bank eine Kontrollmehrheit an ihrer Fondstochter besitzt, kann sie deren Gewinne in ihrer eigenen Bilanz konsolidieren. Allein 2018 erzielte das Fondshaus einen Nettogewinn von 391 Millionen Euro.

Das mag fast 40 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen, ist aber höher als das Nettoergebnis der Konzernmutter, das den Aktionären zurechenbar ist: Es betrug gerade einmal 267 Millionen Euro. Auf die stabilen Erträge ihrer Tochter ist die chronisch renditeschwache Deutsche Bank angewiesen.

Für die nötige Kontrolle genügt der Bank bereits ein Anteil von 40 Prozent an der DWS. Rutscht die Beteiligung unter diese Schwelle, könnte die Bank nur noch Dividendenausschüttungen der Tochter verbuchen.  Dass ein Anteil von weniger als 50 Prozent für eine Ergebnis-Konsolidierung ausreicht, hat mit der ungewöhnlichen Rechtsform der DWS zu tun: Sie ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Bei dieser Rechtsform trifft nicht die Hauptversammlung bestimmte wichtige Entscheidungen, sondern die persönlich haftenden Gesellschafter, in diesem Fall die Deutsche Bank. Die Bank hat den freien DWS-Aktionären aber zugesichert, dass die DWS in eine normale AG umgewandelt wird, wenn ihr Anteil unter 40 Prozent sinkt.

Die große Bedeutung der DWS für die Deutsche Bank schränkt aber auch die strategische Freiheit des Fondshauses ein. Zwar soll die DWS an der Konsolidierung ihrer Branche aktiv teilnehmen, wie ihr Vorstandschef Asoka Wöhrmann vor Kurzem sagte.

An DWS soll festgehalten werden

Doch die Deutsche Bank will dem Vernehmen nach auf jeden Fall die Kontrolle über die DWS behalten. Deshalb muss sie bei jedem potenziellen Konsolidierungsschritt darauf achten, dass ihr Anteil an der DWS, der noch bei knapp 80 Prozent der Aktien liegt, nicht unter die Schwelle von 40 Prozent rutscht.

Dieser Aspekt gilt als ein Hemmschuh bei den Gesprächen über eine Fusion der DWS mit dem Fondszweig der Schweizer UBS. Strategisch gilt diese Kombination als sinnvoll, da es zwischen beiden relativ wenige Überschneidungen gibt und sie sich international gut ergänzen.

Ein Zusammengehen mit dem Konkurrenten Amundi erscheint da weniger wahrscheinlich. Zwar gilt Amundi – trotz vieler Überschneidungen – als interessiert, würde die DWS aber wohl ganz übernehmen wollen. Das dürfte aber den Interessen der Deutschen Bank gänzlich zuwiderlaufen.

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Dem DWS-Aktienkurs haben die Fusionsspekulationen gutgetan. Er ist zuletzt auf knapp 30 Euro gestiegen, was den Verlust seit dem Börsengang im März auf unterm Strich rund zehn Prozent begrenzt. Diese Kursentwicklung überdeckt die geschäftlichen Schwächen, mit denen die DWS im Geschäftsjahr 2018 zu kämpfen hatte: Netto zogen Kunden 22,3 Milliarden Euro Kapital ab, während große Konkurrenten am deutschen Markt Milliardensummen einsammelten.

Doch vor allem die immer stärkere Konkurrenz der billigen Indexfonds setzt Gewinne und Margen der Anbieter unter Druck. Die Marge der Managementgebühren der DWS sank infolgedessen auf rund 0,3 Prozentpunkte. Die operativen Schwächen kosteten Wöhrmanns Vorgänger Nicolas Moreau im Oktober den Job.

Seit Wöhrmann das Ruder übernahm, hat das Fondshaus aber einige Fortschritte gemacht. Wöhrmann diagnostizierte Vertriebs-, Organisations- und Performanceschwächen bei der DWS, tauschte die Verantwortlichen aus und kündigte ein Effizienz- und Kostensparprogramm an.

Das Jahr 2019 lief etwas besser an: Im ersten Quartal sammelte die DWS per saldo 2,5 Milliarden Euro neue Kundengelder ein, die Wertentwicklung wichtiger Fonds hat sich verbessert. Auch der Konzerngewinn ist im ersten Quartal 2019 wieder gestiegen.

Beim Kostensparen kommt die DWS gut voran. Doch das mittelfristige Ziel einer Kosten-Ertrags-Quote von weniger als 65 Prozent ist weit – für 2019 peilt Wöhrmann rund 70 Prozent an. Zum Vergleich: Amundi erreicht knapp 51 Prozent.

Stärken und Schwächen der Deutschen Bank

Stärke 1: Endlich sinken die Kosten

Erfolgsmeldungen haben auch in der Ära Christian Sewing Seltenheitswert bei der Deutschen Bank. Einen Durchbruch nimmt der Vorstandschef nach gut einem Jahr im Amt allerdings für sich in Anspruch: Unter Sewing habe die Bank endlich das Sparen gelernt, lautet eine der wichtigsten Botschaften an die Aktionäre.

Zumindest hält der Vorstandschef seine Versprechen. Ende 2018 sollten die bereinigten Kosten im Vergleich zum Vorjahr von 23,9 auf 23 Milliarden Euro fallen. Heraus kam am Ende mit 22,8 Milliarden Euro beinahe eine Punktlandung. Im vergangenen Jahr fielen die bereinigten Kosten in allen vier Quartalen. Den größten Beitrag dazu leisteten bedingt durch den Stellenabbau die Personalkosten.

Ein genauerer Blick in die Zahlen zeigt allerdings, dass die Deutsche Bank unter Sewings Ägide trotz der sinkenden Kosten nicht wirklich effizienter geworden ist. 2018 lag das Verhältnis der um Sondereffekte wie Restrukturierungen und Rechtsrisiken bereinigten Kosten zu den Erträgen auf dieser Basis bei 0,90 Prozent, genau wie im Vorjahr.

Aber zumindest fallen die Erträge nicht mehr schneller als die Kosten. Im Vergleich zu Sewings im vergangenen April geschassten Vorgänger John Cryan ist das bereits ein Fortschritt, denn unter dem Briten stieg das Verhältnis von bereinigten Kosten zu Erträgen stetig von 0,78 Prozent 2015 über 0,82 Prozent 2016 auf die bereits erwähnten 0,90 Prozent 2017.

Im ersten Quartal dieses Jahres konnte Sewing die bereinigten Kosten noch einmal um acht Prozent auf 5,9 Milliarden Euro drücken. Da die Einnahmen gleichzeitig allerdings um neun Prozent fielen, kletterte das Verhältnis von bereinigten Kosten zu Erträgen auf 0,93 Prozent.

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Sewings neues Kostenziel für 2019 liegt bei 21,8 Milliarden Euro, zumindest bislang. Denn der Vorstandschef hat den Investoren versprochen, schneller zu sparen, ‧sollte sein Ziel, 2019 eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent zu erreichen, in Gefahr geraten.

Dabei ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau in der Bank kommen wird, der über die bisherigen Pläne hinausgeht. Bislang will das Geldhaus die Zahl der Stellen von zuletzt weniger als 92.000 bis Ende des Jahres auf unter 90.000 drücken.

Stärke 2: Stabile Transaktionsbank

Die Transaktionsbank ist eine Art Anker für die Deutsche Bank in ihrer dauerkriselnden Firmenkunden- und Investmentbankingsparte. Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierungen bringen stabile Erträge ein und liefern die nötigen Kontakte zu Unternehmen und institutionellen Investoren, um auch Kapitalmarktprodukte wie Währungsabsicherungen zu verkaufen. Etwa 30 Prozent der Erträge der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte steuert die Transaktionsbank bei.

Analysten haben die Rendite der Transaktionsbank einmal auf gut acht Prozent geschätzt – und dieser Wert wird intern nach wie vor als realistisch eingestuft. Das macht die Transaktionsbank zum Zugpferd des Bereichs Firmenkunden und Investmentbanking, der insgesamt auf nur ein Prozent Rendite kommt. Im Wertpapierhandel dürfte die Deutsche Bank also rote Zahlen schreiben.

Kein Wunder, dass die Transaktionsbank zu den Geschäftsfeldern zählt, die Vorstandschef Christian Sewing durch Investitionen gezielt fördern will. Sein Credo lautet, dass sich das Investmentbanking der Deutschen Bank stärker an den Bedürfnissen der Finanzabteilungen von Unternehmen und institutionellen Investoren ausrichten soll.

Gezielte Investitionen sind für die Transaktionsbank wichtig: Im Zahlungsverkehr spielen Automatisierung und Digitalisierung eine wachsende Rolle. Hier hat die Bank zum Teil Nachholbedarf. Und auch in die Kontrollsysteme muss das Institut weiter investieren. Geldwäscheprävention spielt im Zahlungsverkehr eine wachsende Rolle – und ist keine traditionelle Stärke des Instituts.

Zuletzt hat sich die Bank sogar aus besonders anfälligen Ländern zurückgezogen und das Netz aus Korrespondenzbanken ausgedünnt. Das alles hat die Ertragsentwicklung einige Zeit lang belastet. Im Geschäftsjahr 2018 schrumpften die Erträge leicht. Doch seit dem vierten Quartal wächst das Geschäft wieder.

Dieses Wachstum ist nicht zuletzt dem globalen Umfeld geschuldet: Die geopolitischen Risiken etwa lassen den Bedarf nach der Absicherung von Handelsgeschäften generell steigen. Währungsbereinigt wächst das Geschäft in etwa so stark wie der Markt. Damit verpasst die Bank aber die Chance, weitere Marktanteile zu gewinnen.

Schwäche 1: Mangelhafte Kontrollen

Die Deutsche Bank mag viel in ihre Kontrollsysteme investiert und zahlreiche neue Mitarbeiter in ihrer Abteilung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität eingestellt haben. Doch die Baustellen auf diesem Gebiet sind nach wie vor sehr groß.

Im vergangenen Jahr installierte die deutsche Finanzaufsicht Bafin eigens einen Sonderbeauftragten, der die Fortschritte der Bank bei der Einführung besserer Geldwäschekontrollen überwachen soll. Und in den USA fiel die Bank als einziges Institut durch den qualitativen Teil des Stresstest der US-Notenbank.

Solche Vorfälle sind nicht nur rufschädigend, sondern können auch finanzielle Nachteile nach sich ziehen. Damit sind noch nicht einmal Strafzahlungen gemeint: Für Rechtsstreitigkeiten hat das Institut 2018 nur noch 88 Millionen Euro aufgebracht nach 213 Millionen Euro im Vorjahr und sogar 2,4 Milliarden Euro 2016.

Das vordringlichste Problem der Bank sind mittlerweile weniger die offenen Rechtsfälle, sondern ist vielmehr die Modernisierung wichtiger Kontrollsysteme. Die Prozesse des Instituts gelten den Bankenaufsehern als zu komplex und zu wenig automatisiert. Jahrelang hatte die Bank Investitionen in moderne Schutzsysteme unterlassen.

Zwar gestehen auch Bankenaufseher dem Institut zu, dass es sich Mühe gibt und zuletzt Fortschritte erzielte. Es braucht aber Zeit, einen derartigen Rückstand wieder einzuholen. Für die Bank ist das keine gute Nachricht, denn Defizite in diesem Bereich können sich potenziell auf das Geschäft auswirken.

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Das spürte die Bank im November 2018, als sich nach einer Razzia in der Bank einige Kunden eine Zeit lang mit Geschäften zurückhielten. Auf Geheiß der Bafin muss die Bank außerdem bis Ende Juni 2019 rund 20.000 Risikokunden aus ihrer Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte erneut durchleuchtet und deren Kundenakten vervollständigt haben. Von Kunden, bei denen das nicht klappt, trennt sich die Bank – und verliert damit wohl zwangsläufig auch Erträge.

Finanzchef James von Moltke räumt solche Auswirkungen ein, sagt allerdings auch: „Wir haben einige Jahre lang die Risiken reduziert und investiert, um die Kontrollmechanismen zu verbessern. Das hat in einem gewissen Umfang die Erträge belastet, aber mittlerweile ist dieser Effekt nicht mehr sehr groß.“

Schwäche 2: Mieses Handelsgeschäft

Lange Jahre war der Wertpapierhandel nicht nur das Kernstück der Strategie der Deutschen Bank, sondern auch ihr Erfolgsgarant. Auf dem Höhepunkt des Booms, 2006, sorgten die Händler noch für Einnahmen von 13,1 Milliarden Euro. 9,0 Milliarden davon entfielen auf die Paradedisziplin, den Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten.

Die gesamte Investmentbank inklusive des Beratungsgeschäfts und einiger anderer Bereiche verdiente vor Steuern 6,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2010, nach dem Ende der Finanzkrise, hatten sich diese Zahlen zunächst kaum verändert. Doch der schleichende Niedergang hatte zu diesem Zeitpunkt längst begonnen, denn mit ihren deutlich höheren Kapitalanforderungen läuteten die Aufseher einen Paradigmenwechsel ein.

Im Jahr 2018 schrumpften die Einnahmen der Händler auf 7,3 Milliarden Euro. Im Aktienhandel brachen die Erträge um zwölf Prozent ein, im Anleihegeschäft um 17 Prozent. Der Vorsteuergewinn der gesamten Investmentbank inklusive der von Vorstandschef Christian Sewing so hochgelobten Transaktionsbank brach um über die Hälfte auf 530 Millionen Euro ein.

 Im vierten Quartal war die Investmentbank wegen der Turbulenzen an den Märkten sogar mit 303 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. An den Verlusten hat sich auch im ersten Quartal 2019 nichts geändert. Ein Erlöseinbruch von 19 Prozent im gesamten Handelsgeschäft ging einher mit einem Verlust von 88 Millionen Euro vor Steuern.

Sewing wird den Ansprüchen nicht gerecht

Trotz dieser Entwicklung schüttet die Bank für 2018 rund 1,9 Milliarden Euro an Boni aus. Mit 643 Einkommensmillionären beschäftigen die Frankfurter noch immer mehr Großverdiener als jede andere europäische Großbank. Viele Investoren fordern inzwischen tiefe Einschnitte im Investmentbanking.

Sewing hat die Bilanz des Bereichs zwar um rund 100 Milliarden Euro geschrumpft, doch das reicht einigen der größten Aktionäre nicht. Sie wünschen sich eine sehr viel fokussiertere, unternehmensnahe Investmentbank. Umstritten ist vor allem das US-Geschäft.

Die Analysten von JP Morgan schätzten im vergangenen Jahr, dass die Bank sieben Milliarden Euro Eigenkapital freisetzen könnte, wenn sie ihren Ehrgeiz aufgeben würde, mit den Wall-Street-Riesen auf deren Heimatmarkt zu konkurrieren.

Mehr: Paul Achleitner muss wieder einmal um seine Zukunft kämpfen. Eine knappe Entlastung des Aufsichtsratschefs auf der Hauptversammlung wäre wohl nur ein Etappensieg.

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2 Kommentare zu "Bilanzcheck: Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt"

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  • Dieses Institut gereicht Deutschland nicht zur Ehre. Es sollte zerschlagen werden. Europa hat hervorragende, international erfolgreich und seriös agierende, Bankhäuser. Abgesehen von bankrotten Präsidenten braucht niemand diese Bank.

  • Im Mai 2007 lag die höchste Marktkapitalisierung der Deutschen Bank bei rund 62 Mrd. Nach zwischenzeitlich sechs durchgeführten Kapitalerhöhungen von gesamt 32,8 Mrd. liegt der Wert heute bei 14 Mrd.

    Die Bank verliert mehr als 80 Mrd. Aktionärskapital in 12 Jahren und dies entspricht einem Wertverlust von mehr als € 25.000.000.- an jedem Handelstag.

    „.. das muss man aushalten“ erläuterte Hr. Achleitner vor Monaten seinen Umgang mit der üblen Situation. Für viele Aktionäre ist es nicht so einfach, die Entwicklung dieser Bank derart wegzustecken.

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