Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bilanzcheck Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt

Die Deutsche Bank hat viele Probleme, besonders beim Investmentbanking. Vor der Hauptversammlung gibt sich der Finanzvorstand einsichtig. Die Zahlen im Bilanzcheck.
2 Kommentare

Achleitner: „Der Deutschen Bank geht es ähnlich wie Eintracht Frankfurt“

FrankfurtWer wissen will, wie es um die Deutsche Bank bestellt ist, der muss sich eigentlich nur eine Kennzahl anschauen. Nichts spiegelt das tiefe Misstrauen des Kapitalmarkts so prägnant wider wie das Verhältnis von Aktienkurs zum Wert des Bilanzvermögens.

Das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis gilt als einer der wichtigsten Vertrauensindikatoren für Banken. Nach dem Aus der Fusionsgespräche mit der Commerzbank und enttäuschenden Zahlen für das erste Quartal 2019 ist diese Kennzahl auf nur noch 0,2 geschrumpft. Ein Wert über eins signalisiert Solidität, ein Wert darunter latentes Misstrauen. So schlecht wie die Deutsche Bank schneidet keiner ihrer weltweiten Konkurrenten ab.

Für die Skepsis gibt es einen einfachen Grund: In seinem ersten Jahr an der Spitze des größten heimischen Geldhauses hat Vorstandschef Christian Sewing zwar die Kosten in den Griff bekommen, aber die kontinuierliche Erosion der Erträge konnte er nicht aufhalten. Die Folge: In der Woche vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung am Donnerstag ist der Aktienkurs auf ein neues Allzeittief von 6,58 Euro gefallen.

 Finanzvorstand James von Moltke bringt das Dilemma auf den Punkt: „Bislang haben wir vor allem hart an den Kosten gearbeitet und damit Ertragsrückgänge ausgeglichen. Zu dieser Kostendisziplin muss auch wieder Ertragswachstum kommen“, sagte er dem Handelsblatt.

Ihr Kostenziel hat die Bank 2018 mit 22,8 Milliarden Euro zwar leicht übertroffen, aber die Erlöse schrumpften im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 25,3 Milliarden Euro. Die Einnahmen sanken in allen drei Kerngeschäftsfeldern, wobei das Privatkundengeschäft mit einer roten Null am besten abschnitt.

Grafik

Auch im ersten Quartal schmolzen die Erlöse, und Sewing musste seine Ertragsprognose für dieses Jahr kassieren. 2019 rechnet die Bank jetzt nur noch mit stabilen anstatt leicht höheren Einnahmen. Anzeichen für eine Wende zum Besseren gibt es nur in Teilbereichen: Seit dem vierten Quartal konnte die Bank im Zahlungsverkehr- und im Handelsfinanzierungsgeschäft mehr Einnahmen erzielen. Und auch im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft stiegen die Zinserträge.

Handelssparte unter Druck

Doch solche Verbesserungen entwickeln bislang kaum Durchschlagskraft. Das liegt vor allem an den Rückschlägen, die die Bank in ihrer einstigen Vorzeigesparte – dem Investmentbanking – einstecken muss: Dort sackten die Einnahmen 2018 um acht Prozent ab. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich auf 530 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite lag bei bescheidenen 0,9 Prozent.

Mit einem Einnahmeminus von 17 Prozent musste die einstige Paradedisziplin, der Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten, einen besonders starken Einbruch hinnehmen. Wie schwierig die Lage im Handel tatsächlich ist, lässt sich allenfalls erahnen. Die Deutsche Bank weist für einzelne Teile der Investmentbank keine Gewinne aus.

Zusätzlich verzerrt wird das Bild, weil das Geldhaus seine Transaktionsbank mit ins Investmentbanking gepackt hat. Diese Sparte, die zu den stabilsten Ertragsbringern gehört, verdient ihr Geld mit Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen.

Hier zählen die Frankfurter zur Weltspitze, und Vorstandschef Sewing sieht die Sparte als einen der wichtigsten Pfeiler der Strategie, in Zukunft zwei Drittel der Erlöse in stabileren Geschäftsbereichen zu erzielen. Da die Transaktionsbank profitabel arbeitet, dürfte der Handel tief in den roten Zahlen stecken. Viele Investoren wüssten das gerne genauer und fordern mehr Transparenz.

Mittlerweile hat die gesamte Corporate- und Investmentbank zwei Verlustquartale hinter sich. Immer mehr Investoren kommen zu dem Schluss, dass sich das Geldhaus eine Investmentbank dieser Größe schlicht nicht mehr leisten kann. Einige der größten Aktionäre fordern deshalb tiefe Einschnitte in dem Bereich.

Grafik

Dass Sewing bereits auf der Hauptversammlung einen Umbauplan für die Investmentbank präsentiert, gilt als unwahrscheinlich. Aber Großinvestoren hoffen, dass er zumindest Andeutungen macht, in welche Richtung die Reise gehen wird.

„Uns ist klar, dass wir noch viel tun müssen, um den Wertpapierhandel angemessen profitabel zu machen“, räumt Finanzchef von Moltke ein. Aber er sagt auch: „Die Finanzmärkte fokussieren sich stark auf unser Handelsgeschäft. Das überdeckt Fortschritte, die wir in anderen Bereichen wie dem Privat- und Firmenkundengeschäft, der Vermögensverwaltung oder der Transaktionsbank gemacht haben.“

Operatives Geschäft lahmt

Bislang schlagen sich diese Fortschritte allerdings nicht in auskömmlichen Renditen nieder. Mit Mühe und Not konnte Sewing 2018 das Versprechen erfüllen, nach drei Verlustjahren in Folge wieder einen Gewinn auszuweisen. Doch das Nettoergebnis von 267 Millionen Euro reichte nur für eine mikroskopische Eigenkapitalrendite von 0,4 Prozent.

Operativ ist die Bank nicht vom Fleck gekommen: Der höhere Gewinn kam vor allem zustande, weil im Vorjahr ein Sondereffekt für eine ungewöhnlich hohe Steuerlast gesorgt hatte. 2018 fiel die Steuerbelastung auf ein normales Maß zurück, sodass ein unverändertes Vorsteuerergebnis zu einem deutlich gestiegenen Nettoergebnis führte.

Große Hoffnungen setzt die Bank auf ein neues Kreditderivat (CDS), mit dem sich Investoren gegen einen Ausfall von Anleihen des Instituts absichern können. Solche Ausfallversicherungen gab es bislang nur für relativ riskante Anleihen des Geldhauses. Die Risikoprämien dieser Absicherungen waren daher deutlich teurer als die anderer Banken.

Das neue Derivat hat die Lücke zu den Wettbewerbern teilweise geschlossen. Allerdings sind die Versicherungskosten anderer Institute nach wie vor deutlich günstiger. „Das neue Kreditderivat auf bevorrechtigte vorrangige Anleihen verbessert die Vergleichbarkeit zu Wettbewerbern und verringert die Absicherungskosten für Kapitalmarktkunden, wenn sie mit uns Geschäfte abschließen“, meint von Moltke. „Für unser Geschäft ist das eine gute Nachricht, auch wenn sich das Ausmaß dieses Effekts schwer messen lässt.“

Achleitner im Fokus der Kritik

Diese positive Nachricht wird kaum ausreichen, um die frustrierten Aktionäre zu beruhigen. Die wirtschaftlichen Probleme der Bank sind neben den schwachen Kontrollsystemen einer der Gründe, warum mit ISS und Glass Lewis erstmals beide einflussreichen Hauptversammlungsberater den Aktionären empfehlen, sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Im Fokus der Kritik steht wieder einmal Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Einige Kernaktionäre der Bank wollen den Österreicher dazu drängen, zügig einen Nachfolger aufzubauen und sein Amt bereits vor Ablauf seines bis 2022 laufenden Vertrags aufzugeben. Sie werfen Achleitner vor, dass die Bank noch immer in der Krise steckt, obwohl er zweimal im Hauruckverfahren den Vorstandschef ausgetauscht hat.

Trotz dieser Kritik gehen Finanzkreise davon aus, dass es für Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung für eine knappe Entlastung reichen könnte. Aber auch das wäre angesichts von sonst üblichen Zustimmungsquoten von 90 Prozent und mehr ein deutlicher Denkzettel.

Von Moltke beschwört derweil eine bessere Zukunft: „Wir sind überzeugt, dass unser Kurs steigen wird, wenn sich unsere Erträge stabilisieren, und dann wieder wachsen“, sagt er. Vielen Analysten fehlt der Glaube: Für 2019 hat Sewing eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent versprochen. Die Analysten trauen der Bank im Schnitt nur 1,8 Prozent zu. Selbst für das Jahr 2021 liegen die Renditeschätzungen bei bescheidenen 3,5 Prozent – weniger, als Sewing bereits für 2019 versprochen hat.

Seit der Fondsanbieter DWS im vergangenen Jahr an die Börse ging, wird darüber spekuliert, ob das der Einstieg der Deutschen Bank in den Ausstieg aus dem Fondsgeschäft bedeuten könnte. Unter Vorstandschef Christian Sewing ist das eher unwahrscheinlich geworden. Erst im April bezeichnete er die DWS als einen „Kernbestandteil unserer Strategie“.

Enge Bindung erwünscht

Diese Anhänglichkeit des Mutterkonzerns ist keine Überraschung: Solange die Deutsche Bank eine Kontrollmehrheit an ihrer Fondstochter besitzt, kann sie deren Gewinne in ihrer eigenen Bilanz konsolidieren. Allein 2018 erzielte das Fondshaus einen Nettogewinn von 391 Millionen Euro.

Das mag fast 40 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen, ist aber höher als das Nettoergebnis der Konzernmutter, das den Aktionären zurechenbar ist: Es betrug gerade einmal 267 Millionen Euro. Auf die stabilen Erträge ihrer Tochter ist die chronisch renditeschwache Deutsche Bank angewiesen.

Für die nötige Kontrolle genügt der Bank bereits ein Anteil von 40 Prozent an der DWS. Rutscht die Beteiligung unter diese Schwelle, könnte die Bank nur noch Dividendenausschüttungen der Tochter verbuchen.  Dass ein Anteil von weniger als 50 Prozent für eine Ergebnis-Konsolidierung ausreicht, hat mit der ungewöhnlichen Rechtsform der DWS zu tun: Sie ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Bei dieser Rechtsform trifft nicht die Hauptversammlung bestimmte wichtige Entscheidungen, sondern die persönlich haftenden Gesellschafter, in diesem Fall die Deutsche Bank. Die Bank hat den freien DWS-Aktionären aber zugesichert, dass die DWS in eine normale AG umgewandelt wird, wenn ihr Anteil unter 40 Prozent sinkt.

Die große Bedeutung der DWS für die Deutsche Bank schränkt aber auch die strategische Freiheit des Fondshauses ein. Zwar soll die DWS an der Konsolidierung ihrer Branche aktiv teilnehmen, wie ihr Vorstandschef Asoka Wöhrmann vor Kurzem sagte.

An DWS soll festgehalten werden

Doch die Deutsche Bank will dem Vernehmen nach auf jeden Fall die Kontrolle über die DWS behalten. Deshalb muss sie bei jedem potenziellen Konsolidierungsschritt darauf achten, dass ihr Anteil an der DWS, der noch bei knapp 80 Prozent der Aktien liegt, nicht unter die Schwelle von 40 Prozent rutscht.

Dieser Aspekt gilt als ein Hemmschuh bei den Gesprächen über eine Fusion der DWS mit dem Fondszweig der Schweizer UBS. Strategisch gilt diese Kombination als sinnvoll, da es zwischen beiden relativ wenige Überschneidungen gibt und sie sich international gut ergänzen.

Ein Zusammengehen mit dem Konkurrenten Amundi erscheint da weniger wahrscheinlich. Zwar gilt Amundi – trotz vieler Überschneidungen – als interessiert, würde die DWS aber wohl ganz übernehmen wollen. Das dürfte aber den Interessen der Deutschen Bank gänzlich zuwiderlaufen.

Grafik

Dem DWS-Aktienkurs haben die Fusionsspekulationen gutgetan. Er ist zuletzt auf knapp 30 Euro gestiegen, was den Verlust seit dem Börsengang im März auf unterm Strich rund zehn Prozent begrenzt. Diese Kursentwicklung überdeckt die geschäftlichen Schwächen, mit denen die DWS im Geschäftsjahr 2018 zu kämpfen hatte: Netto zogen Kunden 22,3 Milliarden Euro Kapital ab, während große Konkurrenten am deutschen Markt Milliardensummen einsammelten.

Doch vor allem die immer stärkere Konkurrenz der billigen Indexfonds setzt Gewinne und Margen der Anbieter unter Druck. Die Marge der Managementgebühren der DWS sank infolgedessen auf rund 0,3 Prozentpunkte. Die operativen Schwächen kosteten Wöhrmanns Vorgänger Nicolas Moreau im Oktober den Job.

Seit Wöhrmann das Ruder übernahm, hat das Fondshaus aber einige Fortschritte gemacht. Wöhrmann diagnostizierte Vertriebs-, Organisations- und Performanceschwächen bei der DWS, tauschte die Verantwortlichen aus und kündigte ein Effizienz- und Kostensparprogramm an.

Das Jahr 2019 lief etwas besser an: Im ersten Quartal sammelte die DWS per saldo 2,5 Milliarden Euro neue Kundengelder ein, die Wertentwicklung wichtiger Fonds hat sich verbessert. Auch der Konzerngewinn ist im ersten Quartal 2019 wieder gestiegen.

Beim Kostensparen kommt die DWS gut voran. Doch das mittelfristige Ziel einer Kosten-Ertrags-Quote von weniger als 65 Prozent ist weit – für 2019 peilt Wöhrmann rund 70 Prozent an. Zum Vergleich: Amundi erreicht knapp 51 Prozent.

Stärken und Schwächen der Deutschen Bank
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bilanzcheck - Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt

2 Kommentare zu "Bilanzcheck: Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dieses Institut gereicht Deutschland nicht zur Ehre. Es sollte zerschlagen werden. Europa hat hervorragende, international erfolgreich und seriös agierende, Bankhäuser. Abgesehen von bankrotten Präsidenten braucht niemand diese Bank.

  • Im Mai 2007 lag die höchste Marktkapitalisierung der Deutschen Bank bei rund 62 Mrd. Nach zwischenzeitlich sechs durchgeführten Kapitalerhöhungen von gesamt 32,8 Mrd. liegt der Wert heute bei 14 Mrd.

    Die Bank verliert mehr als 80 Mrd. Aktionärskapital in 12 Jahren und dies entspricht einem Wertverlust von mehr als € 25.000.000.- an jedem Handelstag.

    „.. das muss man aushalten“ erläuterte Hr. Achleitner vor Monaten seinen Umgang mit der üblen Situation. Für viele Aktionäre ist es nicht so einfach, die Entwicklung dieser Bank derart wegzustecken.

Serviceangebote