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Bilanzcheck Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt

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Stärken und Schwächen der Deutschen Bank

Stärke 1: Endlich sinken die Kosten

Erfolgsmeldungen haben auch in der Ära Christian Sewing Seltenheitswert bei der Deutschen Bank. Einen Durchbruch nimmt der Vorstandschef nach gut einem Jahr im Amt allerdings für sich in Anspruch: Unter Sewing habe die Bank endlich das Sparen gelernt, lautet eine der wichtigsten Botschaften an die Aktionäre.

Zumindest hält der Vorstandschef seine Versprechen. Ende 2018 sollten die bereinigten Kosten im Vergleich zum Vorjahr von 23,9 auf 23 Milliarden Euro fallen. Heraus kam am Ende mit 22,8 Milliarden Euro beinahe eine Punktlandung. Im vergangenen Jahr fielen die bereinigten Kosten in allen vier Quartalen. Den größten Beitrag dazu leisteten bedingt durch den Stellenabbau die Personalkosten.

Ein genauerer Blick in die Zahlen zeigt allerdings, dass die Deutsche Bank unter Sewings Ägide trotz der sinkenden Kosten nicht wirklich effizienter geworden ist. 2018 lag das Verhältnis der um Sondereffekte wie Restrukturierungen und Rechtsrisiken bereinigten Kosten zu den Erträgen auf dieser Basis bei 0,90 Prozent, genau wie im Vorjahr.

Aber zumindest fallen die Erträge nicht mehr schneller als die Kosten. Im Vergleich zu Sewings im vergangenen April geschassten Vorgänger John Cryan ist das bereits ein Fortschritt, denn unter dem Briten stieg das Verhältnis von bereinigten Kosten zu Erträgen stetig von 0,78 Prozent 2015 über 0,82 Prozent 2016 auf die bereits erwähnten 0,90 Prozent 2017.

Im ersten Quartal dieses Jahres konnte Sewing die bereinigten Kosten noch einmal um acht Prozent auf 5,9 Milliarden Euro drücken. Da die Einnahmen gleichzeitig allerdings um neun Prozent fielen, kletterte das Verhältnis von bereinigten Kosten zu Erträgen auf 0,93 Prozent.

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Sewings neues Kostenziel für 2019 liegt bei 21,8 Milliarden Euro, zumindest bislang. Denn der Vorstandschef hat den Investoren versprochen, schneller zu sparen, ‧sollte sein Ziel, 2019 eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent zu erreichen, in Gefahr geraten.

Dabei ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau in der Bank kommen wird, der über die bisherigen Pläne hinausgeht. Bislang will das Geldhaus die Zahl der Stellen von zuletzt weniger als 92.000 bis Ende des Jahres auf unter 90.000 drücken.

Stärke 2: Stabile Transaktionsbank

Die Transaktionsbank ist eine Art Anker für die Deutsche Bank in ihrer dauerkriselnden Firmenkunden- und Investmentbankingsparte. Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierungen bringen stabile Erträge ein und liefern die nötigen Kontakte zu Unternehmen und institutionellen Investoren, um auch Kapitalmarktprodukte wie Währungsabsicherungen zu verkaufen. Etwa 30 Prozent der Erträge der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte steuert die Transaktionsbank bei.

Analysten haben die Rendite der Transaktionsbank einmal auf gut acht Prozent geschätzt – und dieser Wert wird intern nach wie vor als realistisch eingestuft. Das macht die Transaktionsbank zum Zugpferd des Bereichs Firmenkunden und Investmentbanking, der insgesamt auf nur ein Prozent Rendite kommt. Im Wertpapierhandel dürfte die Deutsche Bank also rote Zahlen schreiben.

Kein Wunder, dass die Transaktionsbank zu den Geschäftsfeldern zählt, die Vorstandschef Christian Sewing durch Investitionen gezielt fördern will. Sein Credo lautet, dass sich das Investmentbanking der Deutschen Bank stärker an den Bedürfnissen der Finanzabteilungen von Unternehmen und institutionellen Investoren ausrichten soll.

Gezielte Investitionen sind für die Transaktionsbank wichtig: Im Zahlungsverkehr spielen Automatisierung und Digitalisierung eine wachsende Rolle. Hier hat die Bank zum Teil Nachholbedarf. Und auch in die Kontrollsysteme muss das Institut weiter investieren. Geldwäscheprävention spielt im Zahlungsverkehr eine wachsende Rolle – und ist keine traditionelle Stärke des Instituts.

Zuletzt hat sich die Bank sogar aus besonders anfälligen Ländern zurückgezogen und das Netz aus Korrespondenzbanken ausgedünnt. Das alles hat die Ertragsentwicklung einige Zeit lang belastet. Im Geschäftsjahr 2018 schrumpften die Erträge leicht. Doch seit dem vierten Quartal wächst das Geschäft wieder.

Dieses Wachstum ist nicht zuletzt dem globalen Umfeld geschuldet: Die geopolitischen Risiken etwa lassen den Bedarf nach der Absicherung von Handelsgeschäften generell steigen. Währungsbereinigt wächst das Geschäft in etwa so stark wie der Markt. Damit verpasst die Bank aber die Chance, weitere Marktanteile zu gewinnen.

Schwäche 1: Mangelhafte Kontrollen

Die Deutsche Bank mag viel in ihre Kontrollsysteme investiert und zahlreiche neue Mitarbeiter in ihrer Abteilung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität eingestellt haben. Doch die Baustellen auf diesem Gebiet sind nach wie vor sehr groß.

Im vergangenen Jahr installierte die deutsche Finanzaufsicht Bafin eigens einen Sonderbeauftragten, der die Fortschritte der Bank bei der Einführung besserer Geldwäschekontrollen überwachen soll. Und in den USA fiel die Bank als einziges Institut durch den qualitativen Teil des Stresstest der US-Notenbank.

Solche Vorfälle sind nicht nur rufschädigend, sondern können auch finanzielle Nachteile nach sich ziehen. Damit sind noch nicht einmal Strafzahlungen gemeint: Für Rechtsstreitigkeiten hat das Institut 2018 nur noch 88 Millionen Euro aufgebracht nach 213 Millionen Euro im Vorjahr und sogar 2,4 Milliarden Euro 2016.

Das vordringlichste Problem der Bank sind mittlerweile weniger die offenen Rechtsfälle, sondern ist vielmehr die Modernisierung wichtiger Kontrollsysteme. Die Prozesse des Instituts gelten den Bankenaufsehern als zu komplex und zu wenig automatisiert. Jahrelang hatte die Bank Investitionen in moderne Schutzsysteme unterlassen.

Zwar gestehen auch Bankenaufseher dem Institut zu, dass es sich Mühe gibt und zuletzt Fortschritte erzielte. Es braucht aber Zeit, einen derartigen Rückstand wieder einzuholen. Für die Bank ist das keine gute Nachricht, denn Defizite in diesem Bereich können sich potenziell auf das Geschäft auswirken.

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Das spürte die Bank im November 2018, als sich nach einer Razzia in der Bank einige Kunden eine Zeit lang mit Geschäften zurückhielten. Auf Geheiß der Bafin muss die Bank außerdem bis Ende Juni 2019 rund 20.000 Risikokunden aus ihrer Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte erneut durchleuchtet und deren Kundenakten vervollständigt haben. Von Kunden, bei denen das nicht klappt, trennt sich die Bank – und verliert damit wohl zwangsläufig auch Erträge.

Finanzchef James von Moltke räumt solche Auswirkungen ein, sagt allerdings auch: „Wir haben einige Jahre lang die Risiken reduziert und investiert, um die Kontrollmechanismen zu verbessern. Das hat in einem gewissen Umfang die Erträge belastet, aber mittlerweile ist dieser Effekt nicht mehr sehr groß.“

Schwäche 2: Mieses Handelsgeschäft

Lange Jahre war der Wertpapierhandel nicht nur das Kernstück der Strategie der Deutschen Bank, sondern auch ihr Erfolgsgarant. Auf dem Höhepunkt des Booms, 2006, sorgten die Händler noch für Einnahmen von 13,1 Milliarden Euro. 9,0 Milliarden davon entfielen auf die Paradedisziplin, den Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten.

Die gesamte Investmentbank inklusive des Beratungsgeschäfts und einiger anderer Bereiche verdiente vor Steuern 6,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2010, nach dem Ende der Finanzkrise, hatten sich diese Zahlen zunächst kaum verändert. Doch der schleichende Niedergang hatte zu diesem Zeitpunkt längst begonnen, denn mit ihren deutlich höheren Kapitalanforderungen läuteten die Aufseher einen Paradigmenwechsel ein.

Im Jahr 2018 schrumpften die Einnahmen der Händler auf 7,3 Milliarden Euro. Im Aktienhandel brachen die Erträge um zwölf Prozent ein, im Anleihegeschäft um 17 Prozent. Der Vorsteuergewinn der gesamten Investmentbank inklusive der von Vorstandschef Christian Sewing so hochgelobten Transaktionsbank brach um über die Hälfte auf 530 Millionen Euro ein.

 Im vierten Quartal war die Investmentbank wegen der Turbulenzen an den Märkten sogar mit 303 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. An den Verlusten hat sich auch im ersten Quartal 2019 nichts geändert. Ein Erlöseinbruch von 19 Prozent im gesamten Handelsgeschäft ging einher mit einem Verlust von 88 Millionen Euro vor Steuern.

Sewing wird den Ansprüchen nicht gerecht

Trotz dieser Entwicklung schüttet die Bank für 2018 rund 1,9 Milliarden Euro an Boni aus. Mit 643 Einkommensmillionären beschäftigen die Frankfurter noch immer mehr Großverdiener als jede andere europäische Großbank. Viele Investoren fordern inzwischen tiefe Einschnitte im Investmentbanking.

Sewing hat die Bilanz des Bereichs zwar um rund 100 Milliarden Euro geschrumpft, doch das reicht einigen der größten Aktionäre nicht. Sie wünschen sich eine sehr viel fokussiertere, unternehmensnahe Investmentbank. Umstritten ist vor allem das US-Geschäft.

Die Analysten von JP Morgan schätzten im vergangenen Jahr, dass die Bank sieben Milliarden Euro Eigenkapital freisetzen könnte, wenn sie ihren Ehrgeiz aufgeben würde, mit den Wall-Street-Riesen auf deren Heimatmarkt zu konkurrieren.

Mehr: Paul Achleitner muss wieder einmal um seine Zukunft kämpfen. Eine knappe Entlastung des Aufsichtsratschefs auf der Hauptversammlung wäre wohl nur ein Etappensieg.

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2 Kommentare zu "Bilanzcheck: Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt"

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  • Dieses Institut gereicht Deutschland nicht zur Ehre. Es sollte zerschlagen werden. Europa hat hervorragende, international erfolgreich und seriös agierende, Bankhäuser. Abgesehen von bankrotten Präsidenten braucht niemand diese Bank.

  • Im Mai 2007 lag die höchste Marktkapitalisierung der Deutschen Bank bei rund 62 Mrd. Nach zwischenzeitlich sechs durchgeführten Kapitalerhöhungen von gesamt 32,8 Mrd. liegt der Wert heute bei 14 Mrd.

    Die Bank verliert mehr als 80 Mrd. Aktionärskapital in 12 Jahren und dies entspricht einem Wertverlust von mehr als € 25.000.000.- an jedem Handelstag.

    „.. das muss man aushalten“ erläuterte Hr. Achleitner vor Monaten seinen Umgang mit der üblen Situation. Für viele Aktionäre ist es nicht so einfach, die Entwicklung dieser Bank derart wegzustecken.

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