Bilanzfälschung Die Frankfurt-Siena-Connection

Zwei Problembanken unter einer Decke: Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, Derivategeschäfte mit dem italienischen Geldhaus Monte dei Paschi verschleiert zu haben. Für beide Institute kommen diese Vorwürfe zur Unzeit.
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Das Hauptquartier der ältesten Bank der Welt in Siena: Erneut gibt es Vorwürfe gegen das Kreditinstitut, diesmal betrifft es Geschäfte mit der Deutschen Bank. Quelle: Reuters
Monte dei Paschi

Das Hauptquartier der ältesten Bank der Welt in Siena: Erneut gibt es Vorwürfe gegen das Kreditinstitut, diesmal betrifft es Geschäfte mit der Deutschen Bank.

(Foto: Reuters)

RomDie krisengeplagte Deutsche Bank hat eine neue, zusätzlicher Baustelle, diesmal in Italien: In einer Anhörung der Finanzaufsicht Bafin kam heraus, dass Manager der Bank in 37 Fällen für Kunden der italienischen Bank Monte dei Paschi aus Siena Transaktionen verschleiert haben sollen, bei denen Kredite, die nicht in den Büchern auftauchten, in Derivate umgewandelt wurden. Das meldet die Agentur Bloomberg, die eine Kopie der Anhörungsunterlagen eingesehen haben will. Die Deutsche Bank habe mit der italienischen Bank unter einer Decke gesteckt, um die Verluste von Monte dei Paschi zu verbergen, schreibt Bloomberg.

Es geht um Vorfälle im Jahr 2013. 103 Deals im Wert von 10,5 Milliarden Euro sollen die Manager der Deutschen Bank für 30 Kunden abgeschlossen haben. 37 davon wurden „angepasst“ ohne Kennzeichnung in den Büchern. Bei der Bafin-Anhörung sei herausgekommen, dass Monte dei Paschi die einzige Bank aus dem Kundenkreis der Deutschen Bank gewesen ist, die mit solchen Transaktionen „Augenwischerei“ betrieben hat.

Die Deutsche Bank dagegen habe in der Zeit von 2008 bis 2010 ähnliche Deals mit anderen Banken von Italien bis Indonesien getätigt, aber nicht korrekt verbucht. Das Derivategeschäft mit Siena, das unter dem Namen „Santorini“ lief, sei von leitenden Bankern der Deutschen Bank nicht autorisiert worden, so Bloomberg. Außerdem seien auch dann keine Korrekturen gemacht worden, als 2012 eine Vorladung der US-Notenbank in Frankfurt einging.

Gute Banken, schlechte Banken
Dunkler Himmel über den Banken in Frankfurt
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Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei den meisten Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 1. Quartal 2018.

Quelle: Unternehmen, Bloomberg

Platz 8: Deutsche Bank
2 von 11

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 9: Credit Suisse
3 von 11

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 10: Commerzbank
4 von 11

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 5: Unicredit
5 von 11

Nettogewinn: 5,5 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 11,9 Prozent

Eigenkapitalquote: 7,2 Prozent

KBV: 0,6

Platz 6: UBS
6 von 11

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Platz 5: Barclays
7 von 11

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

Das Ganze kam 2013 ans Licht, auch dank der italienischen Bankenaufsicht. Monte dei Paschi berichtigte daraufhin wie verlangt seine Jahresabschlüsse bis 2015. Inzwischen ermittelt auch die Justiz. Schon 2008 wurden ehemalige Manager der Deutschen Bank, darunter Michele Faissola und Ivor Dunbar, enge Mitarbeiter des damaligen Chefs Anshu Jain, von der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen der Transaktionen mit Monte dei Paschi beschuldigt.

Erst vor ein paar Tagen, Ende September, kam eine neue Anklage der Staatsanwaltschaft Mailand dazu, die auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert ist. Nach anderthalbjährigen Ermittlungen des Untersuchungsrichters Livio Cristofano ging sie gegen 13 ehemalige und noch beschäftigte Manager von Monte dei Paschi, Deutsche Bank und des Vermögensverwalters Nomura wegen illegaler finanzieller Aktivitäten. Anwälte der Angeklagten lehnten eine Stellungnahme ab.

Chaos bei Monte dei Paschi
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