Speicherraum

Kreditverbriefung und Blockchaintechnologie passen nach Meinung vieler Experten ideal zusammen.

(Foto: Reuters)

Bitcoin-Technologie im Verbriefungsgeschäft „Die Blockchain ist keine Wundertechnologie“

Auf einer Konferenz diskutieren Finanzexperten über Chancen und Risiken der Blockchain bei der Kreditverbriefung. Das Treffen zeigt: Zwischen Vision und Wirklichkeit liegen bei der neuen Datenbanktechnologie Welten.
Kommentieren

DüsseldorfDie Verunsicherung ist zu spüren, auch im schicken, über sieben Stockwerke reichenden Atrium der Düsseldorfer Dependance der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Deloitte. In der NRW-Landeshauptstadt trifft sich am Mittwoch eine illustre Runde von Experten und Interessierten, um über die Möglichkeiten einer neuen Datenbanktechnologie für das Verbriefungsgeschäft zu diskutieren.

Die Verbriefung von Krediten (Securitisation) war eine der größten Finanzinnovationen der vergangenen 30 Jahre und ist heute ein Milliardenmarkt. Die Idee: Investoren finanzieren Unternehmen oder Privatleute direkt. Banken fungieren in der Finanzierung nur noch als Intermediär, gewährte Kredite werden also auf dem Kapitalmarkt handelbar gemacht. Da die Gläubiger die Schuldner durch den Kauf der Verbriefungspapiere direkt finanzieren, werden klassische Banken nur noch bei der Erstkreditvergabe und der Platzierung der Verbriefungstitel benötigt. Das Ausfallrisiko geht auf den Gläubiger über. Damit passen das Verbriefungsgeschäft und die neue Blockchain-Technologie in den Augen einiger Experten ideal zusammen.

Auch die Runde aus rund 100 Bankern, Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern und Verbriefungsspezialisten, die sich auf Einladung von Deloitte in Düsseldorf trifft, ist sich weitergehend einig: Die Blockchain-Technologie könnte die Finanzbranche grundlegend reformieren und das Verbriefungsgeschäft gleich mit. Denn sie schaltet durch den Einsatz einer fälschungssicheren, dezentralen Datenbank zwischengeschaltete Vermittler und Dienstleister aus – und das zumindest in der Theorie vollautomatisch. Das Problem ist nur: Auch Finanzexperten müssen die neue Technologie in der Praxis erst einmal verstehen.

Daher geht es am Mittwochvormittag um die Grundlagen der Technik. Philipp von Websky, Kreditexperte von Deloitte Deutschland, stellt eine vom Beratungsunternehmen selbst programmierte Test-Blockchain vor, die viele Schritte eines Verbriefungsgeschäfts virtuell abbilden könnte. Ihre Basis bildet die Ethereum-Blockchain, wie Martin Flisgen, Risikoberater von Deloitte, erklärt. Der Hauptvorteil: Der Abschluss einer Verbriefungstransaktion könne dank der Technologie direkt erfolgen statt erst am Tagesende und nach vielen manuellen Zwischenschritten. Der Einsatz der Ethereum-Blockchain erlaube außerdem neue Anwendungsfälle: So könnten in Zukunft alle Informationen und Transaktionen direkt und manipulationssicher über die Blockchain-Technologie gespeichert werden. Das könnte das Verbriefungsgeschäft deutlich vereinfachen.

Vier große Innovationen des Blockchain-Einsatzes haben die Deloitte-Experten identifiziert:

  • Erstens: „Smart Contracts“: Vollautomatisch könnten intelligente Blockchain-Verträge alle nötigen Informationen über den Emittenten an die Käufer der Wertpapiere transferieren.

  • Zweitens: „Noteholder Voting“: Gläubiger könnten über die Blockchain Abstimmungen durchführen; ihre Stimmmacht bemisst sich dann nach ihrem Anteil an den ausgegebenen Papieren.

  • Drittens: „Ownership Protection“: Über Tokens, digitale Gutscheine, wären die jeweiligen Besitzer der Wertpapiere auch nach dem Weiterverkauf direkt identifizierbar. Der Datenschutz bliebe trotzdem gewahrt.

  • Viertens: „Single Source of Truth“: Die Grundlage der Verbriefung wird automatisch gespeichert, ist somit transparenter und revisionssicher.

So schön die neue Blockchain-Welt auch klingt: Auf der Veranstaltung entzündet sich noch vor der Mittagspause heftige Kritik an der Deloitte-Vision. So fragen Teilnehmer nach der Fehleranfälligkeit der Technologie – etwa was mögliche Eingabefehler der Anwender angeht. Auch bei der Blockchain gelte wie bei allen Datenbanken das berühmte „Gigo“-Prinzip der IT-Programmierung: „Garbage in, garbage out“. Will heißen: Geschehen bei der Eingabe der Daten, die auf die Blockchain geschrieben werden, Fehler, dann produziert auch die beste Datenbank falsche Ergebnisse. Auch die Vision, dass durch den Einsatz der Blockchain im Verbriefungsgeschäft die zwischengeschalteten Stellen im großen Stil ausgeschaltet werden, wird hinterfragt. „Clearinghäuser werden auch in Zukunft gebraucht“, lautet ein Einwand. Auch wie das Blockchain-Abwicklungssystem reagiere, wenn etwa die Bonität eines Akteurs niedriger eingestuft werden müsse, sei noch offen.

Problem Regulierung
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bitcoin-Technologie im Verbriefungsgeschäft - „Die Blockchain ist keine Wundertechnologie“

0 Kommentare zu "Bitcoin-Technologie im Verbriefungsgeschäft: „Die Blockchain ist keine Wundertechnologie“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%