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Bizarrer Rechtsstreit 45.000 Prozent Rendite mit einem Deal

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Ein Millionen-Prozess mit ungewissen Ausgang

Tatsächlich äußert sich S. im Gespräch ausweichend dazu, warum er ausgerechnet am 4. Dezember die Zertifikate geordert hat. Daten des Finanzportals Bloomberg zeigen, dass das Zertifikat noch am Tag zuvor zum Preis von 55.192 Euro gehandelt wurde. Kommt es zur Gerichtsverhandlung, wird S. genau begründen müssen, warum er als erfahrener Wertpapierhändler nicht habe ahnen können, dass der Preis von 108 Euro ein Fehler war. S. sagt, das sei unmöglich gewesen, weil die Zertifikatsbedingungen öffentlich nicht einsehbar sind. Er beharrt darauf, dass ihm die Millionen zustehen.

Verpasste Frist oder arglistige Täuschung? Dieser Frage wird sich demnächst das Frankfurter Landgericht annehmen. Über seinen Anwalt Bögelein hat S. zunächst eine Klage über eine Million Euro eingereicht. Die restlichen 151 Millionen will er im Erfolgsfall einklagen. „Die Chancen sind sehr gut“, behauptet sein Anwalt. Doch dass S. tatsächlich in die Sphären der Superreichen aufsteigt, ist längst nicht ausgemacht. Experten verweisen auf Möglichkeiten im Zivilrecht, auch außerhalb der Mistrade-Regeln gegen einen durch Irrtum zu Stande gekommenen Vertrag vorzugehen. Wenn Banken durch einen Fehler zu viel Geld auf das Konto eines Kunden überweisen, hat dieser beispielsweise keinen Anspruch auf das unverhoffte Geldgeschenk. Das Bürgerliche Gesetzbuch spricht in so einem Fall von „ungerechtfertigter Bereicherung“ und definiert einen „Herausgabeanspruch“. Zudem berücksichtigten Richter immer auch die Verhältnismäßigkeit einer Klage. Ob die angesichts eines Gewinns von 150 Millionen Euro bei einem Einsatz von 330.000 Euro gewahrt ist, bleibt fraglich.

S. ist dennoch entschlossen, den Prozess zur Not bis zum Bundesgerichtshof durchzufechten. Auch seine Rede bei der BNP-Hauptversammlung am Dienstag ist durchaus als Drohung zu verstehen: „Durch meine Klage werden alle Informationen öffentlich“, sagt er. „Mit all den negativen Auswirkungen und Kollateralschäden für Sie, für mich und für die Reputation der Banken insgesamt.“

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3 Kommentare zu "Bizarrer Rechtsstreit: 45.000 Prozent Rendite mit einem Deal"

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  • Nach §32 der Bedingungen für Geschäfte an der Frankfurter Wertpapierbörse sind nachträgliche Anfechtungsrechte nach BGB, so wie es die BNP-Bank hier probiert, explizit ausgeschlossen. Ansonsten würde keine Börse mehr funktionieren, da ein Käufer nie sicher sein kann, ob er die Wertpapiere, die er soeben gekauft hat, auch wirklich bekommen wird. Eine Wertpapierbörse ist eben nicht mit einem Einkauf bei Ebay vergleichbar, mit Rückgaberecht und Mängelhaftung.

  • Eine Bank ist per Gesetz verpflichtet, Ihr Risikomanagement im Griff zu haben (Ma-Risk Vorschriften in Deutschland). Ein 152m EUR Verlust hätte der Bank spätestens am nächsten Tag müssen. Die BaFin sollte sich den Fall genau anschauen. Ich sage nur „aus Schaden wird man klug“

  • Hätte er einen Fehler begangen und 150 Mio aus seinem Depot verloren, so würde er jetzt Zeter und Mordio schreien und die Bank verklagen, sie hätte doch mit einem "Plausibilitätscheck" feststellen müssen, daß niemand die vollen 150 Mio aus seinem Depot z.B. in einen Turbo Knock-Out direkt an der Knock.Out Grenze steckt.

    Blanker Unsinn, der Trade ist gut gelaufen, er sollte den realisierten Gewinn einstreichen und die Bank bitten etwas sauberer zu arbeiten,

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