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Börsenjahr 2018 Banken senken ihre Prognosen für den Dax

Banken machen einen Prognosen-Rückzug auf Raten. Trotzdem glauben viele, dass der Dax bis Jahresende steigen wird. Doch dahinter stehen einige Fragezeichen.
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Seit Jahresbeginn hat der Dax insgesamt verloren – mit der Prognose zum Jahresende sind sich die Banken noch uneinig. Quelle: imago/Jan Eifert
Skyline von Frankfurt

Seit Jahresbeginn hat der Dax insgesamt verloren – mit der Prognose zum Jahresende sind sich die Banken noch uneinig.

(Foto: imago/Jan Eifert)

FrankfurtEuropäische und deutsche Aktien machen Anlegern in diesem Jahr keine Freude. Die Wall Street eilt zwar – vor allem beflügelt durch Technologiewerte – von Rekord zu Rekord. Der Dax dagegen hat seit Januar unter dem Strich über vier Prozent auf unter 12.400 Punkte verloren.

Wird das so bleiben, und können Anleger das Jahr 2018 vergessen? Banken meinen: Nein. Das Handelsblatt hat zehn deutsche und internationale Banken befragt. Die meisten glauben, dass der Dax Ende Dezember höher stehen wird als jetzt. Auch auf Jahressicht trauen sie ihm ein Plus zu. Allerdings sind viele Häuser weniger optimistisch als zu Jahresanfang und haben ihre Prognosen um bis zu 1.500 Punkte reduziert.

Dabei begann alles so gut. Im Januar hatte der Dax ein neues Allzeithoch von 13.597 Punkten erreicht – getragen von Hoffnungen auf eine weiterhin boomende Weltwirtschaft. Doch dann schwand der Optimismus. Gründe dafür und den Prognose-Rückzug auf Raten gibt es viele.

Vor allem Ängste vor Inflation und steigenden US-Zinsen belasten die Börsen, und im ersten Quartal verdienten viele Unternehmen weniger als erwartet. Hauptgrund für die gesenkten Dax-Prognosen ist jetzt der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelsstreit.

Deutschland leidet besonders

„Deutschland als exportstarkes Land leidet unter den Handelshemmnissen besonders“, sagt dazu Pierre Bose, Chefanlagestratege für Europa bei Credit Suisse: „Dazu kommt, dass die besonders gebeutelten Aktien von BMW, Daimler und VW Schwergewichte im Dax sind und der Dax als Proxy für Europa gilt.“ Letzteres bedeutet: Wenn internationale Investoren Probleme in Europa sehen, verkaufen sie vor allem Aktien aus dem deutschen Leitindex.

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Doch der Handelsstreit ist es nicht allein. „Wir haben die anstehenden Budgetverhandlungen in Italien, den Brexit, die Probleme in der Türkei und ein nachlassendes Wirtschaftswachstum in China“, zählt Bose die Unsicherheitsfaktoren auf. „Als Einzelrisiken wären diese Dinge gar nicht so schlimm, aber es kommt so viel zusammen.“

Dennoch könnte die Stimmung an der Börse schlechter als die tatsächliche Lage sein. So ist im August der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in den deutschen Chefetagen misst, erstmals seit acht Monaten wieder gestiegen.

Euphorie ist indes nicht angesagt: „Eine Trendwende wird in der Regel erst nach drei Anstiegen in Folge diagnostiziert“, betont Antje Laschewski, Investmentanalystin bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Immerhin ändern aber bislang zahlreiche Risiken nicht das Verhalten der europäischen Unternehmen“, meint Bose. Lediglich in Großbritannien hätten die Unternehmen angesichts des bevorstehenden Brexits ihre Investitionen gesenkt.

Zudem gelten viele Aktien in Deutschland als relativ günstig. Autoaktien zum Beispiel haben so stark gelitten, dass die Bewertungen niedrigere Margen angesichts möglicher zusätzlicher Zölle widerspiegeln. „Außerdem ist die Politik der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank einfach noch zu expansiv für ein Ende des globalen Wachstums“, ist Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank, überzeugt.

Anders als die Europäische Zentralbank erhöht zwar die US-Notenbank (Fed) die Leitzinsen schon seit Jahren. Die Bilanzsumme der Fed ist mit 4,3 Billionen Dollar indes immer noch fast fünfmal höher als vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor elf Jahren.

Störfeuer aus Schwellenländern

Hürkamp glaubt zudem, dass die Störfeuer aus den Schwellenländern nur kurzfristiger Natur sein dürften. Die Währungen und die Aktienmärkte vieler Emerging Markets sind eingebrochen. Der Mix aus einer teils hohen Dollar-Verschuldung und hausgemachten innenpolitischen Problemen wie in der Türkei verunsichert Anleger.

Nicht so Hürkamp. Er vergleicht das Umfeld mit der Asienkrise in den Jahren 1997 und 1998. „In beiden Jahren brachten im Spätsommer Sorgen um die Schwellenländer auch den Dax unter Druck“, blickt der Stratege zurück. Im Herbst beider Jahre habe sich aber gezeigt, dass der globale Wachstumszyklus noch nicht vorbei war.

So sollte es auch diesmal sein, meint Hürkamp und erwartet, dass der Dax sich im November und Dezember wieder erholen und das Jahr bei 13.500 Punkten beenden wird.

Selbst die Société Générale, die ihre Dax-Prognose im März auf 12.000 Punkte gesenkt hat und damit die pessimistischste unter den vom Handelsblatt befragten Großbanken ist, erkennt Hoffnungszeichen. „Inzwischen zeigen sich die positiven Effekte der Steuersenkungen in den USA“, sagt Arthur van Slooten, der als Stratege für sogenannte „Multi-Assets“ alle Anlageklassen im Blick hat.

„Die US-Unternehmen investieren wieder mehr, und das Verbrauchervertrauen ist gestiegen“, betont van Slooten. Da die USA immer noch der Motor der Weltwirtschaft seien, könne dies auch deutschen Aktien helfen. Das hört sich so an, als könnte die Société Générale bei ihrer quartalsweisen Überprüfung der Prognosen im September ihr Kursziel für den Dax wieder etwas anheben.

Allzu große Kurssprünge an der Börse sollten Anleger dennoch nicht erwarten. So halten zwar die LBBW und die Deutsche Bank an ihren Dax-Vorhersagen von 14.000 beziehungsweise 14.100 Punkten zum Jahresende fest. Die LBBW gibt jedoch kurzfristig „noch keine Entwarnung“ für die Märkte. Und die Deutsche Bank versieht ihre Prognose mit einem Disclaimer.

Voraussetzung für die Vorhersage sei, dass „die bekannten politischen Belastungsfaktoren nicht noch weiter an Gewicht gewinnen“. Das bedeutet: Eine Zuspitzung der Krise in den Emerging Markets, ein neuer Schwenk von Trump in Richtung Handelskrieg, ein Verstoß der populistischen italienischen Regierung gegen die EU-Haushaltsregeln oder ein ungeordneter Brexit könnten die Kurse fallen lassen. Und mit ihnen wohl auch die Prognosen.

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