Boni-Zahlungen der Deutschen Bank Achleitner sucht Kompromiss mit Ex-Vorständen

Die Deutsche Bank arbeitet an einer Einigung mit elf ehemaligen Führungskräften. Die sollen auf ausgesetzte Bonuszahlungen komplett verzichten. Eine Einigung ist kompliziert – doch für die Manager drängt die Zeit.
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Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank während der Hauptversammlung 2017: Achleitner hat einen Vorschlag gemacht, um das Boni-Problem mit den Ex-Vorständen zu lösen. Quelle: AFP
Paul Achleitner

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank während der Hauptversammlung 2017: Achleitner hat einen Vorschlag gemacht, um das Boni-Problem mit den Ex-Vorständen zu lösen.

(Foto: AFP)

FrankfurtDas Angebot ist bitter-süß: Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, hat elf ehemaligen Mitgliedern der Geschäftsführung im Streit um Bonuszahlungen einen Kompromiss angeboten. Boni, die erst später auszahlungsreif werden, sollen ausgezahlt werden – allerdings nur, wenn die Manager gleichzeitig den Anspruch auf die zuvor von der Bank einbehaltenen Zahlungen aufgeben.

Der Vorschlag soll nicht bei allen Beteiligten auf Gegenliebe stoßen, wie drei mit dem Vorgang vertraute Personen berichten. Insbesondere die Ex-Vorstände, bei denen der Anteil an den ausgesetzten Bonuszahlungen höher ist, sollen Widerstand leisten. Auch herrsche Uneinigkeit über den Gesamtbetrag der Bonuszahlungen, auf die die Gruppe verzichten würde. Ebenfalls uneins sei man beim jeweiligen Anteil der einzelnen Personen, so ein Insider. Allerdings wolle sich die Bank mit allen ehemaligen Vorständen gleichzeitig einigen.

Achleitner versucht schon seit längerem, die ehemaligen Führungskräfte dazu zu bewegen, sich an den Strafen der Bank ihr Fehlverhalten zu beteiligen. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf die Aussagen des Aufsichtsratschefs auf der Hauptversammlung. Dort hatte Achleitner gesagt: „Der Aufsichtsrat unter meiner Führung ist intensiv dabei, die Vergangenheit und auch die Verantwortung der zu dieser Zeit Amtierenden aufzuarbeiten.“ Unzählige Anwälte – Spezialisten unter anderem für deutsches, englisches, italienisches und amerikanisches Recht – haben Skandale von den Zinsmanipulationen bis hin zum Geldwäscheskandal in Russland durchleuchtet. Sie sollen prüfen, ob die Bank von Ex-Vorständen Boni rückerstatten oder Schadensersatz fordern lassen kann.

Bis Mitte Mai war diese Untersuchung noch nicht vollständig abgeschlossen. Doch womöglich werde es eine freiwillige Lösung geben, deutete Achleitner damals an. „Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit den seinerseits amtierenden Vorstandsmitgliedern, ob diese freiwillig zur Leistung eines wesentlichen finanziellen Beitrags bereit sind. Nach Erwartung des Aufsichtsrates wird es hierzu in den nächsten Monaten eine Regelung geben, die einen wesentlichen Finanzbeitrag der Betroffenen sicherstellt“, so Achleitner.

Wo die Chefs der Deutschen Bank weiter Karriere machten
Anshu Jain
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Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Anshu Jain, hat einen neuen Job: Nach einem Intermezzo als Berater für die Fintech-Firma Social Finance aus dem Silicon Valley wird Jain nun „President“ bei der US-amerikanischen Investmentbank Cantor Fitzgerald mit Sitz in New York City. Dort soll er sich um den Ausbau des Asien-Geschäftes kümmern. Anshu Jains Karriere endet also nicht mit dem Ausstieg aus der Deutschen Bank. Damit ist er als Ex-Deutsche-Bank-Chef in guter Gesellschaft ...

Josef Ackermann
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Der Schweizer Bankmanager Josef („Joe“) Ackermann war von 2002 bis 2012 Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Geldhauses. 2010 übte er parallel Tätigkeiten für die Zurich Insurance Group (damals noch Zurich Financial Services AG) aus und wechselte nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank vollständig dort hin. Von Ende März bis August 2013 war er Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group. Seit Ende 2014 ist Ackermann Aufsichtsratsvorsitzender der Bank of Cyrus.

Rolf E. Breuer
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Rolf E. Breuer war von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher und von 2002 bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank – und sorgte mit seinen kritischen Äußerungen zur Mediengruppe Kirch für Furore. Nach seiner Amtsniederlegung ist Breuer im Ruhestand, übt aber zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten aus: Der heute 69-Jährige war und ist laut FAZ Mitglied in mehr als 30 Kuratorien und Gremien, unter anderem sitzt er im Hochschulrat der Goethe-Universität Frankfurt und ist Förderer der Komischen Oper in Berlin. Gemeinsam mit anderen Ex-Vorständen der Deutschen Bank teilt er sich ein Büro in Frankfurt.

Hilmar Kopper
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Der 1935 in Polen geborene Hilmar Kopper war von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Danach wechselte er in den Aufsichtsrat von DaimlerChrysler, wo er von 1998 bis 2007 Vorsitzender war. Später wurde Kopper Chefkontrolleur der HSH Nordbank, später dann Aufsichtsratsvorsitzender. Ende Februar 2013 legte er sein Amt nieder.

Wilfried Guth
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Der Neffe von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard, Wilfried Guth, war von 1976 bis 1985 einer der beiden Vorstandssprecher und bis 1990 Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Dem Kontrollgremium gehörte er bis 1995 an. Auch bei anderen Spitzenunternehmen wie Allianz, Siemens oder Henkel hatte er Aufsichtsratsmandate inne. Guth starb am 15. Mai 2009 im Alter von 89 Jahren. Auf Wilfried Guth folgte Alfred Herrhausen an der Spitze der Deutschen Bank. Herrhausen war ab 1985 gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Christians Vorstandssprecher, ab 1988 alleiniger Vorstandschef. Weltweites Aufsehen erregte sein Tod: Als Herrhausen am 30. November 1989 sein Haus in Bad Homburg vor der Höhe verließ, um mit dem Dienstwagen zur Arbeit zu fahren, wurde er Opfer eines Bombenattentates. Später bekannte sich die linksterroristische RAF zu dem Mord.

Friedrich Wilhelm Christians
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Friedrich Wilhelm Christians, dessen Berufswunsch eigentlich Diplomat gewesen war, fand während seines Praktikums bei der Deutschen Bank Gefallen am Bankgeschäft. Der „Außenpolitiker“ war 1985 der erste westliche Wirtschaftsvertreter, der mit Michail Gorbatschow sprach und danach einen 3,5-Milliarden-Mark-Kredit einfädelte. 1965 wurde er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen, 1976 stieg er gemeinsam mit Wilfried Guth zum Vorstandssprecher auf, bis er 1988 in den Aufsichtsrat wechselte. Bis zu seinem Tod blieb er der Deutschen Bank treu.

Franz Heinrich Ulrich
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Nach seinem Jura-Examen trat Franz Heinrich Ulrich 1936 in die Deutsche Bank ein, bis er 1939 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Obwohl er im Krieg schwer verwundet wurde, arbeitete er danach als persönlicher Mitarbeiter von Hermann Josef Abs bei der Deutschen Bank weiter. Als dessen Nachfolger Karl Klasen Anfang 1970 zur Deutschen Bundesbank wechselte, wurde Ulrich alleiniger Vorstandssprecher und anschließend Aufsichtsratsvorsitzender bis zum Juli 1984. Wegen der Spätfolgen seiner schweren Kriegsverletzung zog er sich danach in den Ruhestand zurück.

Auf eine Frage von einem Aktionär bei der Hauptversammlung antwortete Achleitner, dass die Bank derzeit Prämien im Wert von 7,27 Millionen Euro (8,14 Millionen US-Dollar) sowie 161.029 Aktien von Ex-Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain einbehalten haben. 4,64 Millionen Euro in Bar und 124.160 Aktien wurden dem Ex-Vorstandschef Josef Ackermann vorenthalten. Achleitner hatte damals keine anderen ehemaligen Vorstandsmitglieder benannt, noch hat er angegeben, wie hoch die Bonussumme insgesamt ist, die zurückbehalten wurde.

Deutschlands größtes Geldhaus musste allein seit 2012 fast 15 Milliarden Euro für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten ausgeben. Einer der teuersten Skandale war der US-Hypothekenstreit, der mit sieben Milliarden Dollar zu Buche schlug. Zunächst hatte sogar eine doppelt so hohe Strafe im Raum gestanden, was im vergangenen Herbst diesseits des Atlantiks große Sorgen um die Widerstandskraft der Bank und eine öffentliche Debatte um Staatshilfe auslöste. Es folgte ein dramatischer Absturz an der Börse.

In ihrem Geschäftsbericht 2015 hatte die Bank die Entscheidung bekanntgegeben, die Boni für zehn ehemalige Vorstandsmitglieder und eines Amtsinhabers einzufrieren. Genannt wurden Jürgen Fitschen, Anshu Jain, Stefan Krause, Stephan Leithner, Rainer Neske, Henry Ritchotte und Stuart Lewis, der noch immer im Vorstand sitzt.

Der Vorschlag würde vorsehen, dass die Manager auf die von der Bank einbehaltenen Bonuszahlungen verzichten. Im Gegenzug müssten sie kein Fehlverhalten einräumen und die Bank verzichte auf das Recht, von ihnen Schadenersatz zu fordern, erfuhr Bloomberg von drei Personen. Doch eine Einigung ist kompliziert: Betroffene Ex-Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank seien von den Aussagen Achleitners auf der Hauptversammlung überrascht gewesen, verlautete es aus den Kreisen. Hugo Bänziger, der von 2006 bis 2012 Risikovorstand war, erklärte anschließend in einem Zeitungsinterview, er habe in den neun Monaten vor der Hauptversammlung keinen Kontakt mit Achleitner gehabt.

Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank und einigen früheren Vorständen wurden wieder aufgenommen und haben sich nach Aussage von zwei unterrichteten Personen seit dem Aktionärstreffen intensiviert. Ein großer Teil der Boni wird im August fällig, was den ehemaligen Managern einen Anreiz liefere, vorher eine Vereinbarung zu erzielen, erklärte eine Person.

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