Branchenumfrage Der Brexit kostet viele Banken jetzt schon Millionen

Eine Umfrage unter ausländischen Banken in London zeigt die Kosten des Brexits auf. Viele müssen ihr Geschäfts- und Buchungsmodell ändern.
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Für die Banken in Großbritanniens Hauptstadt wird der EU-Austritt teuer. Quelle: dpa
Finanzplatz London

Für die Banken in Großbritanniens Hauptstadt wird der EU-Austritt teuer.

(Foto: dpa)

LondonDie Brexit-Kosten für viele Banken gehen schon jetzt in die Millionen. Das ergibt eine Umfrage unter den Mitgliedern des Auslandsbankenverbands in London. Befragt wurden die Geldhäuser im Juli und August – nachdem klar gewesen ist, dass die britische Regierung nur einen Binnenmarkt für Güter anstrebt, aber nicht für Dienstleistungen. Der Verlust der „Passporting Rights“ führt dazu, dass Banken ihre Operationen in der EU deutlich aufstocken müssen, wenn sie weiter europäische Kunden bedienen wollen.

Befragt wurden drei Gruppen: Filialen von EU-Banken, Filialen von Nicht-EU-Banken sowie eigenständige Tochterfirmen ausländischer Banken. Die dritte Gruppe scheint vom Brexit am wenigsten betroffen zu sein. Als eingetragene Tochterfirmen erfüllen sie bereits die höheren Kapitalanforderungen und andere Auflagen der britischen Aufseher.

Zwei Drittel von ihnen geben an, ihre Brexit-Kosten blieben unter 100.000 Pfund. Einige überlegen, einzelne unterstützende Funktionen in die EU-Dependance ihrer Mutter zu verlagern. Rund 40 Prozent dieser Gruppe geben an, dass sie ihr Buchungsmodell überdenken.

Am teuersten scheint der Brexit für die Filialen von Nicht-EU-Banken zu werden. Dazu zählen etwa die amerikanischen und japanischen Institute. Fast die Hälfte von ihnen gibt die Brexit-Kosten mit mehr als 2,5 Millionen Pfund an.

Bei den Filialen der EU-Banken liegen die Kosten meist deutlich unter 2,5 Millionen Pfund. Mehr als die Hälfte schätzte sie sogar auf weniger als eine Million Pfund. Das könnte daran liegen, dass ihre Zentrale ohnehin auf dem Kontinent liegt und eine Verlagerung einzelner Funktionen leichter zu bewerkstelligen ist. Mehr als 90 Prozent der EU-Banken geben an, dass sie Veränderungen an ihrem Geschäftsmodell vornehmen. Die Hälfte hat auch ihr Buchungsmodell geändert.

Dazu zählt etwa die Deutsche Bank. Sie ist bereits dabei, Aktivitäten aus ihrer Londoner Filiale zurück nach Deutschland zu verlagern. Buchungen sollen künftig vor allem in Frankfurt stattfinden.

42 Prozent der EU-Banken gaben auch an, wegen des Brexits in den vergangenen zwölf Monaten Recruiting-Probleme gehabt zu haben. Für die Nicht-EU-Banken spielte dies hingegen nach eigenen Angaben keine große Rolle.

„Der Brexit hat bereits eine störende Wirkung auf die Banken“, sagte Charlotte Henry, Partnerin der Anwaltskanzlei Norton Rose Fulbright, die die Studie zusammen mit dem Bankenverband durchgeführt hat. „Viele haben ihr Geschäftsmodell verändert. Nun werden wir sehen, ob sie auch ihre Buchungsmodelle langfristig umstellen.“

Das wird vor allem von der künftigen Handelsbeziehung zwischen der EU und Großbritannien abhängen. Der Auslandsbankenverband erneuerte seine Forderung, möglichst schnell Klarheit zu schaffen.

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