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Brexit-Folgen Frankfurt zieht britische Finanzfirmen an – ganz ohne Regulierungszwang

Frankfurt wird nicht nur für Banken attraktiver, die aus regulatorischen Gründen ihr Geschäft aus London verlagern müssen. Auch die deutsche Wirtschaft ist ein Faktor.
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Für Finanzfirmen hat Deutschland wegen seiner Wirtschaftsentwicklung an Attraktivität gewonnen. Quelle: picture alliance / Klaus Ohlensc
Frankfurter Bankenviertel

Für Finanzfirmen hat Deutschland wegen seiner Wirtschaftsentwicklung an Attraktivität gewonnen.

(Foto: picture alliance / Klaus Ohlensc)

FrankfurtGroßbritanniens Entscheidung, die EU zu verlassen, hat einen unerwarteten Nebeneffekt für Frankfurt: Es kommen nicht nur Banken an den Main, die aus regulatorischen Gründen Teile ihres Geschäfts aus London auslagern müssen; die Stadt zieht auch expansionswillige Finanzfirmen an, für die die Stadt im Brexit-Sog jetzt einfach attraktiver wird.

Dazu gehört die Fondsgesellschaft Insight Investment, eine Tochter der Bank of New York Mellon. „Unser Entschluss, nach Frankfurt zu gehen, wäre auch unabhängig vom Brexit gefallen, unsere Wachstumspläne haben da den Ausschlag gegeben“, sagt Olaf John, der bei Insight Investment für die Entwicklung des Europageschäfts verantwortlich ist.

Der Fondsanbieter will beispielsweise kommunale Versorger stärker als Kunden gewinnen. Das Brexit-Referendum habe die Entscheidung für Frankfurt aber verstärkt „und dazu geführt, dass wir von Anfang an deutlich Flagge zeigen und mit einem Fünf-Mann-Büro starten“, das im nächsten Jahr ausgebaut werden solle.

Neben Insight Investment gibt es noch einige andere Neulinge in der Frankfurter Finanzbranche, die erst vor Kurzem ein Büro am Main eröffnet haben oder dies vorhaben. Dazu gehören Vanguard, der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, die Ratingagentur DBRS, der Finanzinvestor KKR und die Investmentbank Raymond James.

Das US-Finanzhaus Raymond James ist erst seit Sommer 2016 im europäischen Investmentbankgeschäft aktiv – durch die Übernahme von Mummert & Company in München. Das Unternehmen hat sich auf die Beratung von Mittelständlern bei Fusionen und Übernahmen spezialisiert.

Man könne aber nicht von einem einzigen Ort aus den deutschen Markt abdecken, „wenn man sich auf den Mittelstand konzentriert“, sagt Melville Mummert, Europachef von Raymond James. „Daher machen für uns zwei Büros in Deutschland mehr Sinn, die unterschiedliche Branchenschwerpunkte haben.“ Zu dem Traditionsstandort München ist deshalb Frankfurt vor einigen Monaten hinzugekommen.

Personelle Engpässe zeichnen sich ab

„Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hat Deutschland angesichts der Wirtschaftsentwicklung an Attraktivität gewonnen“, so Mummert, „aber das Land könnte mehr aus den Möglichkeiten machen, die der Brexit bietet.“ Dafür müsste es mehr Wohnraum in Frankfurt geben und mehr Plätze an internationalen Schulen, um eine größere Anzahl von Finanzprofis nach Frankfurt zu ziehen, so der Europachef von Raymond James.

Andere Finanzunternehmen, die derzeit Frankfurt für ihre Expansion in Betracht ziehen, aber noch keine Entscheidung getroffen haben, fürchten einen anderen Engpass: beim Personal. „Wir sehen derzeit, dass es in London schwierig wird, gute Mitarbeiter unter EU-Ausländern zu finden, weil diese sich dort nicht mehr wohlfühlen“, sagt ein hochrangiger Manager eines US-Finanzhauses. „In Frankfurt scheint sich aber angesichts der Brexit-bedingten Nachfrage in manchen Bereichen auch schon eine gewisse Knappheit abzuzeichnen.“

Matthias Scheiff, Experte für den Finanzsektor im Frankfurter Büro der internationalen Personalberatung Spencer Stuart, räumt zwar ein: „Der Brexit macht sich auf dem Arbeitsmarkt bei Experten für Infrastruktur- sowie für Rechts-, Compliance- und Steuerthemen bemerkbar.“ Die Nachfrage habe in den vergangenen zwei Monaten angezogen und auch zu einem Anstieg der Gehälter geführt.

Von echten Engpässen könne aber keine Rede sein, so Scheiff – auch nicht in Bereichen wie dem Handelsgeschäft, in dem einige Beobachter Frankfurt absprechen, genug Know-how zu haben. „Das ist eine veraltete Sicht auf die Dinge. Der Handel wird sich durch technische Innovationen und zunehmende Regulatorik merklich verändern“, so Scheiff, das Know-how sei auch in der hessischen Finanzmetropole vorhanden, denn junge Unternehmen im Finanzsektor, die sogenannten Fintechs, hätten diesen Wandel bereits eingeläutet.

Noch ist unklar, wie sich der Brexit auf Frankfurt und Hessen auswirken wird, solange die Verhandlungen zwischen London und Brüssel über die künftigen Beziehungen andauern. Für Experten des Ifo-Instituts zeichnet sich aber bereits ab: Hessens Finanzsektor werde profitieren – und das werde helfen, negative Folgen etwa für die Automobilindustrie abzufedern. Demnach dürfte Hessens Wirtschaftsleistung auf längere Sicht – je nachdem, wie radikal der Brexit ausfällt – um 0,08 oder 0,17 Prozent geringer ausfallen.

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