Brexit-Option HSBC könnte 1000 Banker nach Paris schicken

Sollte Großbritannien aus der EU austreten, wäre die Bank HSBC bereit, bis zu 1000 Banker von London in die französische Hauptstadt zu schicken. Was Konzernchef Stuart Gulliver Premierminister David Cameron rät.
5000 Stellen gibt es im HSBC-Geschäftsbereich Global Banking und Markets. 1000 dieser Arbeitsplätze könnten bei einem möglichen Brexit nach Frankreich verlegt werden. Quelle: Reuters
HSBC-Zentrale in London

5000 Stellen gibt es im HSBC-Geschäftsbereich Global Banking und Markets. 1000 dieser Arbeitsplätze könnten bei einem möglichen Brexit nach Frankreich verlegt werden.

(Foto: Reuters)

LondonNach den Worten von Stuart Gulliver, dem Konzernchef von HSBC Holdings Plc, würde die Bank im Fall eines britischen Austritts aus der Europäischen Union voraussichtlich etwa 1000 Stellen aus der Investmentbank nach Paris verlegen. Die Ankündigung gibt einen ungewöhnlich detaillierten Einblick in die Eventualplanungen eines Unternehmens für den sogenannten „Brexit“.

Einige der 5000 Stellen aus dem Geschäftsbereich Global Banking and Markets würden nach Paris abwandern, sagte Gulliver in einem Telefoninterview am Montag. Sollte in einem Referendum der Austritt Großbritanniens beschlossen werden, so sei mit „erheblichen Auswirkungen“ auf die Investmentbank zu rechnen, während die Verbraucherbank nicht betroffen wäre, sagte er.

Die „Horror-Szenarien“ eines Brexits
EU und Großbritannien
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Der „Brexit“, der Austritt Großbritanniens aus der EU, ist nicht mehr auszuschließen. Unternehmer und Finanzexperten in Großbritannien und der EU entwerfen überwiegend Negativ-Szenarien. Das Problem: Es gibt kein „historisches Vorbild“. Niemals zuvor hat ein Gemeinschaftsmitglied den Austritt gewagt. Doch grundsätzlich sind sich alle einig: Der Markt mag keinen „Brexit“. Hier einige Ängste, Vorhersagen und Bedenken vor dem EU-Gipfel am 18. und 19. Februar.

Pfund-Sterling
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Die „Times“ berichtete jüngst, die Bank of England habe ihre „Kriegskasse“ kräftig auf 98 Milliarden Dollar (umgerechnet 87,5 Milliarden Euro) aufgestockt, um im Zweifel einem Währungskollaps zu begegnen. Die Londoner Analysten der Investmentbank Goldman Sachs schließen bis zu 20 Prozent Wertverlust nicht aus – sollte nach dem „Brexit“ ausländisches Kapital massiv ausbleiben.

Die City
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Ein Bedeutungsverlust des Finanzplatzes London wäre der Super-Gau. Möglicherweise werde die „City“ sogar unabhängiger, sagen manche. Die meisten Analysten sind sich aber einig: Wahrscheinlich wäre ein Abstieg kaum aufzuhalten. Zumal, so die Banker, die Europäische Zentralbank (EZB) bereits in der Vergangenheit starke Begehrlichkeiten gezeigt hat, in die Londoner Handelsdomäne einzubrechen. Ein Austritt Londons wäre die Chance, immer mehr Handel in Euro abzuwickeln. Britische Banken hätten zudem keinen Zugang mehr zu günstigen Finanzierungsbedingungen der EZB.

Weicher oder harter Austritt?
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Alles kommt auf die vermutlich extrem komplizierten Verhandlungen an. Würde es für London einen Freihandelsstatus geben wie ihn Norwegen, Schweiz, Lichtenstein und Island genießen? Oder kommt eine Lösung wie etwa mit der Türkei und anderen Ländern der Welthandelsorganisation (WTO) mit wesentlich weniger Handelsvorteilen? Ohne ein Freihandelsabkommen müssten womöglich mit jedem EU-Land eigens Abkommen geschlossen werden – riesiger Verwaltungsaufwand, für Unternehmen ein Alptraum.

Handel
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Es gibt Schätzungen von Exportverlusten bis zu 30 Milliarden Pfund (38,8 Mrd Euro) im Worst-Case-Szenario, falls London beim Austritt kein Freihandelsabkommen abschließt. Das wären rund acht Prozent der Exporte. Zurückhaltende Analysten gehen aber eher nicht von derart schweren Rückschlägen aus - denn auch die anderen EU-Länder möchten handeln und Geld verdienen. Dazu sind die Wirtschaften viel zu stark miteinander verwoben. 

Investitionen
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London gilt für Auslandsinvestoren als Eldorado. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet mit 210 Milliarden Pfund, die in den ersten vier Jahren verloren gehen könnten. Experten der Großbank HSBC rechnen eher nicht mit „plötzlicher und massiver Kapitalflucht“. Großbritannien dürfte weiterhin attraktiv für Gelder aus dem Ausland bleiben. Wunschdenken oder Realismus?  

Wirtschaftswachstum
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Hochrechnungen, wonach sich das britische Bruttosozialprodukt auf rund einen Prozent halbieren könnte, sehen zurückhaltende Experten als Kaffeesatzleserei. Entscheidend seien die Austrittsbedingungen. Doch das einhellige Urteil: Die Unsicherheiten nehmen zu – und der Markt mag keine Unsicherheiten.

„Es liegt im wirtschaftlichen Interesse Großbritanniens, innerhalb einer reformierten EU zu bleiben,“ sagte Gulliver. Auf ein etwaiges Votum für den Austritt würde eine Periode großer Ungewissheit folgen, bis die Märkte verstünden, zu welchen Bedingungen sich ein ausgehandelter Austritt vollziehe.

Am Sonntag hatte das Führungsgremium der größten Bank Europas sich einstimmig dagegen entschieden, den Firmensitz nach Asien zu verlegen.

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