Deutsche Bank

Von den Deutsche-Bank-Mitarbeitern erwartet der neue Chef täglich Team- und Kampfgeist.

(Foto: dpa)

Brief im Wortlaut Das schreibt der neue Deutsche-Bank-Chef an die Mitarbeiter

Christian Sewing, neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, wendet sich am Montagmorgen mit folgender Nachricht an alle Mitarbeiter.
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vergangenen Wochen waren mit erheblicher Unruhe verbunden, und ich weiß aus zahlreichen persönlichen Gesprächen, wie besorgt Sie waren und sind. ‎Auch weiß ich, dass viele von Ihnen John Cryan außerordentlich schätzen – so wie ich.

Zunächst möchte ich daher John für unsere fast drei gemeinsamen Jahre im Vorstand und für seinen enormen Einsatz für unsere Bank danken. Er hat uns durch äußerst schwierige Zeiten geführt, und ich bin mir sicher, dass ich John auch in Ihrem Namen unseren Dank für das aussprechen darf, was er für unsere Bank und uns alle geleistet hat.

Das Amt, das ich nun antrete, betrachte ich mit viel Respekt, seit ich 1989 als Auszubildender bei der Deutschen Bank begann. Seither habe ich mit viel Leidenschaft – nur unterbrochen durch zwei Jahre bei einem Wettbewerber – für diese großartige Institution gearbeitet. Ganz gleich ob in meiner Zeit in der Filiale Bielefeld oder in Hamburg, als Junior-Firmenkundenbetreuer in Toronto, als Kreditleiter in Japan oder während meiner sechs Jahre als Risikomanager in London – es hat mich immer stolz gemacht, für diese eine, unsere Deutsche Bank zu arbeiten, und so ist es bis heute.

Die Herausforderung für uns alle ist groß. Wir alle wissen und spüren, in welchem Tempo sich unsere Branche verändert. Es gibt nichts, worauf wir uns ausruhen können, und die Erwartungen an uns von allen Seiten sind hoch – von unseren Kunden, unseren Investoren, den Regulatoren, der Politik und den Medien.

Zwei Interessengruppen werden nun ganz besonders in meinem Fokus stehen: Das sind unsere Kunden und das sind Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen. Die Expertise und der Tatendrang unserer Mitarbeiter weltweit zeichnet unsere Bank aus. Ich möchte mich den Worten unseres Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner anschließen: „Wir setzen auf ‎die innere Kraft unserer Bank, auf die vielen großen Talente, die wir haben.“ Sicher werden wir uns hier und da gezielt personell verstärken. Aber wir werden immer erst einmal nach innen schauen, um Ihre Talente zur Geltung zu bringen. Und wir alle haben viel erreicht. Wir haben unsere Bank aufgeräumt, wir haben ein ausreichendes Kapitalpolster, unsere Liquidität ist außerordentlich hoch und im weltweiten Vergleich besticht die Qualität unserer Bilanz.

Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass wir uns weiterentwickeln müssen. Das haben wir selbst in der Hand. Wir müssen klarer und schneller entscheiden, wir müssen besser zusammenarbeiten, wir müssen den Teamgeist in den Mittelpunkt stellen. Darin liegt das größte Potenzial unserer Bank: Wenn wir alle mehr daran denken, wie wir unsere Kolleginnen und Kollegen unterstützen, werden wir als Deutsche Bank erfolgreicher sein. Seien Sie sich also sicher, dass ich persönlich das Team in den Vordergrund stellen werde. Und genau das wird auch das oberste Gebot des Vorstands sein: Teamarbeit beginnt bei uns und zu allererst bei Garth, Karl und mir.

Nur wenn wir täglich Team- und Kampfgeist zeigen, können wir unsere wichtigsten Ziele erreichen. Welche sind das? Für 2018 lassen sich diese Ziele recht einfach auf den Punkt bringen, und jeder von uns muss dazu beitragen. Zunächst einmal gilt, dass die Ertrags- und Kostenziele, die wir an jeden Bereich gegeben haben, auch eingehalten werden:

1. Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen, uns in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder höher legen. Unser Start in das Jahr war solide, aber „solide“ darf nicht unser Anspruch sein. Jeder von uns kann, ganz gleich ob in Geschäfts- oder Infrastrukturbereichen, zum Wachstum beitragen.

2. Die bereinigten Kosten dürfen dieses Jahr 23 Milliarden Euro nicht übersteigen. Das ist nicht verhandelbar. Die Programme dazu haben wir zum größten Teil entwickelt, wir werden sie konsequent umsetzen. Rückschläge wie im vierten Quartal 2017 dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen. Jeder Bereich und jeder von uns muss das verinnerlichen.

3. Beim wichtigen Ziel, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, sind wir weit vorangekommen. Aber wir müssen wieder schneller werden. Wir werden deshalb unsere internen Prozesse daraufhin überprüfen, dass wir Bürokratie oder Doppelarbeiten beseitigen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist selbstverständlich, dass wir als Deutsche Bank wieder profitabel sein wollen und müssen. Wir brauchen den geschäftlichen Erfolg, er ist unsere Lebensader. Im krassen Widerspruch dazu steht aber, wie wir in der Vergangenheit einige Ziele auf der Kosten- und der Ertragsseite verfehlt haben. Gute Gründe mag es hier und da dafür gegeben haben. Aber es hat unserer Bank dennoch geschadet. Das wird das Führungsteam nicht mehr akzeptieren. Hier werden wir harte Entscheidungen treffen und umsetzen.

Sie werden nun natürlich wissen wollen, wie es strategisch weiter geht. Grundsätzlich gilt: Alle unsere Geschäfte müssen sich dem dramatischen Wandel in unserer Branche stellen – und hier sind wir nicht alleine. Deshalb haben wir uns in unseren drei Geschäftsbereichen in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Unsere Vermögensverwaltung DWS haben wir vor wenigen Wochen trotz erheblicher Marktvolatilität erfolgreich an die Börse gebracht. Der Zusammenschluss zwischen Postbank AG und Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG kommt gut voran: Wir sollten die beiden Gesellschaften im zweiten Quartal 2018 verschmelzen – also sieben Monate nach Verkündung des Integrationsplans.

Auch mit der Unternehmens- und Investmentbank sind wir auf wichtigen Geschäftsfeldern gut unterwegs – und das weltweit. Zuletzt konnten wir in wichtigen Bereichen wieder Marktanteile hinzugewinnen. Wir wissen aber auch, dass wir uns hier hinsichtlich unserer Ertrags-, Kosten- und Kapitalstruktur weiter verändern müssen. Wir werden deshalb genau analysieren, wie wir uns in dem schwierigen Marktumfeld aufstellen wollen. Es gilt, Stärken zu stärken und hier zusätzlich zu investieren. Gleichzeitig wollen wir aber auch Kapazitäten für Wachstum freisetzen, indem wir uns dort zurückziehen, wo wir nicht ausreichend rentabel arbeiten können.

Abschließend ist mir aber vor allem eins wichtig: Wir sollten uns weniger auf uns selbst, sondern vielmehr auf unsere Kunden konzentrieren. Sie sind es, für die wir da sind. Ihnen sollten wir überzeugende Lösungen und nicht nur Produkte bieten. Wenn wir für unsere Kunden Wert schaffen, dann haben wir unseren Anteil daran verdient – aber auch nur dann.

Klar ist auch: Niemand wird uns etwas schenken. Wir werden kämpfen müssen, und ich bin mit meinem Team dazu bereit. Denn es lohnt sich! Es wird Zeit, dass wir unser Potenzial endlich voll und ganz ausschöpfen!

In diesem Sinne bitte ich Sie, unser Führungsteam und mich mit aller Kraft zu unterstützen. Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg und werde mit Ihnen in den nächsten Wochen in engen und regelmäßigen Austausch treten.

Herzliche Grüße,
Ihr Christian Sewing

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