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Britische Großbank Ex-Barclays-Chef vor Gericht – hat Varley die Anleger getäuscht?

Die Finanzkrise holt den früheren Barclays-Chef John Varley und drei Kollegen ein: Sie sollen bei zwei Kapitalerhöhungen die Anleger getäuscht haben – zugunsten von Katar.
Update: 23.01.2019 - 16:29 Uhr Kommentieren
Der frühere Vorstandsvorsitzende von Barclays, John Varley, verlässt ein Gerichtsgebäude in London. Er ist der erste CEO weltweit, der sich wegen seines Verhaltens in der Finanzkrise vor einer Jury verantworten muss. Quelle: AFP
John Varley

Der frühere Vorstandsvorsitzende von Barclays, John Varley, verlässt ein Gerichtsgebäude in London. Er ist der erste CEO weltweit, der sich wegen seines Verhaltens in der Finanzkrise vor einer Jury verantworten muss.

(Foto: AFP)

London Der Andrang vor Saal 1 im Londoner Southwark Crown Court war groß. Zehn Jahre nach der Finanzkrise saß am Mittwoch erstmals ein damals amtierender Bankchef vor einer Jury auf der Anklagebank. Der frühere Barclays-Chef John Varley und drei Kollegen sollen bei zwei Kapitalerhöhungen im Juni und Oktober 2008 die Anleger getäuscht haben.

Die britische Großbank hatte die Finanzkrise ohne Staatshilfe überstanden. Während die Konkurrenten Lloyds und Royal Bank of Scotland verstaatlicht wurden, konnte Barclays rund zwölf Milliarden Pfund an frischem Kapital bei privaten Investoren einsammeln. Mehr als vier Milliarden Pfund kamen vom Emirat Katar.

Laut der Behörde für schwere Wirtschaftsverbrechen, dem Serious Fraud Office (SFO), ging es dabei nicht mit rechten Dingen zu. „Die Katarer erhielten zusätzliche Gebühren, die andere Investoren nicht bekamen und die nicht veröffentlicht wurden“, sagte der Staatsanwalt Edward Brown in seinem Eingangsplädoyer am Mittwoch. Insgesamt zahlte Barclays Gebühren von 322 Millionen Pfund an das Emirat.

Nach Angaben der Anklage investierte Katar über zwei staatliche Firmen in der ersten Kapitalrunde 1,9 Milliarden Pfund und erhielt dafür eine Kommission von 3,25 Prozent – deutlich mehr als die 1,5 Prozent, die andere Großanleger wie Sumitomo oder die chinesische Entwicklungsbank bekamen. Im Anlegerprospekt tauchte die wahre Höhe der Kommission nicht auf. Stattdessen schloss Barclays einen separaten Beratervertrag mit Katar. Dies sei der Umweg gewesen, um dem Emirat eine höhere Kommission überweisen zu können, ohne dass der Markt davon erfahren habe, betonte der Staatsanwalt. Der Beratervertrag sei lediglich eine Fassade gewesen, wirkliche Leistungen seien nicht erbracht worden.

Die Barclays-Manager hätten zwei Gründe gehabt, die Zahlungen zu verschleiern, so der Staatsanwalt. Sie wollten verhindern, dass andere Investoren eine ähnlich hohe Kommission forderten. Und sie wollten den Eindruck einer Schwäche des Instituts vermeiden. Hätte der Markt erfahren, wie dringend Barclays das Geld gebraucht hatte, hätten alle Investoren ihre Forderungen erhöht oder ganz von einer Investition abgesehen, sagte Brown. Die Barclays-Führung habe sich daher entschieden, im Anlegerprospekt falsche Angaben zu machen.

Neben Varley sind der frühere Nahostchef der Investmentbank, Roger Jenkins, der ehemalige Chef der Vermögensverwaltung, Tom Kalaris, und der frühere Europa-Bereichsleiter Richard Boath angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Alle plädieren auf nicht schuldig.

Ebenfalls in die Verschwörung involviert war laut SFO ein fünfter Manager: Der damalige Finanzvorstand Christopher Lucas entging jedoch einer Anklage, weil er schwer krank und daher nicht prozessfähig ist. Der Prozess soll mindestens vier Monate dauern.

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