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Britisches Geldhaus HSBC-Chef John Flint tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Nach nur anderthalb Jahren endet die Zeit von John Flint als Chef der britischen Großbank. Nach einem Nachfolger wird intern und extern gesucht.
Update: 05.08.2019 - 17:06 Uhr Kommentieren
Er soll der Bank weiter als Berater zur Seite stehen, hat aber seinen Posten mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Quelle: Bloomberg
John Flint

Er soll der Bank weiter als Berater zur Seite stehen, hat aber seinen Posten mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

(Foto: Bloomberg)

London, Frankfurt Als John Flint 2018 den Job als Vorstandsvorsitzender von HSBC übernahm, bekam er von vielen Seiten Zuspruch – aber nicht von allen: Einige hielten den heute 51-Jährigen für zu blass und kritisierten, dass mit Flint ein interner Kandidat das Rennen gemacht hatte.

Aber Verwaltungsratschef Mark Tucker, der selbst nur wenige Monate zuvor zu Europas größter Bank gekommen war, ernannte Flint in einer seiner ersten Amtshandlungen zum neuen Chef der HSBC. Gerade einmal 18 Monate später kommt die Kehrtwende: Überraschend wurde am Montag der Rücktritt von Flint angekündigt, mit sofortiger Wirkung. Gleichzeitig kündigte HSBC einen Stellenabbau an – zwei Prozent der insgesamt gut 238.000 Mitarbeiter könnten ihren Job dieses Jahr verlieren.

Man sei „John sehr dankbar für sein persönliches Engagement und den bedeutenden Beitrag, den er in seiner langen Karriere bei HSBC geleistet hat“, sagte Verwaltungsratschef Tucker. Aber das Gremium sei nun der Ansicht, dass „in dem zunehmend komplexen und herausfordernden globalen Umfeld, in dem die Bank tätig ist, eine Änderung erforderlich ist, um die vor uns liegenden Herausforderungen zu bewältigen und die sehr bedeutenden Chancen zu nutzen“.

Gerüchte, dass es zwischen ihm und Flint zum Streit gekommen sei, wies Tucker zurück. „Es gab keine Meinungsverschiedenheiten über die Strategie“, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende, als er in einer Telefonkonferenz darauf angesprochen wurde. Auch persönliche Differenzen habe es keine gegeben.

„Die Umstände ändern sich, und wir müssen uns anpassen.“ Flint habe gute Arbeit geleistet, aber es sei Zeit für eine Veränderung – und nicht nur der Verwaltungsrat sei dieser Ansicht, sondern auch Flint selbst.
Dieser ließ mitteilen, er gehe in gegenseitigem Einverständnis mit dem Verwaltungsrat.

„Nach fast 30 Jahren bei HSBC werde ich traurig sein, zu gehen, freue mich aber auf eine neue persönliche Herausforderung“. Flint soll der Bank weiter als Berater zur Seite stehen, hat aber seinen Posten mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Sogar bei der Präsentation der aktuellen Halbjahresergebnisse war er nicht mehr anwesend.

In viele Skandale verwickelt

Dass diese der Grund für die Trennung sein könnten, halten Experten für unwahrscheinlich: Sie fielen besser aus als erwartet, vom US-Geschäft abgesehen. Zur weiteren Geschäftsentwicklung äußerte sich HSBC jedoch zurückhaltend. Die Fehde zwischen den USA und China könnte zum Problem werden, ebenso der Brexit.

Die Bank war in den vergangenen Jahren in unzählige Skandale verwickelt, darunter Geldwäsche, Zinsmanipulationen, Korruption und Steuerhinterziehung. Flint sollte das mehr als 150 Jahre alte Geldhaus in neue Zeiten führen, offenbar ging er aber zu langsam vor. Dass Tucker ein hohes Tempo erwartet, war schon bei seinem früheren Posten als Verwaltungsratschef des asiatischen Lebensversicherers AIA deutlich geworden. Strategisch hielt Flint das Geldhaus auf einem ähnlichen Kurs wie sein Vorgänger – mit einem starken Fokus auf den wichtigen Markt Asien.

Flints Vorgänger Gulliver hatte ihn zum Kronprinzen aufgebaut. Kurz waren für den Posten des Vorstandschefs mehrere externe Kandidaten im Gespräch, darunter der frühere AIG-Chef Peter Hancock und Lloyds-Chef Antonio Horta-Osorio. Doch nachdem mit Tucker im Oktober 2017 ein Externer zum Chairman ernannt wurde, rückte der Fokus auf interne Kandidaten, um Kontinuität an der Spitze zu signalisieren. Flint hatte 1989 seine Karriere bei der Bank begonnen.

Schon vier Monate vor seinem tatsächlichen Amtsantritt hatte HSBC 2017 den geplanten Schritt angekündigt. So rasch, wie Flint nun vor die Tür gesetzt wurde, so lange hatte HSBC seinen Aufstieg vorbereitet. Seine Strategie sei weder „revolutionär“ noch „desaströs“ gewesen, sagte Analyst Nicholas Hyett von Hargreaves Lansdown. Ohnehin sei seine Zeit als CEO so kurz gewesen, dass es noch gar nicht möglich sei, seine Entscheidungen abschließend zu beurteilen.

Nun soll vorübergehend der bisherige Leiter des Firmenkundengeschäfts, Noel Quinn, den Spitzenposten übernehmen. Nach einem Nachfolger wird intern als auch extern gesucht. Das könnte sechs bis zwölf Monate dauern. Der Neue solle „Tempo, Entscheidungsfreude und Ehrgeiz“ mitbringen, betonte Tucker. Eigenschaften, die Quinn habe.

Quinn ist wie Flint ein HSBC-Urgestein. Zuletzt war er Chef des globalen Geschäfts mit Unternehmenskunden mit bis zu fünf Milliarden Euro Umsatz. Zuvor leitete er die Firmenkundensparte in Großbritannien und von 2011 bis 2015 von Hongkong aus das Asien-Pazifik-Geschäft. Quinn tritt zupackend auf und gilt als guter Kommunikator – Eigenschaften, die die HSBC nach dem abrupten Wechsel an der Spitze brauchen kann.

Mehr: Um den Steuerzahler zukünftig vor einer kostspieligen Bankenrettung zu bewahren, müssen Geldhäuser wie HSBC und Barclays künftig Abwicklungspläne vorlegen.

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