Broeksmit-Tod untersucht Selbstmorde lassen Finanzbranche umdenken

Der Suizid galt in der Finanzbranche lange als Tabu. Nach dem rätselhaften Ableben einiger Banker setzt nun ein Umdenken in der Branche ein. Zum Tod des Ex-Deutsche-Bank-Managers Broeksmit wird nun ein Bericht vorgelegt.
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Blick auf den Finanzdistrikt in London: Die aggressive und harte Arbeitskultur in der Finanzwelt könnte der Branche schaden, sagen Experten. Quelle: Reuters

Blick auf den Finanzdistrikt in London: Die aggressive und harte Arbeitskultur in der Finanzwelt könnte der Branche schaden, sagen Experten.

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LondonEs war Ende Januar, als William Broeksmit erhängt in seiner Londoner Wohnung aufgefunden wurde. Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, informierten die Mitarbeiter der Bank in einer internen E-Mail über den Tod des Mannes, der einmal Risikochef des Geldhauses werden sollte. Broeksmit galt als enger Vertrauter des ehemaligen Investmentchefs Jain.

Am Dienstag haben die Ermittler den Untersuchungsbericht zum Tod von Broeksmit vorgestellt. Vieles deutet bisher auf einen Selbstmord hin. Es wäre einer von mehreren Suiziden in der Bankenbranche in den vergangenen Monaten, die zunehmend zu einem Umdenken führen.

Die leitende Ermittlerin im Fall von Broeksmit, Fiona Wilcox, sagte bei der Vorstellung in London, aus den Abschiedsbriefen gehe eine „klare Selbstmordabsicht“ hervor. Zu deren Inhalt äußerte sie sich nicht. Der 58-Jährige hatte vor seinem Selbstmord mehrere Abschiedsbriefe an seine Familie und Freunde hinterlassen. Ende Mai sollen auch Details zum Tod von Gabriel Magee veröffentlicht werden. Der JP-Morgan-Manager war nach einem Sturz von der 33-stöckigen englischen Zentrale der Bank in London im Alter von 39 Jahren verstorben.

Auf diese mutmaßlichen Selbstmorde folgten andere Fälle rund um den Globus, etwa bei JP Morgan in Hongkong sowie bei Russell Investment Management in Seattle. Die aggressive und harte Arbeitskultur in der Finanzwelt könnte der Branche schaden, sagen professionelle Berater, die sich mit dem psychischen Wohlergehen der Beschäftigten befassen.

Am stärksten gefährdet seien „jene, die keine Freundschaften oder Bekanntenkreise außerhalb des Unternehmens pflegen“, erklärt Stewart Black, Professor of Global Leadership and Strategy der Wirtschaftshochschule IMD im schweizerischen Lausanne. „Viele Manager knien sich richtig rein, arbeiten hart und leisten hervorragende Arbeit, aber sie pflegen keine zusätzlichen Netzwerke“, sagt er. „Diese breiteren Netzwerke fungieren als Sicherheitsventile.“

Den Banken wird das Ausmaß des Problems immer stärker bewusst, erklärt Peter Rodgers, Vorsitzender der City Mental Health Alliance, zu deren Mitgliedern auch Morgan Stanley und Bank of America gehören. JP Morgan, bei der es seit Jahresanfang mindestens zwei Selbstmorde gegeben hat, gehört nicht zu der Allianz.

Als die City Mental Health Alliance letztes Jahr von Banken, Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfern gegründet wurde - darunter Goldman Sachs, Linklaters und KPMG -, hat Rogers zufolge „niemand in der (Londoner) City“ wirklich über psychische Probleme gesprochen. Mittlerweile umfasse die Liste 18 Unternehmen, inklusive der Zentralbank Bank of England.

Im Bankensektor habe es eine Reihe von Initiativen gegeben, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu verbessern, doch „der Kulturwandel muss auf den höchsten Ebenen akzeptiert werden“, sagt Rodgers, der auch stellvertretender Leiter der Rechtsabteilung von KPMG ist.

„Keinerlei Verdacht eines Fehlverhaltens“
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8 Kommentare zu "Broeksmit-Tod untersucht: Selbstmorde lassen Finanzbranche umdenken"

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  • vermisse in den Kommentaren "Mitleid".

  • mannnn...müsst ihr vom HB angst haben vor der wahrheit. Lebt man damit gut?

  • Ich glaube da will jemand Zeugen aus den Weg räumen...!

  • Leider suizidieren sich auch Mitarbeiter von Versicherungen. Drei Suizide in einem deutschen Unternehmen führten nur dazu, dass auf dem Hochhaus ein meterhoher Zaun errichtet wurde. Das Arbeitsklima ist dasselbe.
    Mit dem Vorstand Hr. Wauthier von der Zurich-Versicherung haben wir einen dramatischen Fall in der Schweiz.
    Die Presse ist angehalten so wenig wie möglich über Selbstmorde zu schreiben, weil nach Selbstmorden die Suizidzahl nach oben schnellt.
    Wenn aber in namhaften deutschen Unternehmen Suizide vorkommen, sollte die Öffentlichkeit darüber reden. Die Mitarbeitervertreter sollten es thematisieren.
    Wir müssen es nicht soweit kommen lassen wie bei Renault und der France Telecom, wo es zwischen 2006 und 2011 sehr viele Suizide gab.
    Unternehmensleitungen, Personaler, Betriebsräte und Führungskräfte erlebe ich oft als ignorant dem Thema gegenüber. Sei es aus Hilflosigkeit oder weil die Produktion weiter laufen muss. Warum selten externe Hilfe angefordert wird, ist mir nicht klar. Ist es Scham oder die Gefahr, zugeben zu müssen, Signale nicht wahrgenommen zu haben oder sogar eine Mitschuld zu haben?
    Zumindest sollte darüber gesprochen werden.



  • @bilanz: wünsche Ihnen alles gute. aber ihre lebeneinstellung passt nur auf wenige. leider.

  • ob das früher anders war wäre eine interessante Frage für eine Doku. Ich denke nicht. Ich kenne sehr viele Leute die ganz bewust langsamer fahren. Die erhalten dann auch nicht den Obolus jener Raser und zahlen also für diese Freiheit. Dann kenne ich ebenfalls viele Leute die Rasen und dabei verbrennen, Haus und Hof verzockt haben. Da frag ich mich immer wieso man das so macht. Ich bin auch ein Raser, ich hoffe dass ich immer die Bremse finde und dann kein Holzklotz das Pedal einklemmt dass ich noch bremsen kann.

  • Mit-leiden, das koennte Zeit und Geld kosten. Wie unendlich traurig wenn ein Mensch keinen anderen Ausweg findet.

  • wie unendlich traurig. Was fuer eine Gesellschaft, egal wo, die sich nur selbst kennen. Das Wort "Mitleid" gibt es kaum noch. Mit-leiden zuviel koennte Zeit und Geld kosten.

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