Bronek Masojada „Das größte Cyberrisiko hat zwei Beine und Arme“ – welche Gefahren Unternehmen drohen

Der Chef des Spezialversicherers Hiscox über Gefahren für Unternehmen aus dem Netz, das Bewusstsein für Cyberkriminalität und menschliche Fehler.
Kommentieren
Cyberattacken gegen Unternehmen gelten als die „Brandstiftung des 21. Jahrhunderts“. Quelle: dpa
Hacker

Cyberattacken gegen Unternehmen gelten als die „Brandstiftung des 21. Jahrhunderts“.

(Foto: dpa)

FrankfurtFünf Stunden dauerte am Vorabend die Wagner-Oper „Parsifal“ in der Münchner Staatsoper. Hiscox-Chef Bronek Masojada ist am nächsten Morgen trotzdem konzentriert bei der Sache. Über Cyberpolicen redet er schließlich immer gerne.

Herr Masojada, wo besteht für die Unternehmen bei Cyberrisiken die größte Gefahr? Ist es ein Angriff auf die Produktion, auf Konten oder womöglich ein Shitstorm?
Es ist tatsächlich von allem etwas und deswegen so schwer zu definieren. Letztlich gehört alles dazu, was in diesem Thema schiefgehen kann. Und täglich kommen neue Gefährdungsphänomene hinzu. Das macht den Markt so spannend.

Wir stehen am Anfang der digitalen Entwicklung. Was ist an Cyberrisiken noch zu erwarten?
Digitale Technologien werden immer mehr im Alltag unseres Privat- und Arbeitslebens Einzug halten. Sie werden immer einfacher, günstiger, alltäglicher und vernetzter werden. Und damit werden auch die Risiken steigen, werden wir angreifbarer werden. Das steht außer Frage. Vor lauter Freude über heutige und zukünftige Möglichkeiten durch diese Technologien vergessen viele Menschen aber die einfachen Dinge, um sich zu schützen. Öfters mal das Passwort wechseln oder das abgelaufene Virenschutzprogramm erneuern wäre schon ein Anfang, um sich vor Cyberrisiken zu schützen.

„Vor lauter Freude über heutige und zukünftige Möglichkeiten durch diese Technologien vergessen viele Menschen aber die einfachen Dinge, um sich zu schützen.“ Quelle: Hiscox
Bronek Masojada

„Vor lauter Freude über heutige und zukünftige Möglichkeiten durch diese Technologien vergessen viele Menschen aber die einfachen Dinge, um sich zu schützen.“

(Foto: Hiscox)

Ließe sich mit frühzeitiger Aufklärung nicht vieles an Schäden vermeiden?
Das ist genau unser Ansatz. Wir unterstützen die Unternehmen, um sich selbst zu schützen und auch, um auf den Extremfall vorbereitet zu sein.

Was wäre aus Ihrer Sicht der extremste Fall?
Das ist eindeutig ein Datenverlust, dessen Grund und Umfang nicht ersichtlich ist. Wir bekommen dann Anrufe von komplett verunsicherten Kunden: Wir vermissen Daten und glauben, dass das ein Angriff ist. Das ist für unseren Versicherungsnehmer in diesem Moment eine nervenaufreibende Situation.

Niemand weiß, was betroffen und infiziert ist oder was verloren gegangen ist. So schnell wie möglich einen Überblick über den Schaden zu bekommen, rasche Gegenmaßnahmen zu ergreifen und so dem betroffenen Kunden in dieser kritischen Situation zu helfen ist die wichtigste und gleichzeitig schwierigste Aufgabe.

Welche Gefahr besteht für Unternehmen, wenn eng verbundene Geschäftspartner, Anwälte oder Steuerberater gehackt werden?
Das ist eine ganz besondere Herausforderung, weil in immer enger verflochtenen Geschäftsbeziehungen auch die Abhängigkeiten wachsen. Der Schaden entsteht an einer Stelle, aber betroffen sind viele. Oftmals ist der Schaden auch nicht gleich erkenn- und absehbar, kommt erst später zum Tragen. Oder man wird mit angeblich verlorenen Daten erpresst, hatte aber gar keinen Datenverlust. Das sind sehr komplexe Fälle, die wir aber auch schon gelöst haben.

In der Branche fordern viele eine Pflichtversicherung gegen Cyberrisiken. Wäre das tatsächlich zum Nutzen der Kunden?
Ich denke, so wie jeder Hausbesitzer eine Feuerversicherung braucht, sollte auch jeder, der einen Computer besitzt, einen Schutz gegen Cyberangriffe haben. Wir glauben, dass die Cyberversicherung bald eine Standardversicherung sein wird, erst für Unternehmen und dann auch für Privatpersonen.

In der Realität gibt es aber vor allem bei den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) noch recht wenig Verständnis dafür.
Das stimmt leider immer noch, ändert sich aber gerade. Wir sind schon jetzt sehr gut mit kleinen und mittleren Unternehmen im Geschäft, die Nachfrage steigt. Hier haben wir auch einen eindeutigen Aufklärungsauftrag. Genau für die Bedürfnisse der KMU bieten wir in den USA, UK und Deutschland spezielle Cybertrainings, unter anderem zur Sensibilisierung der Mitarbeiter. So können sich gerade kleinere Unternehmen informieren, wie sie sich selbst schützen können, wo Gefahren lauern und wie ihnen eine Versicherung helfen kann.

Welche Rolle spielt im Bewusstsein Ihrer Kunden die europäische Datenschutz-Grundverordnung, die seit wenigen Wochen in Kraft getreten ist?
Sie ist ein Haupttreiber. Noch vor ein oder zwei Jahren konnten sie das Thema unter den Teppich kehren oder aufs nächste Jahre verschieben. Das geht jetzt nicht mehr.

Verfassungsschutz meldet neue Angriff-Serie – So schützen Sie sich gegen aktuelle Cyberattacken

Können Sie Hiscox selbst genügend gegen Hackerangriffe schützen?
Nein, das können wir nicht. Es gibt für niemanden hundertprozentige Sicherheit. Wenn ein Angreifer unbegrenzte Ressourcen und unbegrenzte Zeit hat, dann bekommt jeder ein Problem. Umgekehrt hätte sich der Schaden beim Angriff Wannacry vor einem Jahr stark begrenzen lassen, wären ganz einfache Regeln befolgt worden. Dort wurden ganz einfache Hacks benutzt, die Jahre bekannt waren. Aber weil die Nutzer die Systeme nicht durch Updates auf den neuesten Stand gebracht hatten, kam es zu diesen Folgen.

Ist also der Mensch das Problem?
Das ist so. Beispiele gibt es genug. Ob jemand gefeuert wurde und nun Rache nimmt oder ob einer über Jahre Konten leer räumt. Das größte Cyberrisiko ist oftmals kein Virus, sondern hat zwei Beine und zwei Arme.

Startseite

Mehr zu: Bronek Masojada - „Das größte Cyberrisiko hat zwei Beine und Arme“ – welche Gefahren Unternehmen drohen

0 Kommentare zu "Bronek Masojada: „Das größte Cyberrisiko hat zwei Beine und Arme“ – welche Gefahren Unternehmen drohen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%