Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bruce Carnegie-Brown im Interview Lloyd’s-Chairman: „Es gibt keinen Königsweg, um die Kosten zu senken“

Nach zwei Verlustjahren legt der Londoner Versicherungsgigant vielversprechende Zahlen vor. Verwaltungsratschef Carnegie-Brown erklärt, worauf es nun ankommt.
Kommentieren
Der Lloyd‘s-of-London-Chef will bald eine Digitalisierungsstrategie vorlegen. Quelle: Bloomberg
Bruce Carnegie-Brown

Der Lloyd‘s-of-London-Chef will bald eine Digitalisierungsstrategie vorlegen.

(Foto: Bloomberg)

Lloyd’s hat ein paar schlechte Jahre hinter sich: 2017 betrug der Verlust zwei Milliarden Pfund, im vergangenen Jahr immer noch eine Milliarde Pfund. Nun will der Londoner Versicherungsmarkt wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Chairman Bruce Carnegie-Brown ist zuversichtlich: Wenn es keine abnormalen Schadensfälle bis Jahresende gebe, werde man 2019 mit einem Gewinn abschließen, sagte er dem Handelsblatt.

Am Mittwoch meldete das Unternehmen ordentliche Halbjahreszahlen. Der Vorsteuergewinn stieg in den ersten sechs Monaten auf 2,3 Milliarden Pfund – eine deutliche Verbesserung gegenüber den 600 Millionen Pfund im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Gewinnsprung lässt sich ausschließlich auf hohe Anlagegewinne zurückführen. Dank niedriger Zinsen sei das Vermögen von Lloyd’s stark gewachsen, sagte Carnegie-Brown.

Das Kerngeschäft mit den Versicherungspolicen hingegen lief nicht so rund. Die wichtigste Kennziffer – die Schaden-Kosten-Quote – verschlechterte sich von 95,5 auf 98,8 Prozent. Als Grund nannte Lloyd‘s Schadensansprüche aus den Naturkatastrophen der vergangenen Jahre, allen voran der verheerende Taifun Jebi in Asien im vergangenen Winter.

Bei den operativen Kosten wiederum konnte Lloyd‘s Fortschritte melden. Die Kostenquote sank von 39,3 auf 38,1 Prozent. Carnegie-Brown nannte dies „ermutigend“, räumte aber ein, dass es noch eine Weile dauern werde, bis man auf die angestrebten 30 Prozent komme.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Lloyd’s hat den Gewinn im ersten Halbjahr von 600 Millionen Pfund auf 2,3 Milliarden Pfund im gleichen Vorjahreszeitraum gesteigert. Sind Sie auf Kurs, um auch das Gesamtjahr mit Gewinn abzuschließen?
Zunächst mal ist es gut, einen Gewinn melden zu können, nachdem wir das letzte Jahr mit einem Verlust abgeschlossen haben. Den Gewinn haben wir vor allem mit unseren Investments erzielt. Da die Zinsen im ersten Halbjahr gesunken sind, ist der Wert unseres Vermögens gestiegen. Diese Investmentgewinne wird es im zweiten Halbjahr wohl nicht mehr geben. Wichtiger als die Investmentgewinne ist daher die Entwicklung des Versicherungsgeschäfts.

Im Versicherungsgeschäft ist der Gewinn gesunken. Die Schaden-Kosten-Quote ist im ersten Halbjahr von 95,5 auf 98,8 Prozent gestiegen. Woran liegt das?
Auf den ersten Blick sieht das erste Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr schlechter aus. Das liegt vor allem daran, dass es weitere Schadensansprüche für die Jahre 2017 und 2018 gab, etwa aufgrund des Taifuns Jebi in Asien. Es gibt aber auch einige ermutigende Entwicklungen.

Die Preise im gesamten Lloyd’s-Markt sind im ersten Halbjahr im Schnitt um 3,9 Prozent gestiegen. Wir haben auch die Kostenquote um 1,2 Prozentpunkte auf 38,1 Prozent gesenkt. Diese beiden strukturellen Entwicklungen machen mich zuversichtlich. Natürlich könnte es immer noch ein außerordentliches Ereignis geben, die Naturkatastrophen passieren ja meist in der zweiten Jahreshälfte. Aber wenn wir ein normales Jahr haben, werden wir das Jahr mit Gewinn abschließen.

Die Kostenquote sinkt nur langsam, mit 38,1 Prozent ist sie immer noch sehr hoch. Wie weit wollen Sie sie senken – und bis wann?
Wir müssen sie regelmäßig jedes Quartal verbessern. Ich glaube nicht, dass es einen Königsweg gibt. Der Branchenbeste hat eine Kostenquote von 30 Prozent. Das muss unser Mindestziel sein. Aber es wird noch etwas dauern, bis wir da ankommen.

Wir erarbeiten gerade ein Modernisierungsprogramm. Zusammen mit unseren Marktteilnehmern beraten wir über neue Ideen zur Kostensenkung, Effizienz und neuen Produkten. Am 30. September werden wir den Fahrplan vorstellen, wann die neue digitale Infrastruktur gebaut wird und wie die Strategie umgesetzt wird.

Warum sind die Akquise-Kosten im ersten Halbjahr gestiegen? Sollten sie nicht sinken, wenn Lloyd‘s zunehmend digital wird?
Wir sind noch nicht so digital, wie wir sein müssen. Unsere Systeme basieren immer noch auf Papierdokumenten, nicht auf Daten. Wir müssen durch eine ziemlich große Umstellung. 70 Prozent der Dokumente erreichen uns inzwischen über unsere elektronische Plattform. Bis Juni 2020 wollen wir 100 Prozent erreichen. Das ist aber noch nicht die vollständige Lösung für die digitale Zukunft bei Lloyd’s. Es ist nur die Grundlage, auf der wir die weitere digitale Infrastruktur aufbauen können.

Ihre Personalchefin Annette Andrews hat angekündigt, die Firma zu verlassen. Sie ist nach CEO und COO die dritte Frau aus der obersten Führungsebene, die innerhalb eines Jahres geht. Wird das bei Lloyd’s zum Trend?
Ich hoffe, es ist kein Trend. Annette war fünf Jahre bei uns und war ein wichtiges Mitglied des Teams. Es ist ihre Entscheidung zu gehen, und wir respektieren das. Ihre Frage rührt an breitere Herausforderungen unserer Unternehmenskultur. Wir sind entschlossen, mehr Frauen in Führungspositionen zu befördern. Wir wissen, dass wir noch mehr tun müssen.

Im Frühjahr beschwerten sich mehrere Frauen über sexuelle Belästigung bei Lloyd’s. Am 24. September veröffentlichen Sie die Ergebnisse einer Umfrage unter den Versicherern und Brokern zum Verhalten am Arbeitsplatz. Was kam da zur Sprache?
Als die Vorwürfe im März bekannt wurden, haben wir einen Fünf-Punkte-Plan verkündet. Wir kannten das Ausmaß des Problems nicht, deshalb haben wir eine Umfrage im Marktplatz gestartet. Sie soll uns ein klareres Bild geben, damit wir die Probleme angehen können.

Was in der Umfrage zur Sprache kommt, ist wenig überraschend. Mitarbeiterinnen zögern, sich zu äußern, weil sie nicht wissen, ob sie gehört werden. Es geht um Mobbing und darum, wie wohl man sich am Arbeitsplatz fühlt. Wir werden diese Themen adressieren.

Welche Sanktionen haben Sie seit März bereits verhängt?
Eine Person hat ihren Job verloren, eine andere wurde vom Marktplatz verbannt. Eine Reihe von Untersuchungen läuft noch. Wenn wir inakzeptables Benehmen feststellen, haben wir keine Scheu zu handeln.
Herr Carnegie-Brown, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Die Tech-Giganten entwickeln sich für Versicherer zu einer Bedrohung.

Startseite

Mehr zu: Bruce Carnegie-Brown im Interview - Lloyd’s-Chairman: „Es gibt keinen Königsweg, um die Kosten zu senken“

0 Kommentare zu "Bruce Carnegie-Brown im Interview: Lloyd’s-Chairman: „Es gibt keinen Königsweg, um die Kosten zu senken“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote