Bundesbank Banken brauchen dickeres Polster

Es war die größte Finanzkrise des Jahrzehnts, in die uns nicht zuletzt der Leichtsinn der Banker führte. Die Bundesbank will, dass so etwas nie wieder passiert. Doch die Branche wehrt sich.
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Dunkle Wolken über Frankfurt: Die Aufsicht will Banken zu mehr Vorsorge zwingen. Quelle: dpa

Dunkle Wolken über Frankfurt: Die Aufsicht will Banken zu mehr Vorsorge zwingen.

(Foto: dpa)

EltvilleSystemrelevante Großbanken müssen sich nach Einschätzung der Bundesbank auf zusätzliche Kapitalanforderungen der Regulierer von bis zu drei Prozent einstellen. „Ich rechne damit, dass am Ende des Tages die Höhe der zusätzlichen Kapitalanforderung (...) aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwo zwischen zwei und drei Prozent liegen wird“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Freitag laut Redemanuskript auf einer Konferenz in Eltville im Rheingau. Endgültige Entscheidungen über die geplanten höheren Kapitalanforderungen für große, besonders vernetzte oder in anderer Weise für das gesamte Finanzsystem wichtige Institute, sogenannte „SIFIs“, seien aber noch nicht gefallen. In Deutschland würde die zusätzliche Kapitalanforderung die Deutsche Bank betreffen.

Die Regulierer wollen erreichen, dass die systemrelevanten Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen und somit geringere Risiken eingehen können, da ihr Zusammenbruch gravierende Folgen für das Weltfinanzsystem haben kann. Dombret erwartet, dass weltweit zunächst 25 bis 30 Institute in die Kategorie der sogenannten „SIFIs“ eingeordnet werden. Fachleute gegen davon aus, dass aus Deutschland nur der Branchenprimus Deutsche Bank zu dieser Bankengruppe zählen wird. Nach einem Bericht der „Financial Times“ soll die Deutsche Bank künftig eine Kernkapitalquote von 9,5 Prozent vorhalten müssen - 2,5 Prozent mehr als es die Mindestkapitalvorschriften nach „Basel III“ vorsehen, die für alle Banken ab 2013 schrittweise eingeführt werden.

In der Diskussion um die von den systemrelevanten Banken vorzuhaltende Kapitalform möchte die Bundesbank den Instituten entgegen kommen. Reines Eigenkapital scheine zwar die „natürliche Wahl“ für den zusätzlichen Aufschlag zu sein, sagte Dombret. Die Bundesbank sei aber dafür, dass die Banken außerdem von Fremd- in Eigenkapital wandelbare Instrumente (contingent capital) benutzen können, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen.

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huGO-BildID: 17285548 Corealcredit Quelle: Unternehmen
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6 Kommentare zu "Bundesbank: Banken müssen mehr Geld zurücklegen"

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  • Was regt sich jeder über die Banken und die Finanzkrise auf. Die derzeit laufende Staatsschuldenkrise hat wie die Finanzkrise ihre Gründerväter in der Politik.

    Mit dem Triple A Deutschlands ist es bald vorbei. Anleger sind skeptischer gegenüber Europa geworden. Eine alternde Bevölkerung und, abgesehen von der Schweiz, aufgeblasene Staatsapparate lassen sie nach Alternativen in den Emerging Markets suchen. Das läuft schon längst. Die Finanzierung der Schulden wird teurer. Steuersenkungen wird es nicht geben - es sei denn eine Revolution der echten Steuerzahler würde mit den immens hohen "Betriebskosten" der Staaten Europas aufräumen.

    Bis dahin jedenfalls wird, wie jedes Jahr, das Finanzamt den Steuerzahler eine diskrete Steuererhöhung aufbürden, die bisher nur wenige stört oder aufgefallen ist: Die kalte Progression der Einkommenssteuer.

    Generationen von Steuerzahlern der BRD haben es noch nie erlebt, dass der Staat zum Inflationsausgleich die Steuerbemessungsgrundlage der Einkommenssteuer den gestiegenen Lebenshaltungskosten prozentual entsprechend erhöht. Das macht den deutschen Staat zum sprichwörtlichen Steuersünder.

    Die kalte Progression der Einkommenssteuer stellt aus meiner Sicht einen Betrug des Finanzamtes am Steuerzahler dar. Das wäre vom Bundesverfassungsgericht zu prüfen. Hier geht es um jährlich sich kumulierende Milliardenbeträge.

    Die Politik hat ihre leeren Versprechungen hier etwas zu ändern bisher immer gebrochen und die öffentliche Meinung, auch die Presse, nie nachgehakt. Mich wundert warum in der BRD keiner beharrlich auf eine Aenderung dieser bedauerlichen Tatsache besteht.

  • genau so ist es, die Finanzkrise nimmt gerade erst ihren Lauf.

    "Die Finanzkrise in ihrem Lauf, halten weder Merkel noch Juncker auf!" :D

    Das Geldsystem ist vom Grunde her faul.

    Informiert euch mal:
    Federal Reserve Act 1913---> damit verbunden das illegale Konstrukt bestehend aus Weltbank und IWF!

    Fragt ihr euch nicht, wo der IWF das Geld immer herzaubert?

    In diesem Thema liegt die wahre Aufklärung! Also informiert euch gefälligst und diskutiert hier nicht elendig lang über Handelsbilanzen!

  • Es ist doch eh zu spät.
    Die Welt ist geflutet mit wertlosem Kreditgeld.
    Mal ganz von dem verlogenen weltweiten Finanzsystem abgesehen.
    Wertloses Schuldgeld aus der Luft erschaffen, die Geschäftsbanken packen nochmals Fractional Banking drauf.
    Garniert wird das Ganze mit Zins und Zinseszins.
    Und mal ganz von den kreativen Geschäftspraktiken der Bankster abgesehen um immer höhere Provite zu erziehlen.
    Aber wie gesagt - es ist eh zu spät.......

  • Die Banken zu zwingen, mehr Eigenkapital vorzuhalten? Das bringt doch alles nichts.
    Das einzig wahre Kriterium ist der Lender of Least Resort, der Steuerzahler als Letzter in der Reihe, der im Zweifel für alles aufkommt. Die Banken haben seit Lehmann, AIG und HRE ausgiebig getestet, wie weit sie mit dem Steuerzahler gehen können. Und sie haben damit ziemlich gute Erfahrungen gemacht. Also werden sie weiter testen und sehen, an welche Grenzen sie noch gehen können. Das liegt einfach in der Natur der Sache und ist per se aus meiner Sicht nichts Verwerfliches.
    Können die Banken dabei irgendwann tatsächlich an eine Grenze geraten? Ich meine ja. Die für den Steuerzahler schmerzhafteste Variante besteht darin, dass er nicht mehr zahlen kann. Die weniger schmerzhafte wäre, er lässt die Banken Pleite gehen. Da der Prozess der Annäherung an das natürliche Limit aber schleichend verläuft ist die Politik regelmäßig geneigt, zunächst die Banken zu "retten", immer hoffend, dass es nicht zu weiteren und teureren Aktionen kommen wird. Gerade die Rettungsaktionen aber provozieren die immer weitere Ausdehnung des Risikos, welche die Banken eingehen und für die der Steuerzahler bei der nächsten Krise erneut einzustehen hat.
    Im Ergebnis wird es also damit enden, dass die Gesamtverschuldung irgendwann ein Ausmaß erreicht, welches nicht mehr durch Steuereinnahmen zu decken ist. Dann bricht das ganze Schneeballsystem in sich zusammen.
    Bedauerlicherweise haben sich solche Prozesse in der jüngeren Geschichte nicht immer friedlich vollzogen.

  • Was heißt hier: "Es war die größte Finanzkrise..."???
    Wir sind mitten drin. Wenn die unzähligen Rettungspakete geschnürt werden, dann doch nur weil sonst wieder ein paar Banken Vermögen verlieren oder hopps gehen würden. Das ist die Finanzkrise. Der echte Bankenzusammenbruch steht noch bevor. Es werden doch schon wieder reichlich Luftschlösser gebaut, damit die Banken ihre Luftnummern mit Substanz auffüllen können. Es muss sich grundlegend etwas ändern im Finanzsystem. So gesehen hat doch jedes Land Schulden ohne Ende. Es werden nur Zinsen gezahlt. Für Tilgung ist nie Geld da. Die Banken haben doch genug verdient. Lasst doch mal endlich ein Reset bei den Schulden in der ganzen Welt machen. Jeder muss kleinere Brötchen backen. Warum nur diese verdammten Banken nicht?

  • "Es war die größte Finanzkrise des Jahrzehnts". Ich erinnere mich: Politiker und Medien, die so gerne Ängste schüren, haben während der Krise immer davon geredet, dass es die Schlimmste der letzten hundert Jahre ist, noch viel schlimmer als nach 1929. Jetzt wo es vorbei ist, wird es wieder kleiner geredet. Vermutlich, damit das "weiter so" der Politik in besserem Licht steht. Ich bin nur froh, dass es inzwischen das Internet gibt, in dem unabhängige Meinungen geäußert werden von Leuten, die nicht so schnell vergessen wie Politik und Medien.

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