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Geldwäsche-Razzia bei der Deutschen Bank im November 2018

Fahnder durchsuchten im November 2018 die Zentrale der Deutschen Bank. Als Folge daraus startete heute eine Großrazzia.

(Foto: Bloomberg)

Bundesweite Aktion Razzia in Wohnungen, Banken, Kanzleien: Ermittler jagen mutmaßliche Steuerhinterzieher

Die Durchsuchungen hängen eng zusammen mit einer Razzia bei der Deutschen Bank, deren Auslöser Erkenntnisse aus den „Offshore-Leaks“ und „Panama Papers“ waren.
Update: 15.05.2019 - 14:36 Uhr 4 Kommentare

FrankfurtFrankfurter Staatsanwälte, Beamte des Bundeskriminalamtes und weiterer Behörden haben am Mittwoch im gesamten Bundesgebiet Privatwohnungen, Geschäftsräume von Banken, Steuerkanzleien und Vermögensverwaltern durchsucht. Hintergrund ist der Verdacht auf Steuerhinterziehung gegen mehrere vermögende Privatleute.

Insgesamt würden acht Wohnungen, elf Banken und Sparkassen, die Büros von vier Steuerberatern und sechs Vermögensverwaltern unter anderem in Hamburg, Bad Tölz, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Aachen, Köln und auf Sylt durchsucht, meldete die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Bei der Großrazzia sind Beamte aus ganz Deutschland im Einsatz. Ermittler des Bundeskriminalamts, des LKA Hamburg, der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main und der Finanzämter Düsseldorf, Frankfurt am Main I, Hamburg, Rosenheim, und Trier durchsuchen die Wohn- und Geschäftsräume. Die Maßnahmen dauerten am Mittwochnachmittag an. Sie dürften aber nach Angaben eines Behördensprechers noch im Laufe des Tages beendet werden.

Die Razzia hängt eng zusammen mit einer Durchsuchung bei der Deutschen Bank im November des vergangenen Jahres. Damals durchsuchten zeitgleich 170 Beamte insgesamt sechs Gebäude in Frankfurt, Eschborn und Groß-Umstadt. Grund für die Ermittlungen waren Geschäftsaktivitäten der Frankfurter Bank auf den Britischen Jungferninseln.

Sie sind Folge der Auswertung von Daten aus den sogenannten „Offshore-Leaks“ und „Panama Papers“, aufgedeckt von einem internationalen Journalistenkonsortium. Unter Führung des Bundeskriminalamts arbeiteten rund 20 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Polizisten den Fall in einer Sonderkommission namens „Olet“ auf. Olet kommt aus dem lateinischen und heißt übersetzt „es stinkt“. „Pecunia non olet“, sagt der Volksmund, „Geld stinkt nicht“.

Die Ermittler förderten zutage, dass die Deutsche Bank als Dienstleisterin für Kunden auftrat, die auf besondere Diskretion bedacht waren. Allein im Jahr 2016 sollen nach Behördenangaben 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein. Die Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts erstrecken sich aber auf einen längeren Zeitraum. Betroffen sind mindestens die Jahre 2013 bis 2018.

Aus der Deutschen Bank sind bisher zwei Mitarbeiter, 50 und 46 Jahre alt, beschuldigt. Die Verdächtigen arbeiten bis heute für das Private Wealth Management und die Compliance-Abteilung der Bank. Zudem richtet sich der Geldwäsche-Verdacht gegen andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens. Die Ermittler filzten auch die Büros der Deutsche-Bank-Vorstände. Konkret geht es um eine frühere Deutsche Bank-Tochter namens „Regula Limited“ mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Die Bank hat die Gesellschaft im März 2018 verkauft.

Das betroffene Institut betonte mit Blick auf die aktuelle Razzia: „Die Ermittlungsverfahren richten sich nicht gegen die Deutsche Bank.“ Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen Privatpersonen. Die Deutsche Bank kooperiere mit der Staatsanwaltschaft und gebe alle angeforderten Unterlagen freiwillig heraus. „Eine Durchsuchung der Geschäftsräume der Bank hat deshalb nicht stattgefunden“, betonte ein Sprecher.

Dass die Bank ihre Kooperationsbereitschaft so hervorhebt und den Umstand, dass es bei ihr selbst keine Durchsuchungen gab, kommt nicht von ungefähr. Die Razzia im vergangenen November hatte das Institut schwer erschüttert: Kunden hielten sich mit Geschäften mit dem Institut zurück, die Stimmung und Motivation unter den Mitarbeitern der Bank rutschte in den Keller. In der Bank war man wütend, dass die Razzia so öffentlichkeitswirksam stattfand, ohne dass die Ermittler der Bank die Chance gegeben hatten, die gewünschten Unterlagen klammheimlich zu übermitteln.

Schon früh gab es nach der Razzia die Vermutung, den Ermittlern sei es im November weniger um die Mitarbeiter der Bank gegangen, die von ihr beschuldigt wurden, sondern um den Zugriff auf Kundendaten der Bank, die sie dadurch erhielten. Die bundesweiten Razzien am Mittwoch legen nahe, dass die Ermittler dabei fündig wurden.

Einerseits dürfte die Bank erleichtert darüber sein, dass es bei den Razzien „nur“ um die eigenen Kunden geht – und nicht wieder um das Institut selbst. Dennoch ist es für den Ruf der Bank schädlich genug, dass die November-Razzia belastendes Material zutage gefördert hat, das nun tatsächlich zu Razzien bei Kunden führte.

Die Ermittler hatten die Durchsuchungen bei der Bank mit dem Verdacht begründet, dass das Institut Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich war und dabei Gelder aus Straftaten auf Konten der Bank transferierte, ohne wegen Geldwäscheverdacht Alarm zu schlagen. Nun wird deutlich, dass es sich bei den möglichen Straftaten offenbar um Steuerhinterziehung ging. Anleger reagierten einigermaßen gefasst auf die Razzia: Die Aktie der Deutschen Bank verlor zwar rund ein Prozent an Wert, doch bei der Razzia in den Büroräumen der Bank gab es noch weit größere Kursverluste.

Kurz nach der Durchsuchung im November gab es zudem eine ungewöhnliche gemeinsame Erklärung der Staatsanwaltschaft zusammen mit der Deutschen Bank. Die Ermittlungsbehörden hätten seit Beginn der Durchsuchung „sehr rasche und sehr gute Fortschritte erzielt“, teilte die Behörde mit und lobte ausdrücklich: Die Bank kooperiere „umfassend“ und beantworte Anfragen der Ermittler „vorbehaltlos“.

Erst kürzlich hat der hessische Finanzminister Thomas Schäfer eine Art Zwischenbilanz in der Aufarbeitung der vor rund drei Jahren enthüllten „Panama Papers“ gezogen. Auf einer Pressekonferenz berichtete er von insgesamt 150 anhängigen Steuerstrafverfahren in dem Zusammenhang und machte deutlich, dass die Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen sei. Die Sonderermittlungsgruppe OLET wertet gemeinsam mit dem BKA seit rund eineinhalb Jahren bundesweit federführend die 49 Millionen Dokumente mit einem Datenumfang von 3,2 Terabyte über Geschäfte in Steueroasen aus.

Mit Material von Reuters

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4 Kommentare zu "Bundesweite Aktion: Razzia in Wohnungen, Banken, Kanzleien: Ermittler jagen mutmaßliche Steuerhinterzieher"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Einerseit beschweren sich viele über Seuerungerechtigkeit und jetzt passiert etwas und die Kommentatoren nölen auch. So eine Razzia wird über Jahre geplant, nix mit Steuerschätzung aus der letzten Woche.

  • Die letzte Steuerschätzung lässt so manche Blütenträume ins Nirwana verschwinden. Darum muss das fehlende Geld mit aller Macht woanders aufgetrieben werden. Das Timing passt.

  • Heute ist die Deutsche Bank wieder einmal an ihrem historischen Tiefstkurs.

    Und sie haften auch ...
    Die AN Seite des Aufsichtsrates ist auch für ihren Teil des Niedergangs der Bank verantwortlich.
    Bedingungslose Arbeitsplatzgarantien für mehrer Jahre ohne Bezug zur Leistungsfähigkeit oder Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer? Damit sind keine Rennen zu gewinnen in einer Zeit, wo es um die Geschwindigkeit des Wandels geht.

    Es kann doch nicht sein, dass die deutsche Bank ganz vorne steht in der Europas Reihe der „Big loser“. Dennoch, soweit ist es gekommen, mit einem Unternehmen das Deutschlands Namen trägt.

  • Test