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Carlos Torres Vila Neuer Chef der Großbank BBVA muss Aktionäre von der Digitalisierung überzeugen

Der ehemalige McKinsey-Berater muss als BBVA-Chef dafür sorgen, dass sich die Erfolge bei der Digitalisierung auch im Aktienkurs niederschlagen.
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Seit 2008 kümmert er sich um die Strategie der BBVA. Quelle: BBVA
Carlos Torres Vila

Seit 2008 kümmert er sich um die Strategie der BBVA.

(Foto: BBVA)

MadridImmer wieder tastet Carlos Torres Vila sein Jackett ab. Er sucht sein Handy, das er immer wieder verlegt. Es ist Anfang Dezember, und der designierte Verwaltungsratschef von BBVA erklärt einem kleinen Kreis von Finanzexperten gerade seine Vision für die zweitgrößte spanische Bank. Schließlich findet er das Handy auf dem Tischchen neben sich – und hält es beschwörend in Richtung Publikum. „Das ist ein sehr mächtiges Werkzeug“, sagt er.

Für Torres ist das Handy das Tor zur digitalen Welt. Seit Jahren fußt darauf seine Bankstrategie. Der 52-Jährige kam 2008 zu BBVA, obwohl er vorher noch nie bei einer Bank gearbeitet hatte. Am Massachusetts Institute of Technology machte er einen Bachelor als Ingenieur und einen MBA, heuerte danach bei der Unternehmensberatung McKinsey an. Damals legte er noch einen Jura-Abschluss an der spanischen Fernuni nach. Mangelnden Ehrgeiz kann man Torres nicht gerade nachsagen.

Erst war er Strategiechef bei BBVA, seit 2015 ist er CEO. Anfang Januar rückt er an die Spitze des Verwaltungsrats und ist damit die neue Nummer eins der Bank – in Spanien hat der Posten eine exekutive Funktion. Torres löst den langjährigen Bankchef Francisco González ab, der in den Ruhestand geht.

González hat früher als die meisten Bankchefs erkannt, dass sich das Geschäft digitalisieren muss. Torres war der Treiber und Umsetzer für seine Vision. BBVA gilt heute als eine der am besten für die Online-Zukunft aufgestellten Banken weltweit. Teil des Wandels war auch die Unternehmenskultur.

Torres setzt auf Teams und führte das Großraumbüro ein, in dem er auch selbst sitzt. „Ein Chef erklärt heute nicht mehr, wie die Dinge gemacht werden müssen“, sagt er. „Er gibt die Strategie vor und ermöglicht der Mannschaft dann, die Aufgaben so zu lösen, wie sie es für richtig hält.“

Bei BBVA heißt es, der Vater von drei Kindern höre bei der Entscheidungsfindung allen Teilnehmern einer Sitzung zu – egal, auf welcher Hierarchieebene sie stehen. Zudem sei er sehr strukturiert und analytisch, wohl eine Prägung seiner zwölf McKinsey-Jahre. Als neuen CEO hat sich Torres ebenfalls einen ehemaligen „Meckie“ geholt: den bisherigen US-Chef der Bank, Onur Genç.

Noch vor seinem offiziellen Antritt hat Torres die Führungsstrukturen verändert und Posten neu besetzt. Er selbst gibt dabei Macht an Genç ab, der künftig für das Tagesgeschäft verantwortlich ist und direkt an den Verwaltungsrat berichtet. Torres ist exekutiv für die Strategie, die digitale Transformation und juristische Bereiche verantwortlich. Mit der Aufteilung reagiert Torres auf Kritik der Europäischen Zentralbank an dem spanischen Modell, bei dem die gesamte Macht bislang in der Hand des Verwaltungsratschefs lag.

In der Branche ist zu hören, Torres habe ein eher technisches Profil. Seine Stärke liege nicht in der Kommunikation – ein großer Unterschied zum charismatischen González, der sich auch zu politischen Themen zu Wort meldete. González hatte sich schon vor Monaten für Torres als Nachfolger eingesetzt. „Man holt frischen Wind in die Führung, wenn die Dinge schlecht laufen, aber das ist bei BBVA nicht der Fall“, sagt Marco Troiano von der Bewertungsagentur Scope Ratings.

Im Aktienkurs spiegelt sich der Erfolg allerdings noch nicht wider. Der liegt seit Jahren unter dem europäischen Branchenindex. Torres muss noch beweisen, dass er die Investoren zufriedenstellen kann. Denen macht die starke Abhängigkeit von den volatilen Märkten in Mexiko und der Türkei Sorgen, wo die Bank rund die Hälfte ihres Gewinns erzielt. Diese Bedenken lassen sich auch mit einer noch so guten Online-Leistung nicht zerstreuen.

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