CDS-Risikoprämien Das tiefe Misstrauen der Bank-Investoren

Nicht nur Bank-Aktien sind abgeschmiert, auch die Risikoprämien für Anleihen haben sich seit Jahresbeginn oft verdoppelt. Gerade deutsche Institute machen im Vergleich zur europäischen Konkurrenz keine sehr gute Figur.
Ausgerechnet die älteste Bank der Welt, die italienische Monte dei Paschi (im Bild das Hauptquartier), steht in der Gunst der Investoren ganz weit unten. Quelle: Reuters
Träger der roten Laterne

Ausgerechnet die älteste Bank der Welt, die italienische Monte dei Paschi (im Bild das Hauptquartier), steht in der Gunst der Investoren ganz weit unten.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Vertrauensverlust der Investoren in europäische Bankaktien ist massiv. Der Branchenindex Euro Stoxx Banks hat seit Jahresbeginn etwa ein Drittel an Wert verloren und notiert mittlerweile nur noch knapp über seinem bisherigen Jahrestief von 89,7 Punkten. Und auch Besitzer von Bank-Anleihen sind enorm misstrauisch. Die Preise für Kreditausfallsicherungen, mit denen sich Investoren gegen Bankpleiten versichern können, sind förmlich explodiert.

Investoren, die sich zu Jahresbeginn noch gegen den Ausfall eines 10 Millionen Euro großen Portfolios europäischer Bankanleihen absichern wollten, mussten dafür zu Jahresbeginn noch 77.000 Euro pro Jahr berappen. Mittlerweile ist die Versicherungsprämie für so ein gemischtes Portfolio mit fünfjähriger Laufzeit auf 139.000 Euro gestiegen.

Soweit der Branchenblick. Wie hart es die einzelnen Kreditinstitute dann genau trifft, hängt natürlich von weiteren Faktoren ab, etwa wie stabil der Heimatstaat eines Kreditinstituts ist oder wie groß die individuellen Probleme einer Bank sind. Generell gilt: nordeuropäische und schweizerische Institute stehen deutlich besser da als solche aus Südeuropa.

Zwei Indikatoren zeigen besonders plastisch, wie tief das Misstrauen der Investoren mittlerweile ist: Die Kosten für Kreditausfallversicherungen und das Kurs-Buchwert-Verhältnis börsennotierter Banken. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis setzt das Eigenkapital eines Kreditinstituts in Relation zu seinem Börsenwert. Rutscht diese Kennziffer unter die Schwelle von 1,0, dann signalisiert das die Erwartung von Investoren, dass sie hohe Risiken und somit ein Verlustpotenzial in den Bilanzen vermuten.

Es ist wenig überraschend, dass südeuropäische Banken derzeit besonders schwach bewertet werden. Ausgerechnet die älteste Bank der Welt, die italienische Monte dei Paschi, steht mit Abstand am schlechtesten da, wie die Bildergalerie zeigt. Da geht es der Deutschen Bank schon besser – aber nicht viel. Der deutsche Branchenprimus hat unter Risikogesichtspunkten den italienischen Unicredit überholt.

Welcher Bank Investoren am wenigsten trauen
Außer Konkurrenz: KBC
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Um mit einem Positivbeispiel anzufangen: Einst musste die belgische Bank KBC vor der Pleite gerettet werden. Mittlerweile hat sich das Institut gesund geschrumpft und die letzten Staatshilfen zurückgezahlt. Anleger honorieren das. Derzeit kostet es gut 60.000 Euro, um sich gegen den Ausfall von KBC-Anleihen im Umfang von zehn Millionen Euro abzusichern. Damit steht der Finanzkonzern besser da als viele seiner namhafte Konkurrenten. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, also der Börsenwert im Verhältnis zum Eigenkapital der Bank, liegt mit 1,23 sogar über der magischen Schwelle von 1,0. Mit solch guten Relationen können sonst nur einige skandinavische Häuser wie SEB oder Danske Bank aufwarten.

Rang 10: UBS
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UBS-Vorstandschef Sergio Ermotti hat gut lachen: Auch die Schweizer UBS steht in der Gunst der Investoren relativ weit oben. Der Preis für die Kreditausfallversicherung hat sich seit Jahresbeginn zwar verdoppelt - es kostet mittlerweile 106.000 Euro, wenn man ein 10 Millionen Euro schweres Paket aus vorrangigen UBS-Anleihen absichern will. Im europäischen Vergleich ist das aber recht gut. Ein KBV von 0,92 ist in diesen Zeiten ein großer Vertrauensbeweis. Für die Schweizer zahlt sich vermutlich der frühe Abschied aus dem Investmentbanking und das starke Standbein in der Vermögensverwaltung aus.

Rang 9: Société Générale
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Die französischen Großbanken mussten seit Jahresbeginn ebenfalls Federn lassen. Die Risikoprämien verdoppelten sich bei den meisten auf mittlerweile knapp 140.000 Euro für Banken wie etwa BNP Paribas oder Société Générale. Allerdings sind die Aktionäre ziemlich misstrauisch, was die Wertigkeit der Bilanzen anbelangt. Bei BNP entspricht der Börsenwert nur 50 Prozent des Eigenkapitals. Bei Société Générale sind es sogar nur gut 40 Prozent.

Rang 8: HSBC
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Ganz so schnell wie dieser Rugby-Spieler laufen die Risikoprämien britischer Banken wie HSBC oder Barclays zum Glück nicht davon. Die Institute aus dem Königreich liegen risikomäßig im Mittelfeld. Die Ausfallversicherungen kosten nun bereits 150.000 Euro pro Jahr. Auch das Kurs-Buchwertverhältnis lässt zu wünschen übrig: Bei HSBC sind es immerhin 0,67, bei Barclays, einem Institut, das unter Rechtsstreitigkeiten und einem schleppenden Investmentbanking-Geschäft leidet, ist diese Kennziffer mit 0,46 deutlich schlechter.

Rang 7: Commerzbank
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Martin Blessing ist in seinem letzten Amtsjahr als Commerzbank-Chef: Endlich gibt es für die Aktionäre wieder eine Dividende. Und im Risikoranking steht er besser da als die Deutsche Bank. Allzu viel sollte sich das Institut auf diese Platzierung aber nicht einbilden. Fünfjährige Pleite-Versicherungen kosten bei ihr immerhin 180.000 Euro, auch hier hat sich die Prämie damit seit Jahresbeginn verdoppelt. Wenig schmeichelhaft ist auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das gerade einmal bei knapp 0,3 liegt. Das bilanzielle Eigenkapital der Bank wird an der Börse als gerade einmal mit 30 Prozent seines Nominalwerts gehandelt. Das reicht für eine Platzierung knapp vor den ersten südeuropäischen Instituten.

Rang 6: Intesa Sanpaolo
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Das italienische Bankensystem und seine Probleme trägt derzeit insgesamt zum relativ schlechten Ruf europäischer Banken bei. Aber es gibt Unterschiede. Über Intesa lässt sich sagen, dass sie eindeutig zu den stabileren Instituten des Landes gehört. Die Bank verdiente zuletzt doppelt so viel wie Erzrivale Unicredit. Mit 1,9 Prozentpunkten oder 190.000 Euro für ein 10-Millionen-Euro-Anleiheportfolio sind die Risikoprämien bemerkenswert hoch, das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,75 ist aber beispielsweise mehr als doppelt so hoch wie das der Commerzbank oder der Deutschen Bank.

Rang 5: Santander
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Die spanischen Banken spüren die Krise schon etwas deutlicher. Die iberischen Risikoprämien liegen bei 200.000 Euro für die Marktführer BBVA und Santander. Allerdings war die Erwartungshaltung der Investoren schon zu Jahresbeginn nicht ganz so groß: Es lag bei etwa 130.000 Euro. BBVA hat mit einem KBV von 0,66 die Nase vor dem Rivalen Santander mit 0,51.

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