CFO des Monats Cornelius Riese – der stille Boss der Bank-Genossen

Der 43-Jährige gilt als Manager der leisen Töne. In Kürze wird er zum Co-Chef der DZ Bank aufsteigen und damit jüngster Chef einer deutschen Großbank.
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Er wird die DZ Bank künftig in einer Doppelspitze führen. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Cornelius Riese

Er wird die DZ Bank künftig in einer Doppelspitze führen.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

FrankfurtSein Debüt in der Bankbranche hatte Cornelius Riese vor 24 Jahren. Der damals 19-Jährige suchte vor dem Studienbeginn nach einem Ferienjob. Per Zufall landete er bei der Heidelberger Volksbank. Sechs Wochen verbrachte er in der Zweigstelle Wieblingen am Schalter.

„Der Kontakt mit den Kunden war für mich als etwas theorielastiger Abiturient ein Erlebnis. Es hat mir großen Spaß gemacht“, sagt Riese heute. „Dass ich den Ferienjob in einer Volksbank gemacht habe, war Zufall. Aber es ist natürlich schön, dass sich der Kreis jetzt schließt.“

Das kann man durchaus als Untertreibung betrachten. Schließlich hat Riese nicht bei einer der 900 Volks- und Raiffeisenbanken Karriere gemacht. Vielmehr steht er vor dem Sprung an die Spitze ihres Zentralinstituts, der DZ Bank. In drei Monaten wird der 43-Jährige Co-Leiter der zweitgrößten Bank des Landes sein – und jüngster Chef einer deutschen Großbank. Auch die Top-Position der DZ Bank hat nie jemand Jüngeres besetzt.

Dass der 1,94-Meter-Mann und Basketballfan es ganz nach oben schaffen würde, trauten ihm Insider schon lange zu – obwohl er als ruhig und zurückhaltend gilt, was für Topmanager eher ungewöhnlich ist. Klassisch war dagegen sein Start ins Berufsleben: 1999 stieg Riese bei der Unternehmensberatung Accenture ein. Nebenher promovierte er zum Thema „Industrialisierung von Banken“.

„Heute sind Automatisierung und Digitalisierung in aller Munde – aber damals war das ein sehr innovatives Thema“, findet sein Doktorvater Friedrich Thießen, Finanzprofessor an der TU Chemnitz. Riese habe die Zeichen der Zeit früh erkannt.

2007 wechselte Riese zur DG Hyp. Das war der Anfang seines Aufstieg in der genossenschaftlichen Finanzgruppe – über die Riese sagt, er sei froh, hier seine Heimat gefunden zu haben. Eine Heimat, in der es erst einmal viele Probleme gab. Und das nicht nur bei der DG Hyp, an deren Neuausrichtung Riese mitarbeitete. Als er 2009 bei der DZ Bank anfing, war gerade ein Fusionsversuch mit dem Düsseldorfer Schwesterinstitut WGZ Bank gescheitert und die Finanzkrise rüttelte an der Stabilität vieler Geldhäuser.

„Es war wie eine Stunde null für die DZ Bank, eine schwierige Situation“, sagt Riese. Als Bereichsleiter arbeitete er an der neuen Strategie mit: Personalabbau, Kapitalerhöhung, Kappung des Kapitalmarktgeschäfts einerseits. Andererseits wollte die Bank wieder wachsen und sich als Dienstleister mehr um ihre Eigentümer, die Volks- und Raiffeisenbanken, bemühen. „Verbund first“ heißt das intern.

„Wir haben uns relativ früh an die neue Realität nach der Finanzkrise angepasst, weil wir nicht daran geglaubt haben, dass die alten Zeiten zurückkommen werden“, sagt Riese rückblickend.

Seit fünf Jahren ist Riese nun Finanzchef. In dieser Phase hat er auch die Fusion mit der WGZ Bank umgesetzt. Der Zusammenschluss, endlich vollzogen im fünften Anlauf, war Mitte 2016 perfekt. Seitdem ist das genossenschaftliche Spitzeninstitut die Nummer zwei am deutschen Bankenmarkt, mit einer Bilanzsumme von fast 540 Milliarden Euro.

Schon die Größe der Bank bringt es mit sich, dass der gebürtige Heidelberger und Vater von drei Kindern künftig viel mehr in der Öffentlichkeit stehen wird. Eine Aufgabe, die nicht unbedingt zu dem zurückhaltenden, analytischen Manager zu passen scheint. Doch Insider loben Riese für sein souveränes Auftreten und seinen weiten Horizont. Man könne sich mit ihm auch mal eine halbe Stunde unterhalten, ohne über Banken zu sprechen, sagt einer, der ihn lange kennt.

„Ich bin sicher kein Ballermann-Einpeitscher“, sagt Riese über sich selbst. „Aber das muss man als Vorstandschef auch nicht sein. Es ist wichtig, die Organisation mitzunehmen und die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.“ Das entspricht dem Selbstverständnis der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Eigner der DZ Bank sind schließlich eigenständige Unternehmen – die Riese viel zutrauen. „Er hat unglaubliches Potenzial“, ist der Chef einer Volksbank überzeugt.

DZ Bank wagt die Doppelspitze

Ohnehin steht Riese nicht allein an der Spitze. Den amtierenden Chef Wolfgang Kirsch, der in den Ruhestand geht, löst er gemeinsam mit Uwe Fröhlich ab. Der 58-Jährige führte lange den Verband der Volks- und Raiffeisenbanken. Eine Doppelspitze hat sich oft als Fehlkonstruktion erwiesen. Aber bei der DZ Bank ist sie aus Sicht von Finanzmanagern und Aufsehern eine gute Lösung: Während Riese die DZ Bank gut kenne, habe Fröhlich enge Bande zu den Banken vor Ort.

Klar ist, dass die beiden Co-Chefs zwei Herausforderungen rasch angehen müssen. Erstens soll die DZ Bank mehr zum Ergebnis der Gruppe beisteuern. Der satte Gewinn von 1,8 Milliarden Euro vor Steuern 2017 stammte nämlich überwiegend von den Töchtern wie der Fondsgesellschaft Union Investment und dem Versicherer R+V.

Zweitens steht eine Entscheidung darüber aus, ob die diversen Geschäftsfelder künftig von einer Holding gesteuert werden sollten. Dabei sei vieles gegeneinander abzuwägen, so Riese, „nicht zuletzt voraussichtliche Kosten von rund 300 Millionen Euro“.

Große Reibereien zwischen den beiden erwarten Insider nicht. Und für viele in der Gruppe ist klar, dass Riese in ein paar Jahren allein übernimmt. „Riese kann in der Rolle des Co-CEO weiter an Profil gewinnen“, sagt ein Insider. „Er muss sich in den kommenden Jahren das Vertrauen der gesamten Gruppe erarbeiten, damit in ein paar Jahren dann alle grünes Licht geben, dass er die Bank künftig allein führen kann.“

Riese selbst hat „null Zweifel“, dass die Doppelspitze funktioniert. Er freue sich auf den „gemeinsamen Weg“, der mehrere Jahre dauern werde. Zu dem, was darüber hinausgeht, hält er sich bedeckt: Alles Weitere sei zu gegebener Zeit eine Angelegenheit des Aufsichtsrats.

Große Sprüche sind eben nicht seine Sache.

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