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CFO des Monats Stephan Engels – Der Ex-Daimler-Manager richtet die Commerzbank neu aus

Ursprünglich wollte Stephan Engels nicht für ein Finanzinstitut arbeiten. Heute spielt er eine Schlüsselrolle beim Umbau der Commerzbank.
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Er muss 9600 Vollzeitstellen abbauen. Quelle: Bloomberg
Commerzbanker Engels

Er muss 9600 Vollzeitstellen abbauen.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtDass Stephan Engels einen Großteil seiner Karriere nicht in Geldhäusern verbracht hat, sieht man in seinem Büro im 48. Stock des Commerzbank-Hochhauses in Frankfurt sofort. Auf dem Fenstersims befindet sich ein eindrucksvoller Fuhrpark aus Miniaturmodellen: Flugzeuge, ein Lkw und natürlich auch mehrere Autos.

Schon als Kind spielte Engels gerne mit Matchbox-Autos. Später machte er sein Hobby quasi zum Beruf. Fast 25 Jahre hat er für den Autohersteller Daimler gearbeitet, bevor er 2012 zur Commerzbank wechselte. „Dass ich am Ende bei einer Bank lande, war nach meinem Studium nicht absehbar“, sagt der 56-Jährige heute.

Bei der Commerzbank hat Engels einen der anspruchsvollsten Jobs in der deutschen Bankenbranche. Er muss den Umbau des Instituts vorantreiben und 9600 Vollzeitstellen abbauen. Er muss das Geldhaus profitabler machen. Und er muss mit dem Vorstand eines Tages möglicherweise darüber entscheiden, ob sich die Commerzbank mit einem größeren Konkurrenten zusammenschließt.

Bereits im Sommer 2016 haben Engels und Vorstandschef Martin Zielke eine Fusion mit der Deutschen Bank ausgelotet. Entsprechende Überlegungen wurden allerdings fürs Erste verworfen. Auch der italienischen Großbank Unicredit sowie BNP Paribas und Crédit Agricole aus Frankreich wird Interesse an der zweitgrößten deutschen Privatbank nachgesagt. Doch Engels dämpft die Erwartungen. Die Konsolidierung „wird kommen, aber sehr viel langsamer, als im Moment alle erwarten“, sagte er im Februar. Denn für große Bankfusionen gebe es in Europa nach wie vor hohe Hürden.

Stephan Engels ist Sohn eines Bankers und früh entschlossen, beruflich auch etwas mit Finanzen zu machen. Doch in eine Bank zieht es den gebürtigen Hamburger im Gegensatz zu seinem Vater nicht. Nach dem Studium der Finanz- und Betriebswirtschaft in St. Gallen fängt er 1988 in der Konzernrevision von Daimler an.

Vorstandschef Edzard Reuter ist damals dabei, den Konzern zu einem Technologie-Konglomerat auszubauen. Und Engels, gerade Mitte 20, ist mittendrin. „Ich hatte schon immer ein Faible für Autos und Industrie“, sagt der Manager. „Ich wollte Prozesse wie ein Ingenieur zerlegen und verstehen. Das ist auch für den Job als Controller hilfreich.“ Ab 1993 arbeitet Engels für Daimler-Töchter in Stuttgart, den Niederlanden und Berlin. 2007 übernimmt er die Leitung des Konzerncontrollings.

Engels interessiert sich seit jeher für Details. Als er in den Aufsichtsrat der Lkw-Leasingsparte Charter Way einzieht, macht er den Lkw-Führerschein, um besser mitreden zu können. Als es später Probleme bei der Einführung des Mautsystems Toll Collect gibt, kurvt Engels mit einem Lkw durchs Berliner Umland, um die Mängel selbst in Augenschein zu nehmen. Auch daheim fährt der Vater von zwei Söhnen damals hin und wieder mit einem Lastzug vor.

Dass Engels Daimler 2012 verlässt, liegt maßgeblich an Martin Blessing. Der damalige Vorstandschef der Commerzbank hat mit Engels zusammen in St. Gallen studiert. Auch danach sind beide in Kontakt geblieben. Hinzu kommt, dass der Posten des Finanzvorstands bei Daimler auf Jahre vergeben ist – an Bodo Uebber.

„Ich hätte bei Daimler alt werden können“, sagt Engels. Aber am Ende überwog die Lust auf etwas Neues. „Die Herausforderung bei der Commerzbank war spannend, und auch die Kultur im Unternehmen hat mir zugesagt.“ Bei Daimler wie bei der Commerzbank habe das Management in turbulenten Zeiten zusammengehalten. „Persönliche Egoismen stehen hier nicht im Vordergrund.“

Bei der Commerzbank baut Engels Altlasten wie faule Schiffskredite ab und stärkt den Kapitalpuffer. Zudem strafft er Prozesse und treibt Outsourcing voran – beides ist in der Industrie im Gegensatz zum Banking seit Langem üblich. „Sie brauchen auch in der Bankenbranche industrialisierte Prozesse, sonst ersticken Sie in der Vielfalt“, sagt Engels.

Bodenständig und offen

Finanzexperten sind mit seiner Arbeit und der Kommunikation zufrieden. „Viele Topmanager sind fachlich gut, aber im persönlichen Umgang schwierig“, berichtet UBS-Analyst Daniele Brupbacher. Engels dagegen sei bodenständig und zugänglich. „Er ist offen für Kritik und andere Meinungen. Es gibt keine Einweg-Bombardierung von Analysten und Investoren nach dem Motto: ‚Ich erkläre dir die Welt, und du hörst jetzt mal zu.‘“

Engels arbeite sehr strukturiert, habe aber auch ein Händchen für Menschen, sagt Margarete Haase. Die ehemalige Finanzchefin des Motorenbauers Deutz arbeitete viele Jahre mit Engels bei Daimler zusammen. „Er hat einen feinen Humor – ironisch, aber ohne jemanden zu verletzen“, erzählt Haase. „Damit kann er Gespräche auflockern, was gerade in schwierigen Situationen hilfreich ist.“

Einige Beobachter kritisieren jedoch, dass es der Commerzbank auch unter Engels nicht gelingt, ihre Prognosen zu erfüllen. Von den für 2016 ausgegebenen Zielen hat das Institut unter anderem die anvisierte Eigenkapitalrendite von über zehn Prozent verfehlt. Und viele Investoren haben auch Zweifel, ob die Bank ihre Erträge bis 2020 wie angepeilt auf mehr als 9,8 Milliarden Euro steigern kann. „Engels müsste härter sein“, findet ein Commerzbank-Manager. „Er müsste auf den Tisch hauen und seinen Vorstandskollegen sagen: ‚Eure Wachstumsziele sind unrealistisch.‘“

Engels sieht das anders. „Ambitionierte Ziele sind wichtig, um Veränderungen auszulösen und zu zeigen, wo die Bank hinkommen möchte“, sagt er. Zudem habe das Institut wesentliche Ziele für 2016 trotz veränderter Rahmenbedingungen erreicht. „Zu unserem Ertragsziel für 2020 stehen wir“, betont der Finanzchef. „Wenn die Gefahr besteht, ein Ziel zu verfehlen, muss man kämpfen und gegebenenfalls nachschärfen.“

Analysten finden den Kurs nachvollziehbar. „Bei den Zielen für 2020 ist die Commerzbank in vielen Bereichen auf dem richtigen Weg, nur die Erträge gehen einfach nicht hoch“, sagt Analyst Brupbacher. „Engels deshalb Naivität oder eine Irreführung von Investoren vorzuwerfen wäre aber übertrieben.“ Er genieße am Markt einen guten Ruf.

Das bestätigt auch Till Hufnagel vom Investor Petrus Advisers, der mit der Commerzbank seit Langem über den Umgang mit der Onlinetochter Comdirect streitet. Engels habe sich nie um Treffen mit Petrus gedrückt und frühzeitig das Gespräch gesucht. Dabei sei er offen und nicht arrogant aufgetreten, sagt Hufnagel. „Mit ihm könnte man wahrscheinlich gut ein Bier trinken gehen, auch wenn wir das natürlich nicht getan haben.“ Mitarbeit: Yasmin Osman

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