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Chef der österreichischen Oberbank „Griechenland darf sich nicht wiederholen“

Der CEO der österreichischen Oberbank glaubt, dass der Kapitalmarkt Italien disziplinieren muss – nicht etwa Brüssel. Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein.
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Der CEO der österreichischen Oberbank glaubt, dass der Druck der Ratingagenturen auf Italien bald zunehmen wird. Quelle: Reuters
Franz Gasselsberger

Der CEO der österreichischen Oberbank glaubt, dass der Druck der Ratingagenturen auf Italien bald zunehmen wird.

(Foto: Reuters)

Wien „Das Thema Italien ist sehr ernst“, sagte Franz Gasselsberger, langjähriger CEO der österreichischen Oberbank, mit Blick auf die marode Finanzlage und den Streit über den Haushalt des hochverschuldeten Landes. Die auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte Oberbank setze hier auf die Kraft des Finanzmarktes.

„Ich glaube, dass Italien nur über den Kapitalmarkt diszipliniert werden kann – und nicht über Brüssel“, so Gasselsberger. „Die Risikoaufschläge in Italien steigen. Der Druck der Ratingagenturen wird zunehmen.“ Der Oberbank-Chef plädierte dafür, den italienischen Banken besondere Aufmerksamkeit zu schenken. „Schließlich werden 400 Milliarden Euro an Staatsanleihen im nächsten Jahr fällig“, so Gasselsberger. „In einer Seilschaft bestimmt der Schwächste die Geschwindigkeit – und das ist Italien.“

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte zuletzt angesichts der hohen Staatsverschuldung und der expansiven Haushaltspolitik der politischen Regierung in Italien zwar die Bonität bei „BBB“ beibehalten. Allerdings drohte die amerikanische Ratingagentur mit einer Herabstufung. Der Ausblick für die drittgrößte Volkswirtschaft in der EU wurde von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt.

Anfang November werden sich die Euro-Gruppe und der EU-Finanzministerrat mit Italien befassen. Auch der österreichische Finanzminister Hartwig Löger setzt auf die Macht des Finanzmarktes. „Der Druck der Finanzmärkte auf Italien wächst. Anscheinend ist das notwendig, damit in Rom wieder Vernunft einkehrt“, sagte Löger dem Handelsblatt. „Wir sind uns absolut einig, dass Regeln eingehalten werden müssen und dass übermäßiges Schuldenmachen in Europa ein Ende haben muss“, sagte er. Dabei sei egal, ob es sich um große oder kleine Länder handele. „Griechenland darf sich nicht wiederholen.“

Gasselsberger warnt vor überhitzter Konjunktur in Österreich

Oberbank-Chef Gasselsberger warnt außerdem vor einer möglichen Überhitzung der Konjunktur in Österreich. „Wir sind zweifellos auf dem Höhepunkt der Konjunktur angelangt“, sagte er. „Die Kreditnachfrage ist enorm hoch. Im ersten Halbjahr war sie bei Oberbank dreimal so hoch wie im Marktdurchschnitt.“

Mittlerweile seien Fachkräfte über alle Branchen in dem Alpenland Mangelware. „Alle Unternehmer leiden unter der Überbeschäftigung“, konstatierte der CEO. Von der Europäischen Zentralbank wünscht er sich eine baldige Zinserhöhung. Dass es bis Ende 2019 oder Anfang 2020 keine Zinserhöhung geben werde, finde er bedauerlich.

Von der österreichischen Regierung fordert Gasselsberger ein höheres Reformtempo. „Wir brauchen eine nachhaltige Sanierung des Staatshaushaltes über eine umfassende Rentenreform. An dieses Thema wagt sich die Regierung in dieser Legislaturperiode nicht heran“, verlangt er.

Die konservativ-rechtspopulistische Regierung in Wien hat sich zum Ziel gesetzt, die Staatsverschuldung Österreichs auf unter 60 Prozent zu drücken. Das ist ein klares Ziel. „2019 werden wir dank der Einsparungen im System den ersten administrativen Überschuss seit 1954 erzielen. Bis zum Ende des Jahres 2022 werden wir die Staatsverschuldung in Richtung 60 Prozent bringen“, versprach Finanzminister Löger. „Wir sind bereits auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen. Es ist eine Pflichtübung.“

Die Oberbank ist neben ihrem Heimatmarkt Österreich in Deutschland und osteuropäischen Nachbarländern präsent. In Deutschland wird die in Linz ansässige Bank ihren Expansionskurs beschleunigen. „Wir wollen in Deutschland stark wachsen, vor allem in Sachsen, Baden-Württemberg und Hessen“, sagte Gasselsberger.

In Deutschland sollen mehr Filialen entstehen

„Wir werden die Zahl unserer Filialen in Deutschland von derzeit 28 auf 44 bis Ende des nächsten Jahres erhöhen. Unsere Expansion ist eine logische Konsequenz unserer guten Erfahrungen in Deutschland.“ Die Mittelstandsbank setzt auf ein personalintensives Beratungsgeschäft vor Ort. Neue Mitarbeiter einzustellen fällt den Österreichern nach eigener Aussage nicht schwer.

„Wir tun uns leicht, in Baden-Württemberg und Sachsen Personal zu finden“, sagte Gasselsberger. „Die Gefahr liegt darin, dass wir es nicht schaffen, die Kultur der Oberbank bei den Beschäftigten zu implementieren.“ Die Österreicher legen nach eigenen Angaben großen Wert auf ihre Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit als börsennotierte Bank. Die Bilanzsumme der Oberbank lag im vergangenen Jahr bei knapp 21 Milliarden Euro – bei einem Überschuss nach Steuern von 201 Millionen Euro.

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