Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Andrea Orcel

Der Wechsel zu Santander scheitert am Geld.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Chefwechsel geplatzt Warum Andrea Orcel nun doch nicht den Chefposten bei Santander antritt

Der Investmentbanking-Star wird doch nicht Vorstandsvorsitzender von Santander. Den Spaniern sind seine Gehaltsansprüche zu hoch.
Kommentieren

Madrid, Zürich Andrea Orcel und Ana Botín kennen sich lange und gut – aber wohl nicht gut genug. Der langjährige UBS-Investmentbanker hatte die Santander-Chefin Botín ebenso wie ihren Vater Emilio in den vergangenen Jahren bei allen wichtigen Deals der Bank beraten. Doch just dieses Vertrauen bringt Orcel nun in die Bredouille: Offenbar hat er bei der UBS gekündigt, ohne vorher mit seinem geplanten neuen Arbeitgeber Santander alle Details des Wechsels wasserdicht fixiert zu haben.

Der Deal zerbricht nun an einem Streit darüber, wer Orcel die ausstehenden Boni zahlt, die er bei der UBS in siebenjähriger Tätigkeit angesammelt hat. Dabei sah Ende September noch alles nach einem großen Wurf für die Spanier aus: Sie verkündeten, dass der angesehene Investmentbanker Orcel neuer Vorstandschef von Santander werde. Der Italiener wäre damit die Nummer zwei hinter Santander-Verwaltungsratschefin Ana Botín gewesen, die auch exekutive Funktionen ausübt.

Doch am Dienstagabend erklärte die Bank überraschend, daraus werde nichts. Denn man sei sich nicht einig geworden in einem Streit um Zahlungen für Boni, die Orcel aus seiner Zeit bei der UBS zustehen. Laut Santander hat der Verwaltungsrat im September zwar das Gehalt von Orcel genehmigt, das mit dem des bisherigen CEOs von Santander, José Antonio Álvarez, vergleichbar gewesen sei. Álvarez hat 2017 8,9 Millionen Euro inklusive Aktien und Pensionszahlungen verdient.

Aber: „Es war nicht möglich, im Voraus die endgültigen Kosten für den Anteil des Konzerns an der Entschädigung von Herrn Orcel für die Vergütungen zu bestimmen, die ihm sein früherer Arbeitgeber gewährt hat“, heißt es in der Mitteilung der Spanier. Gemeint sind vor allem Aktienanwartschaften – also das Recht, in Zukunft Aktien der Bank zu erhalten.

Das aufgeschobene Gehalt soll dafür sorgen, dass die Manager langfristig handeln, statt kurzfristig ihre Vergütung zu maximieren. Orcel soll eine künftige Vergütung von 40 bis 50 Millionen Franken zugestanden haben – für Santander viel zu viel. Die UBS ist sich keiner Schuld bewusst: „Dies ist eine Sache zwischen Andrea Orcel und Santander“, sagte ein Sprecher.

Die Darstellung von Santander, sie habe Orcels Vergütung im September noch nicht genau taxieren können, weisen die Schweizer zurück: „Wir haben in diesem Fall die relevanten Vergütungsregelungen angewandt und diese auch allen Parteien transparent gemacht bevor irgendwelche Entscheidungen getroffen worden waren.“

Ein Spitzenverdiener

Dass Orcel bei der UBS viele Millionen an Ansprüchen angehäuft hatte, muss Santander klar gewesen sein: Der Italiener zählte zu den Topverdienern unter den europäischen Bankmanagern und war offenbar nicht bereit, auf Teile seiner UBS-Boni zu verzichten. Schon kurz vor Ausbruch der Finanzkrise machte Orcel bei seinem damaligen Arbeitgeber Merrill Lynch mit einem Rekordsalär von rund 30 Millionen Euro von sich reden – als die Bank bereits tiefrote Zahlen schrieb.

Auch die UBS bezahlte 2012 die für Schweizer Verhältnisse rekordverdächtige Ablöse von 25 Millionen Franken für den Italiener. Im Jahr 2013 hat Orcel mit 11,4 Millionen Franken sogar mehr verdient als UBS-Chef Sergio Ermotti. In Santander-Kreisen heißt es aber, Botín habe darauf gesetzt, dass die UBS sich die ausstehenden Kosten mit Santander teile.

Das habe die Bank bei anderen Wechseln so gehandhabt. Botín sei davon ausgegangen, dass Santander kein Rivale, sondern ein Kunde von UBS sei und die Schweizer sich deshalb entgegenkommend zeigen würden. Doch nach Handelsblatt-Informationen bewegten sich UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber und seine Leute in der Frage um keinen Millimeter. Der UBS ging es ums Prinzip. Für die Bank stand offenbar nie zur Debatte, für den Abgang des Managers mehr als vorgeschrieben zu bezahlen.

„Das würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen“, heißt es in Finanzkreisen. Schließlich hätte Weber seinen Aktionären sonst erklären müssen, wieso er Millionen für einen scheidenden Manager zahlt, ohne dazu verpflichtet zu sein.

Genauso argumentiert aber auch Botín: „Santander ist eine Privat- und Geschäftsbank mit erheblicher Verantwortung gegenüber den Gesellschaften, in denen wir aktiv sind. Mit dieser Entscheidung mussten wir zwischen dem Respekt gegenüber allen Stakeholdern (…) und den sehr erheblichen Kosten für eine Person abwägen, auch wenn es eine so talentierte ist wie Andrea.“

Hintergrund der Hartleibigkeit auf beiden Seiten ist die seit der Finanzkrise deutlich gestiegene öffentliche Kritik an den hohen Bankerboni. Gerade in Spanien sind die Banken in der öffentlichen Debatte ein beliebter Sündenbock. In der Krise seien lediglich die Banken mit dem Geld der Europäischen Union gerettet worden, während der gemeine Spanier darben musste, ist eine weitverbreitete Meinung. Vor diesem Hintergrund scheut Santander vor den hohen Zahlungen an Orcel zurück.

Offensichtlich hat ausgerechnet der ausgewiesene Dealmaker Orcel seinen eigenen Wechsel nicht wasserdicht geregelt. In Finanzkreisen sorgt das für Verwunderung und nährt Spekulationen, dass das Geld womöglich nicht der einzige Grund für das Zerwürfnis ist. Orcel war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für den 55-Jährigen ist die Lage mehr als misslich. Bei der UBS hat er gekündigt, und er kann wohl auch nicht zurück – die Investmentbank wird inzwischen von den beiden Managern Piero Novelli und Robert Karofsky geführt. Bei der Schweizer Großbank war Orcel lange als potenzieller Nachfolger von Bankchef Sergio Ermotti gehandelt worden. In einem Interview sagte er offen, dass er eines Tages am liebsten die Führung der UBS übernehmen würde.

Nicht nur deshalb überraschte der Investmentbanker mit seinem geplanten Wechsel zu Santander. Schließlich setzt die spanische Bank vor allem auf das Geschäft mit Privatkunden. Santander sucht sich nun keinen neuen CEO mehr. Der bisherige Amtsinhaber José Antonio ‧Álvarez behält den Posten ebenso wie die Stelle des Vizepräsidenten, die ihm Santander bei der Ernennung von Orcel zugesichert hatte.

Álvarez sollte Chef des Spaniengeschäfts werden, weil der aktuelle Spanienchef in Ruhestand geht. Santander sucht nun für den Heimatmarkt einen neuen Leiter. „Für das Unternehmensimage von Santander ist das nicht gut“, sagt Manuel Romera, der an der IE Business School Finanzmanagement lehrt und Santander sehr gut kennt.

„Álvarez bleibt jetzt CEO, obwohl klar ist, dass Botín Orcel für den Posten wollte.“ Zudem fehle Orcel der Santander-Chefin nun als Vertrauter und Ratgeber. Es ist ein Deal, der auf beiden Seiten Verlierer schafft.

Startseite

Mehr zu: Chefwechsel geplatzt - Warum Andrea Orcel nun doch nicht den Chefposten bei Santander antritt

0 Kommentare zu "Chefwechsel geplatzt: Warum Andrea Orcel nun doch nicht den Chefposten bei Santander antritt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote