Christian Bittar und Euribor Ex-Händler der Deutschen Bank ab Herbst 2017 vor Gericht

Christian Bittar, der frühere Star-Händler der Deutschen Bank, muss sich ab Herbst 2017 vor Gericht verantworten. Zunächst musste er eine Kaution von 1,3 Millionen Euro zahlen, um der Untersuchungshaft zu entgehen.
Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Quelle: Reuters
Christian Bittar vor dem Westminster Magistrates' Court in London

Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte.

(Foto: Reuters)

LondonEin früherer Star-Händler der Deutschen Bank und fünf weitere Investmentbanker müssen sich ab Herbst nächsten Jahres wegen eines Skandals um manipulierte Zinsen vor einem Londoner Gericht verantworten. Es ist weltweit das erste Verfahren, in dem es um den europäischen Referenzzinssatz Euribor geht.

Der Richter am Southwark Crown Court setzte am Mittwoch den Prozessbeginn auf den 4. September 2017 fest, die Verhandlung dürfte sich über drei Monate hinziehen. Fünf weitere Investmentbanker - darunter vier Deutsche -, die einer Anhörung vor dem Richter am Montag überraschend ferngeblieben waren, müssen nach Auffassung von Rechtsexperten nun mit einem europäischen Haftbefehl rechnen.

Angestrengt hatte die Ermittlungen das für Wirtschaftskriminalität zuständige Serious Fraud Office (SFO), das als unabhängige Abteilung der britischen Regierung nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt ist. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Die Banker sollen von 2005 bis 2009 zum eigenen Vorteil am Euribor - dem kleinen Bruder des Libor - geschraubt haben. Von derartigen Interbanken-Zinssätzen hängen Geschäfte und Verträge im dreistelligen Billionen-Volumen ab. Die sechs Angeklagten sind gegen Kaution auf freiem Fuß.

Der prominenteste unter ihnen ist Christian Bittar. Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Der Derivate-Spezialist, der heute in Singapur lebt, war 2011 entlassen worden. Er musste nun eine Kaution von einer Million Pfund (1,3 Millionen Euro) zahlen, um nicht in Untersuchungshaft zu müssen. Seine Anwälte haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Ein weiterer der sechs Angeklagten ist noch bei der Deutschen Bank angestellt, die übrigen vier waren Händler beim britischen Bankhaus Barclays. Auch Händler von Societe Generale und anderen Instituten sollen bei den Manipulationen dabei gewesen sein.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Wie es mit den fünf Bankern weitergeht, die am Montag nicht vor Gericht erschienen waren, darüber soll die britische Wirtschaftskriminalitätsbehörde SFO am 18. März Auskunft geben. Ein Anwalt eines Banker betonte, sie hätten das Recht gehabt, der Anhörung fernzubleiben. Experten erwarten, dass die Ermittlungsbehörde sie mit einem Auslieferungsantrag zu einer Einreise nach Großbritannien zwingen will.

Die Deutsche Bank hatte wegen der Manipulation des Euribor 2,5 Milliarden Dollar gezahlt. Insgesamt haben Banken weltweit rund neun Milliarden Dollar gezahlt, um die Verfahren wegen Zinsmanipulationen gegen sie beizulegen. Gleichzeitig laufen Prozesse gegen 30 Einzelpersonen. Zuletzt stand in London Tom Hayes, ein ehemaliger Händler von Citi und UBS, wegen Libor-Tricksereien vor Gericht und wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

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