Christian Sewing beim Banken-Gipfel Deutsche-Bank-Chef Sewing kündigt Umbruch an, der „alles in den Schatten stellen“ wird

Vor großen Tönen schreckt Christian Sewing beim Banken-Gipfel nicht zurück. Der Deutsche-Bank-Chef will global denken – wenn die Geopolitik kurzfristig nicht zum Problem wird.
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Die Rede des Deutsche-Bank-Chefs im Video

DüsseldorfTief verwurzelt im Heimatmarkt – und zugleich mit großen globalen Ambitionen: zwei Aspekte, die sich für Christian Sewing gegenseitig ergänzen. „Ohne einen starken Heimatmarkt könne man international nicht erfolgreich sein“, sagte der Chef der Deutschen Bank auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts. Deutlich bekräftigt er, der globale Anspruch werde „unter meiner Führung nicht zur Debatte stehen“.

Seit fünf Monaten ist Sewing nun Vorstandschef der Deutschen Bank. Misstrauische Aktionäre, mickrige Gewinne, verunsicherte Kunden: Das düstere Bild, das Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe zu Beginn des 23. Branchentreffens des Handelsblatts zeichnet, trifft auch auf seine Bank zu.

Sewing scheint hochmotiviert, all diese Herausforderungen anzugehen. Er will, dass die Deutsche Bank im harten Wettbewerb zentraler Dienstleister ist in allen Fragen, die im Ansatz mit Finanzen zu tun haben.

„Jetzt gerade entstehen die Marktführer der Zukunft. Und wer da das Rennen macht, ist noch lange nicht entschieden“. Auch vor großen Tönen schreckt er nicht zurück: Der Umbruch der Bank in den kommenden zehn Jahren werde „alles in den Schatten stellen, was wir erlebt haben“.

Offen bleibt, wie dieser Umbruch letztlich aussehen soll. Immer wieder spricht Sewing davon, dass die Deutsche Bank eine „Plattform“ für Finanzangelegenheiten sein solle. Alles, was eben im weitesten Sinne mit einer Bank zu tun hat, müsse diese Plattform bieten. Zwar wurde er nicht konkreter in diesen Fragen, doch deutlich wird: Die Deutsche Bank will agieren und nicht reagieren.

Sewing bemüht sich um einen ansehnlichen Vergleich aus dem Einzelhandel. Die Bank wolle kein „austauschbarer Anbieter von Finanzprodukten“ in einem digitalen Supermarkt sein, bekräftigt er. Dann sei nämlich die Gefahr groß, aus dem Sortiment zu fliegen. Vielmehr will die Deutsche Bank zu denjenigen Playern gehören, „die das Regal gestalten“.

Wer das nicht tue, bleibe im Konkurrenzkampf auf der Strecke. Zumal auch die regulatorischen Herausforderungen in dieser Branche immer größer werden. Sewing blickt voraus: „Der Konsolidierungsdruck in Europa wird noch erheblich zunehmen.“ Der europäische Bankensektor müsse nicht groß, sondern stark sein, um auch geopolitische Risiken auszuhalten.

Risiken auf politischer Ebene

Auch hier wählt der 48-Jährige deutliche Worte. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA, der Zollstreit zwischen den USA und Europa, die hohe Verschuldung mancher Länder der Euro-Zone: Das Potenzial für nachhaltige Makro-Schocks sei groß, und ebenso groß sei die Befürchtung, dass sie auch die Finanzmärkte länger belasten werden. Die Unsicherheit sei gestiegen, sagte Sewing, und größere Schwankungen an den Märkten deshalb wahrscheinlicher.

Dazu kommt die Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei. Lange sei nicht mehr über eine Ansteckungsgefahr für andere Länder gesprochen worden, erklärt Sewing – jetzt schon. „Die instabile Lage in der Türkei führt wiederum zu neuen Fragezeichen hinsichtlich der Stabilität anderer Schwellenländer – von Argentinien über Südafrika bis Indonesien“, sagt er. „Ich wage die These, dass bald die Zeit großer IWF-Programme zurückkehren könnte.“

„Christian Sewings Ehrlichkeit ist überraschend"

Sewing zeigt sich nicht nur motiviert, sondern auch kämpferisch. Vor diesem politischen Hintergrund sei es schließlich wichtig, dass die Deutsche Bank ihre Kunden in ihrem globalen Geschäft begleite – und dieses Feld eben nicht den amerikanischen Konkurrenten kampflos überlasse. „Diese globale Aufstellung, davon bin ich zutiefst überzeugt, ist heute für unsere Volkswirtschaft so wichtig wie seit dem Fall der Mauer nicht mehr“, bekräftigte er.

Viele Altlasten der Bank, allen voran Rechtsstreitigkeiten, sind beseitigt. Nun geht es darum, dass Deutschlands größtes Geldhaus nach drei Verlustjahren in Folge wieder profitabel arbeitet. Erstmals nach langer Zeit hat die Bank also wieder mehr Gestaltungsfreiheit – und Sewing ist voller Tatendrang, diese auch zu nutzen. Er wolle „Quartal für Quartal diszipliniert arbeiten“ und „deutliche Fortschritte“ in den kommenden zwölf bis 18 Monaten erzielen.

Sein Vorgänger John Cryan schied im April aus dem Amt, weil man ihm das nicht zutraute.

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1 Kommentar zu "Christian Sewing beim Banken-Gipfel: Deutsche-Bank-Chef Sewing kündigt Umbruch an, der „alles in den Schatten stellen“ wird"

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  • endlich einmal eine Ankündigung von Aktionen und nicht nur Konsolidierungen.
    Good Luck !

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