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Christian Sewing im Interview „Wir müssen deutliche Fortschritte zeigen“

Der Chef der Deutschen Bank erklärt, wie er das Frankfurter Geldhaus in eine bessere Zukunft führen will. Und warum er keinen Tech-Experten im Vorstand braucht.
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Klare Worte: Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) spricht mit Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Banken-Gipfel 2018

Klare Worte: Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) spricht mit Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtKonzentriert, bodenständig und selbstkritisch, so beschreiben Gäste des Banken-Gipfels den Auftritt von Christian Sewing. Eine seiner wichtigsten Aufgaben: dem Institut trotz Dauerkrise seinen Stolz zurückzugeben.

Herr Sewing, wenn Sie die Chance hätten, eine Bank von Grund auf neu aufzubauen, wie würde die aussehen?
Die grundsätzliche Ausrichtung wäre gar nicht so anders. Deutschland braucht eine große Bank, die auf vielen Geschäftsfeldern kompetent ist und international ausgerichtet ist. Aber natürlich würden wir, wenn wir auf der grünen Wiese von vorne anfangen könnten, gerne mit einer weniger komplexen Bank und moderneren Systemen an den Start gehen. Aber genau daran arbeiten wir jetzt auch.

Heißt das, dass Sie sich in einer idealen Welt gerne von Ihrer jetzigen IT-Struktur verabschieden würden, weil die alten Systeme Sie daran hindern, die Digitalisierung entschlossener anzugehen?
Auch da muss man differenzieren. Bei aller Modernisierung und Digitalisierung ist erst einmal eines wichtig: Unsere Systeme sind absolut verlässlich. Das hat Priorität. Aber natürlich arbeiten wir daran, unsere IT schneller und effizienter zu machen.

Die Deutsche Bank steckt noch immer mitten in der Restrukturierung. Wie wollen Sie Zweifel an Ihrem Fokus auf den digitalen Umbau zerstreuen?
Wir müssen über Quartale hinweg die Ergebnisse liefern, die wir versprochen haben. Im Privatkundengeschäft nutzen elf Millionen Kunden unsere digitalen Angebote. Wir sind in vielen Bereichen weit gekommen, unser Projekt im Zahlungsverkehr für den Verband der Fluggesellschaften IATA ist zum Beispiel sehr vielversprechend.

Wenn wir jetzt Quartal für Quartal daran arbeiten, unsere Ziele zu erreichen, wird sich die Bewertung unserer Bank sehr schnell ändern. Im zweiten Quartal haben wir hier schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gezeigt.

Viele Konzerne haben einen Digital-Experten im Vorstand, die Deutsche Bank nicht, warum?
Wir haben mit Unternehmens- und Investmentbanking, einschließlich unserer Transaktionsbank, der Privat- und Firmenkundenbank und der Vermögensverwaltung sehr verschiedene Bereiche. Ein einziger Digitalchef könnte das gar nicht abdecken. Deshalb sitzen unsere Experten fürs Digitale in den einzelnen Geschäftsbereichen, und wir fühlen uns damit gut aufgestellt.

Wie schwierig ist es eigentlich, Fachkräfte für den digitalen Umbau zu gewinnen? Ist der Markt nicht leer gefegt?
Natürlich ist das in bestimmten Segmenten schwieriger als noch vor zehn Jahren. Aber genau deshalb arbeiten wir mit Fintechs zusammen. Viele sehen diese jungen Finanzfirmen als Gegner der Banken, ich denke, sie sind eher Partner, wir haben mehr „Fin“ zu bieten, die Start-ups mehr „Tech“. Das passt aus unserer Sicht sehr gut zusammen. Abgesehen davon sind Banken aber noch immer ein sehr attraktiver Arbeitgeber.

Der Zahlungsverkehrsdienstleister Wirecard wächst enorm schnell und steht vor dem Aufstieg in den Dax. Haben Sie selbst in Aktien des Unternehmens investiert?
Sie werden verstehen, dass ich über mein persönliches Depot nicht so gerne spreche. Wirecard hat aber sicher eine beeindruckende Entwicklung hinter sich. Allerdings lässt sich das Unternehmen nur schwer mit einer Großbank vergleichen. Wir bieten ein ganz anderes Spektrum an Dienstleistungen.

Amazon ließ sich auch nicht unbedingt mit dem Ottoversand vergleichen. Hat das Geschäftsmodell von Wirecard Ihrer Ansicht nach Zukunft?
Das Unternehmen hat sich auf ganz bestimmte Bereiche des Zahlungsverkehrs spezialisiert, die für uns zum Teil auch aus regulatorischen Gründen nicht infrage kommen. Man kann deshalb daraus nicht ableiten, dass Wirecard der nächste große Angreifer im Bankgeschäft sein wird.

Ihr Vorgänger John Cryan saß im vergangenen Jahr auf dieser Bühne und hat prophezeit, dass die Digitalisierung die Hälfte der heutigen Jobs im Bankgeschäft kosten wird. Hatte er recht?
Wir haben klar gesagt, dass die Digitalisierung die Branche grundlegend verändern wird. Das heißt, dass die Banken das gleiche Geschäft mit weniger Mitarbeitern betreiben können. Aber das ist keine Einbahnstraße. Schauen Sie sich doch einmal unsere Digitalfabrik an. Vor drei Jahren gab es dort noch keine Arbeitsplätze, heute sind es mehr als 800. Die Digitalisierung schafft auch neue Arbeitsplätze, die es vorher so nicht gab.

Sie haben ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm auf den Weg gebracht. Reicht das, um die Bank wieder auf Kurs zu bringen?
Die Maßnahmen, die wir für die nächsten anderthalb Jahre geplant haben, zeigen einen ganz klaren Weg zurück zur Profitabilität. Die Aufräumarbeiten sind zum größten Teil abgeschlossen, die wichtigsten Rechtsrisiken abgearbeitet. Jetzt können wir nach vorne schauen.

Wir müssen die Kosten senken und auf der Ertragsseite widerstandsfähig sein. Allein schon um die Mitarbeiter wieder stolz zu machen, müssen wir nach drei Jahren Verlusten wieder nachhaltig profitabel werden. Wir wissen, dass wir in den nächsten zwölf bis 18 Monaten deutliche Fortschritte zeigen müssen.

Gerade im Investmentbanking kam es in den vergangenen Monaten zu deutlichen Einschnitten. Welche Rolle wird dieses Geschäft in Zukunft noch für die Deutsche Bank spielen?
Eine enorm wichtige Rolle. In den vergangenen fünf Monaten habe ich mit über 200 Kunden gesprochen. Jede Firma, egal ob Familienunternehmen oder Dax-Konzern, egal ob in Deutschland, Europa oder dem Rest der Welt braucht Produkte aus dem Investmentbanking, zum Beispiel zur Absicherung von Zins- und Währungsrisiken.

Es ist an der Zeit, den Begriff Investmentbanking positiver zu besetzen. Aber uns ist auch klar, dass wir nicht in jedem Markt und in jedem Subsegment eine Rolle spielen können. Wir werden unsere Kräfte dort bündeln, wo wir weltweit zu den führenden Banken gehören.

Wie ist nach den jüngsten Umbrüchen eigentlich die Stimmung im Investmentbanking?
Durch die Maßnahmen, die wir ab April ergriffen haben, war die Stimmung sicherlich angespannt. Aber wir haben trotzdem im zweiten Quartal die Erwartungen des Marktes geschlagen, und das hat natürlich für eine Portion Stolz gesorgt.

Stolz ist ein gutes Stichwort. Vor der Krise gehörte die Bank zu den global führenden Banken. Kann das Geldhaus an diese Position zurückkehren?
Es wäre vermessen, den Anspruch zu erheben, den ersten, zweiten oder dritten Platz im weltweiten Banking insgesamt zu erreichen. Dazu sind die strukturellen Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Bankenmarkt zu groß. Aber es gibt Bereiche, zum Beispiel in unserer Transaktionsbank im Devisenhandel oder im Kredithandel, in denen wir zur Weltspitze gehören.

Jürgen Fitschen hat gerade erst eingeräumt, dass der US-Weg zur Bewältigung der Finanzkrise mit umfangreichen Staatshilfen für die Banken vielleicht doch der bessere war. Har er recht damit?
Im Nachhinein ist man immer klüger, und natürlich handelt es sich um eine hypothetische Frage. Aber alles in allem muss man sagen, das haben die Amerikaner gut gemacht und sind schneller aus der Krise gekommen als Europa.

Zuletzt hat ein anderes Thema die Finanzszene und die Politik beschäftigt: Die Entscheidung von Angela Merkel, für Deutschland eher den Posten des Präsidenten der EU-Kommission anzustreben als den des Präsidenten der EZB. Was halten Sie von dieser Wahl?
Zunächst einmal bin ich nicht sicher, ob solch eine Vorentscheidung wirklich gefallen ist. Aber ich glaube, gerade in der aktuellen Lage sollte man den Posten des EZB-Präsidenten nicht unterschätzen. Die Notenbank wird eine enorm wichtige Rolle für die Entwicklung der europäischen Banken und der gesamten Wirtschaft spielen, auch im Wettbewerb mit den USA und Asien. Und ich kenne jemanden, der das ziemlich gut machen würde...

Eine letzte Frage noch aus dem Publikum. Sind Sie glücklich mit Ihrem neuen Job?
Die Rolle als Vorstandschef ist natürlich eine große Herausforderung. Aber für mich ist es eine große Ehre, für dieses Haus zu arbeiten.

Herr Sewing, vielen Dank für das Interview.

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