Bewerten Sie uns Beantworten Sie drei Fragen und helfen Sie uns mit Ihrem Feedback handelsblatt.com zu verbessern. (Dauer ca. eine Minute)
Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Christian Strenger im Interview Corporate-Governance-Experte zu Wirecard: „Die Aussage eines renommierten Prüfers würde helfen“

Nach den Turbulenzen bei Wirecard spricht der Corporate-Governance-Fachmann über gefärbte Aussagen, gefährliche Wachstumsziele und gute Börsenregeln.
Kommentieren
Strenger sieht Parallelen zwischen Wirecard und MLP. Quelle: LAIF
Christian Strenger

Strenger sieht Parallelen zwischen Wirecard und MLP.

(Foto: LAIF)

FrankfurtChristian Strenger zeigt durchaus Verständnis für markante Unternehmertypen wie Wirecard-Chef Markus Braun. Dieser habe den Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München schließlich erst groß gemacht, sagt der frühere Sprecher der Geschäftsführung der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.

Dennoch habe Braun die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens durch sein jüngstes Verhalten mit getrübt, meint der Honorarprofessor und Direktor des Center for Corporate Governance der Privatuniversität HHL Leipzig im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Lesen Sie hier das gesamte Interview

Herr Strenger, gegen Wirecard stehen extreme Vorwürfe – von Bilanzfälschung bis hin zu Korruption und Geldwäsche – im Raum. Und deren Chef Markus Braun wischt das Ganze mit der Aussage zur Seite: „Die Geschichte ist eine Non-Story.“ Kann sich der Vorstandschef eines Dax-Konzerns solche Aussagen leisten? Die Untersuchungen laufen ja noch.

Das ist mutig von Markus Braun. Der Mann ist ein Typ ‚Macher‘ und nicht geschulter Chef einer Dax-30-Gesellschaft, die sich Wirecard ja gerade mal seit rund fünf Monaten nennen darf. Und die Kanzlei Rajah & Tann aus Singapur, die den Fall prüft, ist zwar hier nicht bekannt, gilt aber als renommiert und hat zunächst gesagt, sie habe bis jetzt nichts gefunden. Besser hätte Braun allerdings die genaue Aussage der Kanzlei vorgelesen und nicht leicht gefärbt übersetzt.

Wie ordnen Sie die Strafanzeige gegen unbekannt ein, die der Zahlungsdienstleister gestellt hat?
Das ist eine der bekannten Abwehrmaßnahmen, zu denen Anwälte in solchen Fällen raten. Sie zeigt, dass sich Wirecard recht sicher fühlt.

Was sagt das Verhalten Brauns über Wirecard aus? Ist das Unternehmen mit seiner Größe und dem raschen Aufstieg in den Dax nicht zurechtgekommen?
Schaut man sich den Aufsichtsrat und dessen Aktivitäten an, sieht alles recht vernünftig aus. Unter den sechs Aufsichtsräten gibt es keinen Arbeitnehmervertreter, was bei einem Unternehmen mit vorwiegend internationalen Beschäftigten auch nicht vorgeschrieben ist. Unter den Aufsichtsräten gibt es durchaus Technikexpertise, der Vorsitzende Wulf Matthias ist ein erfahrener Banker. Getroffen hat man sich immerhin zehnmal im Jahr 2017. Ausschüsse gibt es allerdings nicht.

Wie sieht es in Sachen Compliance aus? Ist das Unternehmen vielleicht zu schnell gewachsen, so dass dort noch Nachholbedarf besteht?
Die Vermutung liegt nahe. So steht auf der Homepage Wirecards unter dem Stichpunkt Compliance rein gar nichts. Braun gibt aber an, dass man in Singapur vor Ort tätig sei. Seine derzeitige Compliance-Kompetenz sollte das Unternehmen aber dringend ausführlich darstellen. Eine Vorverurteilung ist nicht angemessen. Allerdings ist ja bereits der zweite negative Bericht erschienen. Da muss sich ein Dax-Unternehmen wappnen und das Thema Compliance aussagekräftig darlegen.

Was raten Sie Wirecard?
Eigentlich darf der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young nichts sagen. Wenn ihn aber der Aufsichtsrat von der Verschwiegenheitspflicht befreite, könnte dargelegt werden, dass sie die Einheit in Singapur und deren Arbeit kennen und die Prüfung des Abschlusses für 2018 ohne Ungereimtheiten weit fortgeschritten sei. Eine Aussage eines renommierten Prüfers würde dem Unternehmen durch die externe Validierung wirklich helfen.

Sehen Sie Parallelen zu MLP, die 2002 einen Ad-hoc-Kurseinbruch von rund 90 Prozent erlebt haben?
Das ist zu weit weg. Aber es zeigt sich eine Parallele im Verhalten der Vorstandschefs: Markus Braun hat wie damals MLP-Chef Bernhard Termühlen recht vollmundig große, langfristige Wachstumsziele ausgerufen. Termühlen kündigte damals an, dass MLP in zehn Jahren größer als die Allianz sei. Diese Art von Erwartungsmanagement sehe ich als einen gefährlichen Weckruf für die Konkurrenz.

Brauchen wir strengere Vorschriften für Dax-Neulinge?
Es gibt andere Kapitalmärkte, wie etwa den britischen, an denen auch die Einhaltung der Governance-Regeln überprüft wird. Die Deutsche Börse macht das zumindest bisher nicht. Wenn allerdings bei Wirecard doch noch Negatives nachgewiesen würde, könnte die Börse in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin dazu kommen, die regelkonforme Einhaltung der Governance als Zulassungskriterium aufzunehmen.

Herr Strenger, vielen Dank für das Gespräch.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Christian Strenger im Interview - Corporate-Governance-Experte zu Wirecard: „Die Aussage eines renommierten Prüfers würde helfen“

0 Kommentare zu "Christian Strenger im Interview: Corporate-Governance-Experte zu Wirecard: „Die Aussage eines renommierten Prüfers würde helfen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%