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Christine Novakovic Ex-Kunsthändlerin wird zur Hoffnungsträgerin der UBS

Christine Novakovic soll das europäische Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS voranbringen. Dabei hatte sie von Banken eigentlich genug.
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UBS: Christine Novakovic neue Europachefin der Schweizer Großbank Quelle: UBS
Christine Novakovic

Die Bankerin aus Südtirol hat sich durchgesetzt.

(Foto: UBS)

Zürich Den Job an den Nagel zu hängen und etwas völlig anderes zu machen – davon träumen viele Menschen. Doch die wenigsten trauen sich. Christine Novakovic hat es gleich zweimal geschafft. Sie war Deutschlands bekannteste Bankerin, bis sie von der Finanzwelt nichts mehr wissen wollte – und sich als Kunsthändlerin selbstständig machte. Zu viel hatte sie an der Branche gestört.

Umso überraschender kam daher Novakovics Entschluss nach der Finanzkrise: Im Jahr 2011 wagte sie ein Comeback in der Bankenwelt.

Seit Februar verantwortet sie jetzt die Vermögensverwaltung der UBS in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika und will dort eine Lektion umsetzen, die sie während ihrer Karriere gelernt hat: „Wenn Sie es als Manager schaffen, dass Ihre Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen, dann sind nicht nur Ihre Mitarbeiter erfolgreich, sondern auch Sie selbst.“

Novakovic, die BWL und Europäisches Wirtschaftsrecht studierte, war früh erfolgreich. Mit 37 – damals hieß sie noch Christine Licci – wurde sie Chefin der Citibank. Die „Wirtschaftswoche“ kürte sie 2003 als erste Frau zum „Manager des Jahres“. Dann wurde sie Vorstand bei der Hypovereinsbank.

Was wie die perfekte Karriere aussah, endete jedoch abrupt: Als die HVB von der italienischen Unicredit geschluckt wurde, war für die Bankerin kein Platz mehr. Novakovic verabschiedete sich aus der Branche – mit harten Worten. Natürlich gebe es auch Vorstände, mit denen sie gerne zusammenarbeite, sagte sie damals. „Aber häufiger sind die anderen, die sich im Job aufbrausend und herrschsüchtig geben, die echte Kotzbrocken sind.“ Das saß.

Novakovic wechselte den Namen, das Land, den Beruf. Sie heiratete, zog in die Schweiz und machte ihre Leidenschaft zum Job, wurde Kunsthändlerin in Zürich. „Ich fühlte mich endlich frei“, sagt sie heute. In ihrem neuen Umfeld fand sich die Bankerin erstaunlich schnell zurecht, erinnert sich der Kunsthändler Claudius Ochsner, für den Novakovic damals gearbeitet hat. „Sie ist wahnsinnig gut organisiert und denkt stets strukturiert. Das gibt es in unserem Metier nur selten“, sagt er.

Dennoch sollte es nur ein Intermezzo werden. 2011 ging Novakovic auf ein Angebot der UBS ein. Sie kehrte zurück in die Finanzwelt. „Das war schade für die Kunst, aber gut für sie“, sagt Kunsthändler Ochsner.

Doch warum machte Novakovic, die vorher auf Banker gescholten hatte, ein Kehrtwende? „Weil sich die Bankenwelt zum Glück verändert hat“, sagt sie heute. Vor der Finanzkrise sei es in den Chefetagen nicht um die Kunden oder den Auftrag der Bank gegangen, sondern nur noch darum, den Rivalen davonzuziehen. „In Meetings wurde immer nur gefragt: Wie können wir die Konkurrenz schlagen? Das fand ich einfach falsch.“

Durch die Finanzkrise habe ein Umdenken stattgefunden. Banken gehe es wieder darum, als Dienstleister für die Kunden zu handeln, sagt Novakovic – und trifft damit den Ton einer Branche, die sich in neuer Bescheidenheit übt.

Auch sie selbst wird bescheidener: In Deutschland war sie Spitzenfrau, in der Schweiz rückt sie zurück ins Glied. Sie reüssiert im Geschäft mit schweizerischen Firmenkunden, übernimmt zudem das inländische Investmentbanking. Ihr neuer Job ist nicht leicht: Anders als in Asien gibt es in ihrem Zuständigkeitsgebiet kaum neue reiche Kunden, die Claims gelten zwischen den Vermögensverwaltern als weitgehend abgesteckt.

Novakovic berichtet an Martin Blessing, den Co-Vorstand für die Vermögensverwaltung. Die beiden kennen sich schon aus Deutschland. „Ich schätze, dass er von seinen Leuten auch mal andere Meinungen einfordert“, sagt Novakovic. „Das fördert den Austausch und ist in seiner Position nicht selbstverständlich.“ So will sie es auch selbst halten. In der Bank nennt man sie „Christl“.

Die 54-Jährige lebt gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Hunden in Zürich; ihre Heimat Südtirol besucht sie aber regelmäßig. „Das hilft mir dabei, zurück auf den Boden der Tatsachen zu kommen“, sagt Novakovic. Dass sie in die Bankenwelt zurückgekehrt ist, hat sie nicht bereut. Im Gegenteil: „Ich kann jedem nur raten, die Komfortzone zu verlassen und mal etwas anderes auszuprobieren“, sagt sie. „Veränderungen muss man als Chance sehen.“

Das kann man als gut gemeinten Karriereratschlag verstehen – oder als Hinweis, Christine Novakovic nicht zu unterschätzen.

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