Christopher Plantener Wie das Fintech Kontist die Haufe Group überzeugte – und warum Dänemark das große Vorbild ist

Der Co-Gründer des Start-ups Kontist entwickelt innovative Finanzlösungen für Selbstständige. Dabei hilft nun die Haufe Group als strategischer Investor.
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Wie das Fintech Kontist die Haufe Group von sich überzeugte Quelle: Kontist
Christopher Plantener

Der Kontist-CEO lebt mit seiner Frau und vier Töchtern in Berlin.

(Foto: Kontist)

FrankfurtZehn Jahre lang hat Christopher Plantener in der Zukunft gelebt – dann zog er wieder nach Deutschland. Wenn der 42-Jährige von Zukunft spricht, meint er Dänemark. „Das Land ist hochgradig technologisch vernetzt, das macht das Leben dort einfacher und den Menschen bleibt viel Bürokratie erspart“, so der Co-Gründer und Geschäftsführer des Finanz-Start-ups Kontist.

Was in Dänemark vor allem im öffentlichen Sektor funktioniert, will Plantener in Deutschland für kleine und mittlere Unternehmen möglich machen. Unterstützung bekommt er dabei jetzt von der Haufe Group. Wie das Handelsblatt von den Firmen vorab erfuhr, hat die Haufe Group im Rahmen einer Serie-A-Investition gemeinsam mit dem bestehenden Investor Founders eine Minderheitsbeteiligung an Kontist erworben.

Haufe vertreibt schwerpunktmäßig kaufmännische Software-Lösungen. Wie viel Geld jetzt in die Kontist-Kasse kommt, will Plantener nicht genau verraten. Es sei jedenfalls „deutlich mehr“ als die fünf Millionen Euro, die das Berliner Fintech zuvor in zwei Seed-Finanzierungsrunden erhalten hatte. Außerdem habe die Haufe Group etwas mehr investiert als Founders.

Am Wochenende war über eine Google-Mail-Adresse und mit Namen der Pressesprecherin von Kontist bereits eine Meldung verbreitet worden, laut der das Start-up zwölf Millionen Euro eingesammelt haben soll. „Die Meldung ist eine dreiste Fälschung, alle Angaben darin sind falsch“, sagt Plantener. Sein Unternehmen habe bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Kontist bietet Geschäftskonten für Selbstständige – ähnlich wie Holvi und Penta. Es zielt damit auf eine Kundengruppe, die von traditionellen Kreditinstituten häufig vernachlässigt wird. Der Grund: Über ihre herkömmlichen Angebote verdienen Banken mit ihnen kaum Geld. Eine eigene Banklizenz hat das Unternehmen nicht, sondern bedient sich dafür bei der Solarisbank. Sie fungiert als Dienstleister.

Eine Besonderheit bei Kontist ist die sogenannte Echtzeit-Steuereinschätzung: Das Konto berechnet automatisch die anteilige Einkommen- und Umsatzsteuer auf Einnahmen und Ausgaben und legt Rücklagen beiseite. „So haben Unternehmer immer einen realistischen Überblick über ihren Finanzstatus, ohne dass sie selbst komplexe Berechnungen anstellen müssen“, sagt Plantener.

Wegen solcher Funktionen hat sich Markus Reithwiesner, Geschäftsführer der Haufe Group, für das Investment entschieden. „Bei unseren eigenen Lösungen nennen wir solche Funktionalitäten Automagic“, sagt er. „Dank quasi magischer Automatisierung können wir kleinen und mittleren Unternehmen viel Arbeit abnehmen.“ Solche Dienstleistungen für Unternehmen will Haufe künftig auf einer digitalen Plattform bündeln. „Kontist ist ein wichtiges Puzzleteil“, so Reithwiesner.

Der Haufe Group-Chef und Plantener kennen sich bereits seit etwa acht Jahren. Als sie sich zum ersten Mal trafen, beriet Plantener gerade das dänische Unternehmen E-Conomic, das ebenfalls Buchhaltungs-Software anbietet. „Unsere Unternehmen verbindet, dass wir unsere Produkte aus der Perspektive der Kunden entwickeln“, so Reithwiesner.

Eine erste Kooperation zwischen der Haufe Group und Kontist gab es schon vor Abschluss des Investments. Bald können Kontist-Kunden ihr Konto mit Lexoffice, der Online-Software aus dem Buchhaltungsportfolio der Haufe Group, verknüpfen. Wichtig ist den beiden Geschäftsführern dabei eine „tiefe Integration“.

„Unsere Kunden sollen möglichst wenig manuell machen müssen“, sagt Plantener und vergleicht mit Dänemark: Für seine beiden Töchter, die in Kopenhagen zu Welt kamen, erhielt er automatisch Kindergeld, weil die Ämter perfekt verzahnt seien. Für seine in Deutschland geborene Tochter musste er es selbst beantragen.

Weitere Produktideen an der Schnittstelle zwischen Banking, Buchhaltung und Steuern sollen Mitarbeiter aus beiden Unternehmen künftig gemeinsam in einem sogenannten Co-Creation-Lab entwickeln. „Ich bin schon sehr aufgeregt ob der Möglichkeiten, die sich daraus ergeben“, sagt Plantener. Auch das Angebot von Kontist soll dadurch weiter ausgebaut werden – beispielsweise um erste Finanzierungsmöglichkeiten.

Das Banking-Start-up ist bereits das achte Unternehmen, das Plantener mitgegründet hat. Angefangen hat er mit einer Cocktailbar im Berliner Mauerpark. Es folgten etwa ein Job-Portal, eine Marketingagentur und zuletzt Debitoor, ein Anbieter von Buchhaltungssoftware für kleine und mittelgroße Unternehmen. „Debitoor ist mein bisher größter Erfolg, aber mit Kontist werde ich das noch überbieten“, so Plantener.

Dass er nicht mehr im inspirierenden Dänemark lebt, sollte dabei kein Problem sein. Seine Frau ist Dänin. Der Kontakt zur „Zukunft Dänemark“ reißt also nicht ab.

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