Commerzbank Commerzbank gibt Pläne für europäische Onlinebank auf

Das Institut will sich nicht verzetteln und gibt deshalb Pläne auf, mit einer neuen Onlinebank in andere EU-Staaten vorzustoßen.
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Commerzbank-Chef Zielke sieht Dax-Abstieg positiv Quelle: dpa
Martin Zielke

Er droht als erster Commerzbank-Chef mit dem Institut in die zweite deutsche Börsenliga abzusteigen. „Finde ich das schön? Nee.“

(Foto: dpa)

FrankfurtMonatelang hat die Commerzbank geprüft, ob sie zusammen mit ihrer polnischen Tochter MBank eine neue europäische Digitalbank ins Leben rufen soll. Das Institut, Projektname Copernicus, hätte dann auch in EU-Staaten um Kunden werben können, in denen die zweitgrößte deutsche Privatbank bisher nicht vertreten ist. Doch der Commerzbank-Vorstand hat die umstrittenen Pläne nun begraben.

„Wir haben inzwischen entschieden, das Projekt Copernicus nicht fortzuführen“, erklärte Privatkundenvorstand Michael Mandel nach Informationen des Handelsblatts in einem Interview im Intranet der Bank. Das Management müsse „Prioritäten setzen“, erklärte Mandel. „Man kann nicht alles auf einmal machen. Das erhöht die Komplexität und macht einen nicht schneller und effizienter.“

Das Institut hatte im Herbst 2016 im Rahmen der Strategie „Commerzbank 4.0“ angekündigt, bis 2020 rund 9600 Vollzeitstellen zu streichen und 80 Prozent der Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Auf die Niedrigzinspolitik und den Margendruck will die Bank reagieren, indem sie unter dem Strich zwei Millionen neue Privatkunden gewinnt.

Parallel zu seinem Umbau hat das Institut den Aufbau einer neuen Digitalbank durchgespielt. Bereits Ende 2017 gründete es dafür die Copernicus Germany GmbH. Zweck der Firma ist laut Handelsregister die „Vorbereitung der Gesellschaft auf die künftige Erbringung von Bankgeschäften“. Man versuche im Rahmen von Copernicus „Möglichkeiten zu erkunden“, sagte Finanzchef Stephan Engels Anfang des Monats bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen.

Die Aufgabe des Projekts, über die zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hatte, dürfte bei Analysten und Investoren gut ankommen. Viele von ihnen hatten Copernicus kritisch beäugt, da die Commerzbank mit Comdirect bereits eine Onlinetochter besitzt.

„Warum brauchen Sie eine dritte Bank in Deutschland?“, fragte ein Analyst Engels. „Dadurch würde man Comdirect kaputtmachen“, warnte ein Investor. Eine Digitalbank in anderen EU-Staaten wäre aus seiner Sicht nur sinnvoll, wenn sich die Kosten dafür in Grenzen halten.

Doch das wäre vermutlich nicht der Fall gewesen. Der Aufbau einer neuen Digitalbank hätte erst einmal viel Geld verschlungen – und sich frühestens in einigen Jahren positiv in der Bilanz des Instituts bemerkbar gemacht.

Auf dieses Vabanquespiel wollte sich der Vorstand nicht einlassen, wie Mandel im Intranet der Bank anklingen ließ. „Wir haben einen klaren Fokus auf Wachstum und Effizienz in den Geschäftsfeldern, die einen direkten positiven Einfluss auf unsere Profitabilität haben.“

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