Commerzbank Martin Blessings verzweifelter Kampf

Ein Großteil der letzten Mehr-Jahres-Strategie des Commerzbank-Chefs ist reine Wunschvorstellung geblieben. Jetzt probiert er es ein weiteres Mal – und streicht dabei die Dividende und wohl mehrere tausend Stellen.
Update: 08.11.2012 - 12:56 Uhr 19 Kommentare
Die Commerzbank gibt sich eine neue Strategie bis zum Jahr 2016. Quelle: dpa

Die Commerzbank gibt sich eine neue Strategie bis zum Jahr 2016.

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Düsseldorf/FrankfurtMartin Blessing nimmt die nächste Steilkurve. Der Commerzbank-Chef hat sich in seiner neuen Strategie, die inoffiziell „Roadmap 2016“ genannt wird, ganz dem Privatkundengeschäft verschrieben. Mit einer Milliarde Euro Investitionen will Blessing dem Geschäft wieder Haftung auf der Straße verleihen. Heißt im Klartext: Die elf Millionen Privatkunden sollen endlich wieder deutliche Gewinne abwerfen.

In seiner „Roadmap“ des Jahres 2012 hatte Blessing vier Milliarden Euro als Gewinnziel für das laufende Jahr ausgegeben. Dazu sollte auch das Privatkundengeschäft einen großen Teil beitragen. In der Mitteilung zu den Zahlen des dritten Quartals von Donnerstagmorgen rühmt sich die Commerzbank, „stabile“ 41 Millionen Euro im Privatkundengeschäft erzielt zu haben.

Von den Milliarden-Zielen für 2012 ist Blessing also Lichtjahre entfernt. Aber in der neuen Strategie setzt er sich sogleich eine neue Zielmarke: 2016 sollen die Privatkunden eine halbe Milliarde Euro Gewinn abwerfen. 2008, im Jahr der ersten „Roadmap“, hatte die Commerzbank in dem Segment noch einen Überschuss von 810 Millionen Euro erzielt. 2013 erwartet die Bank einer Präsentation zufolge aufgrund der Neuausrichtung sogar Verluste im Privatkundengeschäft.

„Ein ,weiter so' kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben“, sagte Blessing. „Das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen wird die wichtigste Aufgabe aller Banken in den kommenden Jahren sein.“ Ziel sei der „Aufbau einer modernen Multikanalbank“ und ein flexibleres Filialnetz, erklärte Blessing in einer Mitteilung. „In Zukunft werden unsere Kunden die Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort erhalten.“

Das Filialnetz, das Ende dieses Jahres 1200 Standorte umfassen soll, soll laut der Commerzbank nicht ausgedünnt werden. Angestrebt ist eine Spezialisierung der Filialen. Auch flexiblere Öffnungszeiten sind in der Diskussion. Die Kundenzahl soll von elf Millionen auf zwölf Millionen gesteigert werden. Blessing will künftig wieder mit dem alten Slogan „Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite“ werben.

Die-Commerzbank-Papiere verloren 3,5 Prozent auf 1,45 Euro und waren damit einer der schwächsten Werte im Dax. Analysten hatten mehr erwartet. Für Enttäuschung sorgten auch die Investitionspläne. Das sei alles nicht sehr überraschend oder revolutionär, sagte ein Händler.

Am Mittwochabend gab die Bank die Eckpunkte die strategischen und finanziellen Ziele bis zum Jahr 2016 bekannt. Ursprünglich hatte das Kreditinstitut heute beim Investorentag den großen Aufschlag geplant. Die Ankündigungen für das Privatkundengeschäft ließen jedoch zwei wesentliche Punkte aus. Die eine Milliarde Euro Investitionen sind größtenteils nachgeholt. Die IT-Systeme der Commerzbank gelten schon lange als veraltet, seit der Integration der Dresdner Bank hat sich in Sachen Technik nichts mehr getan.

„Anpassung der Personalkapazitäten“
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19 Kommentare zu "Commerzbank: Martin Blessings verzweifelter Kampf"

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  • Wenn man sich den Lebenslauf des Vorstandes durchliest, kann man nichts erwarten. Die Herren kommen alle von Pleitebanken.

  • 85mdwOertel
    In dieser für die Commerzbank-Angestellten und Aktionäre
    immer prekaerer werdende Situation sollte der Aufsichtsrat
    der Coba doch einfach mal seine Fühler in Richtung des
    rüstigen Rentners und Bankfachmanns Ackermann ausstrecken!

  • Die eigentlich Leidtragenden werden die Angestellten sein. Mit der einen Milliarde Investionen sollte man den Markennamen COMMERZBANK (Macht krank an Deiner Seite) begraben und dann doch lieber wieder die gute alte Dresdner Bank - Die Beraterbank daraus machen. Da war zwar auch mal öfter was nicht in Ordnung, doch das Ansehen dieser Bank war doch noch ein wenig höher und die Marke schlicht bekannter und beliebter.

  • Die Commerzbank sollte über eine Veränderung des verantworlichen Managements nachdenken, Herr Blessing sagt im O-Text: Ein ,weiter so' kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben....ergo...auch ein neuer Wind an der Führungsspitze...was nützen desillisionierte Dresdner Bank Mitarbeiter und frustrierte Commerzbank Mitarbeiter ( Unterschied im Gehaltsgefüge seit Fusion ). Ein yes we can effect muss her. Leider fehlt das Wir - Gefühl total. Herr Blessing fährt das Ding sonst gegen die Wand. Aller höchste Eisenbahn.

  • Vielleicht sollte die COBA mal "ideas TV" auf n-tv im Fernsehen anschauen. Da werden immer gute Tips zur Vermehrung des Kapitals gegeben :-) Gewinne sind da garantiert....

  • Woran keiner bei dem Trauerspiel denkt, ist, dass seinerzeit die Dresdner Bank vor dem Aus stand und die Arbeitsplätze der Dresdner Bank-Mitarbeiter gerettet werden sollten. Deswegen gab es eine Vereinbarung zwischen Allianz (der Gewinnerin der ganzen Aktion), Dresdner Bank und Commerzbank. Und wenn die teuren Berater des Bundes die Unterschiede zwischen der Gewinnermittlung nach HGB und IFRS nicht kennen, weiß ich nicht, warum der Bund für deren Bezahlung Steuergelder verschwendet.

  • Ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet der Kurs der Commerzbank abschmiert. Da ist es dem einen oder anderen Investor wohl suspekt, dass Vater Staat (oder Mutti Staat) da mit drinn hängt. Das Muttis ökonomisches Verständnis gegen null tendiert, spielt da sicher eine gewichtige Rolle. Schaut man sich an, wie elegant sie Deutschland seit zwei Jahren auf striktem Kurs in Richtung Katastrophe hält, ist es kaum verwunderlich, dass Investoren eine Bank mit 25% Staatsbeteiligung meiden. Was ist bloß aus der CDU geworden, dass sie so an dieder untragbaren Person festhält, die jedes politische Projekt ihrer Amtszeit komplett vor den Baum gefahren hat und mit jedem Tag ihrer Amtszeit mehr Hass zwischen den Völkern Europas schürt. Die Energiewende ein Flop, die "Euro-Rettung" grandios gescheitert, die Griechen, die alle Schuld an ihren Selbstgeschaffenen und ergaunerten Problemen ungesühnt auf Deutschland schieben dürfen und Deutsche, die seit zwei Jahren ohne jemals gefragt worden zu sein für den kompletten griechischen Staatshaushalt aufkommen dürfen und sich seit dem auch noch beschimpfen lassen müssen. Frau Merkel kann man nur ein Verdienst bescheinigen: Sie hat sich an der Schaltstelle der Macht installiert und schafft es auf grandiose Weise, diese Position trotz ihres völligen Versagens in jeglicher Hinsicht auf diktatorische Art und Weise zu behaupten. Naja, der Kurs der Commerzbank spricht für sich.

  • Blessing ist auch kein Manager sondern Enkel von Karl Blessing, Sohn von Werner Blessing, Ehemann von Dorotee Blessing geborene Wieandt, Schwager von Axel Wieandt und Schwiegersohn von Paul Wieandt und Schwiegersohn von Paul Wieandt. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ob es solche Deals gibt oder gab ist Spekulation. Letzten Ende spielt es auch keine Rolle ob griechische Anleihen gehalten werden oder nicht. Die Papiere müssen ohnehin wertberichtigt werden und dürften in den Coba-Büchern praktisch vollständig abgeschrieben sein. Es geht doch eigentlich um die Frage warum sich der Hauptaktionär Bund von einer Truppe zugegebenermaßen smarter Kids an der Spitze eines € 600 Mrd. schweren Trumms mit Hilfe von smarten Unternehmensberatern und mit immer neuen Volten (in deren Vorstellung auch Strategie genannt) seit 3 Jahren sanktionslos auf der Nase rumtanzen lässt.
    Bei den bisherigen, zum Teil blödsinnigen Restrukturierungsmaßnahmen gab es keine größeren beschäftigungspolitischen Aspekte, wenn jedoch 5 bis 6 Tsd. Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, wird Mutti einige unangenehme Fragen in ihrer Rolle als (ahnungsloser?) "Hauptaktionär Bund" beantworten müssen.

  • Wundert jemanden die Ertragsvernichtung im Privatkundengeschäft der CoBa, nachdem ihr jahrelang das kostenlose Girokonto mit 50 EUR Eröffnungsprämie als Patentrezept galt (seit der Stützung der CoBa übrigens finanziert aus Steuermitteln)? Man fragt sich, wie hochmögende Konzernlenker auf die Idee verfallen konnten, das Verschenken ihrer Produkte führe zu mehr Profit. Jede Bäckereiverkäuferin versteht, dass das Verschenken von Brötchen und Brot nicht dazu führt, dass die Bäckerei ihr Gehalt weiterhin zahlen kann. Nur die Topleute in den Finanzkonzernen lassen sich von windigen "Consultants" etwas anderes einsingen, wollen das offenbar Unsinnige glauben und setzen solche abenteuerlichen "Strategien" um. Die Fortsetzung der Luftnummern aus dem Investmentbanking im Privatkundengeschäft führt nun zu dem sich abzeichnenden Desaster. Die Mitarbeiter dieser Bank können einem nur leid tun, die Privatkunden ebenfalls. Volksbanken und Sparkassen können sich freuen.

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