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Commerzbank-Übernahme Italienisches Störfeuer: Unicredits Planspiele setzen Deutsche Bank unter Druck

Die italienische Großbank liebäugelt angeblich mit einer Kaufofferte für die Commerzbank. Und ein potenter europäischer Wettbewerber könnte zum Zug kommen.
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Die italienische Großbank Unicredit soll an Plänen für die Übernahme der Commerzbank arbeiten. Quelle: mauritius images / ClickAlps
Der Unicredit-Tower in Mailand

Die italienische Großbank Unicredit soll an Plänen für die Übernahme der Commerzbank arbeiten.

(Foto: mauritius images / ClickAlps)

FrankfurtEs war kein leichter Start: Seitdem Deutsche Bank und Commerzbank vor wenigen Wochen ihre Fusionsgespräche offiziell aufgenommen hatten, gab es reihenweise Widerstand und Kritik. Nun sorgen auch noch Spekulationen über einen möglichen Nebenbuhler aus Italien für Unruhe: Die italienische Großbank Unicredit, die mit der Commerzbank schon vor zwei Jahren anbandeln wollte, soll mit einer Kaufofferte für die Commerzbank liebäugeln.

Unicredit erwäge, den Commerzbank-Aktionären ein milliardenschweres Angebot zu unterbreiten, falls die Gespräche mit der Deutschen Bank scheitern sollten, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf anonyme Quellen. Die drei betroffenen Banken wollten sich dazu offiziell nicht äußern.

Der Deutschland-Statthalter von Unicredit, Hypo-Vereinsbank-Chef Michael Diederich, zeigte sich allerdings skeptisch: „Gerüchte kommentieren wir nicht. Wir sind als Hypo-Vereinsbank auch so sehr gut positioniert“, sagte er auf einer Bundesbank-Veranstaltung in München. „Wir brauchen keine große Übernahme, um unser Geschäft weiterzubetreiben“, so Diederich. Unicredit sei einer der ganz großen Spieler in Europa, dazu brauche es keine weitere Tochter.

Allen Beschwichtigungen zum Trotz: Die vermeintlichen Avancen aus Italien erhöhen den Druck auf Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Immerhin führen ihm die Spekulationen vor Augen, was geschehen könnte, wenn die Deutsche Bank nicht selbst mit der Commerzbank fusioniert: Ein potenter europäischer Wettbewerber könnte zum Zug kommen und der Deutschen Bank Konkurrenz auf dem Heimatmarkt machen.

Und so vermuten Frankfurter Banker und Analysten, dass Unicredit bewusst ins Spiel gebracht wird, um die von der Bundesregierung angebahnten nationalen Hochzeitspläne zu forcieren. „Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, dass hier ein Stück weit Druck aufgebaut wird auf die beiden Parteien zu fusionieren, indem man einen Dritten ins Rennen schickt, der sich irgendwann mal für die Commerzbank interessiert hat“, sagt Oliver Roth, Kapitalmarktstratege der Oddo Seydler Bank.

Umworbene Commerzbank

Commerzbank und Unicredit sind in den Bereichen des Firmenkundengeschäfts stark, die Sewing seit seinem Amtsantritt nach Kräften fördert, etwa die Handelsfinanzierung, den Zahlungsverkehr oder Zins- und Währungsabsicherungen. „Aus dieser Perspektive wäre eine Commerzbank-Übernahme durch Unicredit für die Deutsche Bank keine so schöne Nachricht“, sagt ein Fondsmanager.

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„Ein möglicher Zusammenschluss von Unicredit und Commerzbank könnte die Deutsche Bank in eine schwierigere Position auf ihrem Heimatmarkt bringen“, schreibt auch Anke Reingen, Analystin bei RBC Capital, in einer Analyse. Dieser Aspekt werde bei den Fusionsverhandlungen mit der Commerzbank sicher berücksichtigt, sagte eine mit dem Thema vertraute Person.

In der Vergangenheit haben europäische Banken immer mal wieder vorgefühlt, ob die Regierung einem Gebot für die Commerzbank offen gegenüberstehen würde. „In einer europäischen Bankenunion sollte es nicht undenkbar sein, dass sich europäische Banken zusammenschließen“, sagt die Finanzpolitikerin der Grünen, Lisa Paus. Der Zusammenschluss von Banken über Ländergrenzen hinweg könne die Integration der Finanzmärkte vorantreiben und die Bankenunion stärken.

Interesse ist vorhanden: Vor zwei Jahren wurde Unicredit vorstellig in Berlin, auch Institute aus Frankreich und den Niederlanden haben sich immer mal wieder ins Gespräch gebracht. „Wenn die Sache mit Deutsche Commerz scheitert, dann kommen die Alternativen wieder auf den Tisch“, heißt es auch in Berlin. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis haben viele Beobachter Zweifel daran, dass der Bund sein 15-Prozent-Aktienpaket an der Commerzbank jedem beliebigen Bewerber aus dem Ausland andienen würde, zumal das für den Steuerzahler aktuell sehr teuer wäre. Die Aktien stammen aus den Rettungsaktionen für die Commerzbank in den Jahren 2008 und 2009. Bei einem Verkauf zum aktuellen Aktienkurs würde der Staat aktuell rund 3,6 Milliarden Euro Verlust machen.

Unicredit soll Commerzbank interessiert sein

Auch politisch sind die Risiken groß: Schließlich bekäme die italienische Regierung ein gewaltiges Erpressungspotenzial in die Hand, heißt es in Finanzkreisen: Schließlich hält die Commerzbank einen hohen Bestand an italienischen Staatsanleihen. Und die Unicredit besitzt noch weitaus mehr dieser Staatsbonds. Das Risiko für Deutschland bei einer Staatspleite Italiens würde somit gewaltig ansteigen.

Auch strategisch würde sich die Regierung einen derartigen Schritt wahrscheinlich gut überlegen, da die Commerzbank eine wichtige Rolle in der deutschen Export- und Mittelstandsfinanzierung spielt. Viele Verantwortliche erinnern sich außerdem noch gut daran, dass sich während der Finanzkrise zahlreiche Auslandsbanken wie etwa die Royal Bank of Schotland aus dem deutschen Markt zurückzogen und ihre Firmenkunden im Regen stehen ließen.

Diese Erfahrung dürfte Pate für die Debatte gestanden haben, die Bundesfinanzminister Olaf Scholz vor einem halben Jahr lostrat: Er hat die Idee eines nationalen Champions, der durch ein Zusammengehen von Commerzbank und Deutscher Bank entstehen könnte, überhaupt erst befeuert. Bei der Deutschen Bank war von Aufgeregtheit am Donnerstag jedenfalls nicht viel zu spüren. Man werde weiter streng nach den Fakten gehen und den Deal prüfen, hieß es in Frankfurt.

Die Deutsche Bank gilt mit Blick auf einen Zusammenschluss als zögerlicher als die Commerzbank. Deren Vorstandschef Martin Zielke drängt Finanzkreisen zufolge weit stärker auf eine schnelle Prüfung und rasche Ergebnisse der Verhandlungen als die Emissäre der Deutschen Bank. Zielke hat auf einer Aufsichtsratssitzung zwar nicht durchblicken lassen, ob er eine innerdeutsche oder eine europäische Fusion bevorzugen würde. Grundsätzlich wäre Zielke Finanzkreisen zufolge aber ein Zusammengehen mit der Deutschen Bank lieber als mit einem ausländischen Geldhaus.

Deutsche Industriepolitik

Zielke ist nämlich der Ansicht, dass eine deutsche Großbankenfusion für die Bundesrepublik industriepolitisch vorteilhaft sein kann. Und er hätte dabei vermutlich auch mehr Einflussmöglichkeiten als bei einer Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Institut. Innerhalb des Commerzbank-Managements wird ohnehin seit Jahren diskutiert, ob das Institut groß genug ist, um alleine dauerhaft zu bestehen.

Für Sewing stellen sich schon mehr Fragen. Einerseits könnte die Fusion vor allem für das Investmentbanking der Deutschen Bank eine große Chance sein: Die Refinanzierungskosten des Instituts könnten durch so einen Zusammenschluss deutlich sinken, insbesondere dann, wenn die Bundesregierung am fusionierten Institut beteiligt bliebe. Die Finanzierungskosten der Deutschen Bank sind bislang deutlich höher als die der internationalen Konkurrenz und belasten damit die Profitabilität dieser Sparte.

Andererseits steckt die Deutsche Bank noch mitten in der Integration der Postbank. Außerdem muss das Institut auf Druck internationaler Aufsichtsbehörden dringend seine Kontroll- und Compliance-Systeme modernisieren. Auch die IT-Systeme sind längst nicht entrümpelt. „Die Commerzbank kann bei dieser IT-Spaghetti bestimmt nicht vor 2022 integriert werden“, heißt es bei einer Fondsgesellschaft.

Deutsche-Bank-Chef Sewing hatte im vergangenen Herbst nicht ohne Grund gesagt, die Deutsche Bank benötige für ihre Hausaufgaben noch mindestens 18 Monate, bevor sie sich Gedanken über so etwas wie eine Fusion machen könnte. Bei einer Fusion wäre das Management von Commerzbank und Deutscher Bank für lange Zeit mit sich selbst beschäftigt.

„Eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank wäre eine politische Entscheidung und mag aus diesem Blickwinkel heraus sinnvoll sein. Ob sie auch aus Sicht des Kapitalmarktes Sinn machte, ist eine andere Frage“, urteilt Ingo Speich, seit Anfang April Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment. Aus Sicht des Kapitalmarkts scheint ein Unicredit-Gebot auf jeden Fall für die Commerzbank vorteilhaft zu sein.

Ihre Aktie stieg, während die Papiere von Deutscher Bank nachgaben. „Das potenzielle Interesse von Unicredit ist für die Commerzbank-Aktie positiv, da es einen Plan B für die Commerzbank darstellt, wenn die Gespräche mit der Deutschen Bank scheitern“, meint etwa RBC-Analystin Reingen. Unicredit-Aktionären schmeckten die Aussichten auf eine Commerzbank-Übernahme allerdings nicht, der Aktienkurs fiel. Das Brokerhaus Equita Sim kritisierte etwa, dass die Commerzbank nur halb so rentabel wie Unicredit sei.

Vermutlich wäre für so eine Transaktion eine Kapitalerhöhung nötig. Damit die aktuelle Rendite konstant bleibt, müsste Unicredit Synergien in Höhe von 1,2 Milliarden Euro einkalkulieren. Dass Unicredit als Bräutigam für die Commerzbank erste Wahl wäre, daran haben die Analysten von Mediobanca Securities ohnehin Zweifel. Aus ihrer Sicht hätten Wettbewerber wie die niederländische ING, die französische BNP Paribas oder die spanische Santander für so einen Schritt größere Unterstützung in Berlin.

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