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Commerzbank und Deutsche Bank Christian Sewing und Martin Zielke stehen im Austausch über Fusion

Die Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank treffen sich häufig zum Gespräch. Auch eine Fusion ist immer wieder Thema. Verhandelt wird aber nicht.
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Über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird seit längerem spekuliert. Quelle: Reuters
Bankenviertel in Frankfurt

Über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird seit längerem spekuliert.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/Berlin Als Christian Sewing im vergangenen Herbst auf dem Tag der Deutschen Industrie sprach, gab er eine klare Marschrichtung aus: Erst müsse die Deutsche Bank „ihre Hausaufgaben“ machen und „über die nächsten 18 Monate“ Profitabilität wie auch Marktbewertung steigern. Wenn das geschehen sei, könne man auch über andere Dinge sprechen.

Das war, auch ohne dass der Name fiel, auf eine mögliche Fusion mit der Commerzbank gemünzt, über die damals viel spekuliert wurde. Seither hat die Deutsche Bank zwar keine nennenswerten Fortschritte in Sachen Profitabilität und Marktbewertung erzielt, eher im Gegenteil.

Dennoch mehren sich die Indizien dafür, dass eine Fusion zwischen den beiden großen deutschen Geschäftsbanken wahrscheinlicher geworden ist.

Bei beiden Banken bilde sich ein Konsens heraus, dass die Fusion schneller kommen muss als bislang zumindest von der Deutschen Bank gewünscht, heißt es in Investmentbankerkreisen.

Diese Erkenntnis setze sich bei beiden Banken, aber auch bei den Bankenaufsehern durch. Ein anderer hochrangiger Insider betonte, ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank sei nicht die einzige Option, aber in den kommenden zwölf Monaten „muss etwas bei der Deutschen Bank passieren“.

Kurzfristig ist eine Fusion der Geldhäuser keine Option für die Chefs von Commerzbank und Deutscher Bank. Quelle: Reuters
Martin Zielke (links) und Christian Sewing

Kurzfristig ist eine Fusion der Geldhäuser keine Option für die Chefs von Commerzbank und Deutscher Bank.

(Foto: Reuters)

Bereits heute ist der Austausch zwischen den Vorstandschefs beider Häuser intensiver als öffentlich bekannt. Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke hätten sich in den vergangenen Monaten regelmäßig getroffen. Eine Fusion beider Häuser sei zwar nicht offizieller Teil ihrer Agenda, doch sei das Thema bei den Zusammenkünften regelmäßig angesprochen worden.

Mehrere Insider betonten, dass es aber keine Verhandlungen beider Institute gebe. Weder die Vorstände noch die Aufsichtsräte oder Arbeitsgruppen seien mit einer möglichen Fusion betraut. Kurzfristig sei ein solcher Schritt kein Thema, betonen gleich mehrere Personen, die es wissen müssen. Für beide Seiten wäre die Fusion zu einem nationalen Champion auch nicht die einzige Option.

Bund ist für Fusion offen

Auffällig ist jedoch, dass sich nicht nur die beiden Bankenchefs intensiv miteinander austauschen. Auch die Kontakte zwischen Bundesfinanzministerium und Vertretern der Deutschen Bank sind bemerkenswert zahlreich: Seit Amtsantritt der aktuellen Bundesregierung gab es 23 Treffen. Das zeigt die Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz, die dem Handelsblatt vorliegt und über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zuerst berichtet hatte.

„Das Bundesfinanzministerium und die Deutsche Bank scheinen Dauergespräche zu führen“, kommentiert Bayaz die Treffen. Gegenstand der Gespräche seien „regelmäßig auch strategische Optionen der jeweiligen Institute und Bewertungen durch die Leitung des Bundesministeriums der Finanzen“, heißt es auf seine Frage, ob auch eine Fusion der Bank mit der Commerzbank erörtert wurde. Bei ihr ist der Bund Großaktionär, er hält immer noch 15 Prozent der Commerzbank-Aktien.

Finanzminister Olaf Scholz hatte im vergangenen Herbst auf einer Handelsblatt-Tagung betont, dass er eine aktivere Industriepolitik für die Finanzbranche befürwortet. Für Europa und Deutschland sei es ein Problem, dass die heimischen Banken nicht die nötige Größenordnung hätten, um die Wirtschaft zu begleiten. Immer wieder ist zu hören, dass sich Berlin ein Zusammengehen der beiden Institute wünscht.

Aus Sicht der Regierungskoalition sind in jüngster Zeit noch geopolitische Aspekte hinzugekommen, die für eine Fusion sprechen: Angesichts der Sanktionspolitik der USA und der wachsenden internationalen Rolle der chinesischen Finanzbranche wird aus Sicht der Koalitionäre eine starke Bank noch wichtiger.

Man dürfe nicht zu sehr in eine Abhängigkeit von den amerikanischen und chinesischen Finanzinstituten geraten, hieß es in Berlin. Überbewerten solle man die häufigen Besprechungen zwischen dem Bundesfinanzministerium und der Deutschen Bank aber nicht.

Der Druck steigt

Der Druck, auch drastische Schritte zu erwägen, hat sich in den vergangenen Wochen allerdings erhöht, merken viele Insider an. Das vierte Quartal war bei der Deutschen Bank so enttäuschend, dass deren Andeutungen gegenüber Analysten den Aktienkurs vergangene Woche noch einmal kräftig unter Druck setzten.

Vor allem das Dezember-Geschäft im Investmentbanking hat Finanzkreisen zufolge unter den Nachwehen einer medienwirksamen Razzia gelitten, die die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Geldwäschevorwürfen im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ initiiert hatte. Bei Mitarbeitern habe das die Arbeitsmoral gedämpft, Kunden hätten Geschäftsabschlüsse verschoben, hieß es zur Begründung.

Das Schwächeln der Investmentbanker trifft die Deutsche Bank zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Denn gerade das erste Jahresquartal spielt in der Branche traditionell eine immens wichtige Rolle. Unsicherheit bei Belegschaft und Kunden kann sich das Institut im Moment also eigentlich nicht leisten.

„Viel wird bei der Deutschen Bank vom Erfolg des Investmentbankings abhängen“, betont auch Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. „Gelingt dort der Turnaround, kann die Deutsche Bank ihren Weg weiter alleine gehen“, meint Hünseler. In einer kombinierten Einheit werde das Investmentbanking an Einfluss verlieren – und damit an Bedeutung und Potenzial.

Doch auch die Commerzbank steht unter Druck: Immer stärker kristallisiert sich heraus, dass die Bank ihr Wachstum bei den Kunden nicht in steigende Erträge ummünzen kann. Die Ertragsprognose für 2020 hat die Bank bereits im Herbst 2018 kassiert. „Der Wettbewerb bei Privatkunden wie bei Firmenkunden ist so intensiv, dass die Margen regelrecht schmelzen“, sagt ein Insider. Daher entwickelten sich die Erträge nicht wie vom Vorstand gewünscht. Aus Sicht Zielkes ist die aktuelle Schwäche der Deutschen Bank ohnehin eher ein Argument pro Fusion: Selten war das potenzielle Umtauschverhältnis – etwa ein Drittel zu zwei Drittel – so günstig.

Störfeuer kommen von den Finanzmärkten: Seit Dezember sind die Refinanzierungskosten für Banken kräftig gestiegen. Erste Geldhäuser haben bereits große Preiszugeständnisse bei der Emission neuer Anleihen gemacht, einige Institute zogen ihre Emissionen wegen der ungünstigen Konditionen sogar zurück. Das erschwert gerade Deutscher Bank und Commerzbank das Geschäft zusätzlich.

Trotz der vielfältigen Planspiele in Frankfurt und Berlin hat ein Zusammengehen der beiden wichtigsten deutschen Geschäftsbanken kaum Anhänger. Vor allem die Gewerkschaften halten wenig von dieser Idee. „Wir sehen das Szenario kritisch, da ein erneuter erheblicher Arbeitsplatzabbau zu befürchten wäre“, sagte Jan Duscheck, der in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Banken zuständig ist, dem Handelsblatt.

Zugleich sei eine Stärkung der Geschäftsmodelle dabei nicht klar erkennbar. „Das ist aber alles hoch hypothetisch“, ergänzte er, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt und im September bei einem der 23 Treffen anwesend war.

Deutliche Kritik äußerte auch der Vorsitzende der Gewerkschaft DBV, Stephan Szukalski: „Beide Häuser haben ihre eigenen, sehr unterschiedlich gelagerten Probleme. Diese löst man nicht mit einer Fusion, sondern potenziert sie. Ein solches Gebilde wäre auf viele Jahre nur noch mit sich selbst beschäftigt, mit ungewissem Ausgang“, sagte Szukalski dem Handelsblatt. Aus seiner Sicht wäre das „die schlechteste Lösung für Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und überdies auch den Steuerzahler“.

Der Fusionsappetit unter den Aktionären der Deutschen Bank gilt angesichts der aktuell sehr niedrigen Bewertung der Bank jedenfalls als ausgesprochen gering. Niemand, der in den vergangenen Jahren größere Erträge in das Institut investierte, hat damit Gewinne gemacht. „Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank derzeit weder notwendig noch sinnvoll ist“, heißt es bei einem großen Aktionär.

Investoren sind skeptisch

Auch unter Investoren gibt es viele Skeptiker. „Es ist kaum zu erkennen, was eine „Deutsche Commerzbank“ besser können soll als die beiden Kreditinstitute für sich allein genommen. Einer Fusion, die ausschließlich von Redundanzen lebt, gebe ich wenig Chancen“, warnt Fondsmanager Hünseler. „Eine Verschmelzung des hart umkämpften, margenschwachen Privatkundengeschäfts drängt sich zwar auf, löst aber die Probleme nicht“, ergänzt er. Der Erfolg des Fintechs N26 hat aus seiner Sicht gerade wieder gezeigt, dass die Markteintrittsbarrieren vergleichsweise niedrig sind. Um weiter konkurrieren zu können, müssten die Kosten gesenkt, müsse automatisiert und digitalisiert werden. „Die dafür notwendige Modernisierung der IT wird durch eine Fusion eher noch kostspieliger und zeitraubender, soll nicht eine Dreimarkenstrategie verfolgt werden.“

Beim Firmenkundengeschäft sind die Synergien aus Hünselers Sicht zwar größer, die Rückbesinnung auf den Heimatmarkt nachvollziehbar. „Die Perspektiven sind aber nicht unbedingt besser“, meint der Fondsmanager. Ähnlich sieht es der Vorstand einer anderen Bank. „Große Unternehmen wollen in der Regel nicht zu abhängig von einer einzelnen Bank sein“, sagt er. Viele deutsche Firmen seien sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank Kunde. Diese Klientel werde im Falle einer Fusion Teile ihres Geschäfts an andere Konkurrenten geben.

Hünseler wertet angesichts der vielfältigen Nachteile den Vorstoß der Regierung als „eine vertrauensbildende Maßnahme und einen Notfallplan zugleich“ – für den Fall, dass beide Banken in eine gefährliche Abwärtsspirale geraten sollten.

Den Grünen-Abgeordneten Bayaz dürfte das kaum trösten. „Teilstaatliche Großbanken bedeuten für öffentliche Haushalte große Risiken“, warnt er. Er hält eine „staatlich forcierte Fusion“ daher für „gefährlich, da sie nicht die strukturellen Probleme deutscher Banken löst“. Außerdem werde dadurch das Problem verschärft, dass Banken zu groß werden, als dass man sie in einer Krise fallenlassen könne.

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