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Risiko Finanzmarkt

Eine nächste Finanzkrise könnte dramatischere Folgen haben als die vorherige.

Crash-Risiko steigt Das sind die 7 größten Gefahrenherde für eine neue Finanzkrise

Die Subprime-Krise in den USA ist vor zehn Jahren zur globalen Finanzkrise angewachsen. Auch heute lauern viele Gefahren, die die Märkte weltweit anstecken können.
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New York, FrankfurtDie Lehman-Pleite stürzte 2008 die gesamte Weltwirtschaft ins Chaos. Die Folgen der damaligen Krise sind auch heute noch zu spüren. Mit einem erneuten Zusammenbruch müssen wir jedoch jederzeit rechnen. Sieben Gefahren, die die wirtschaftliche Stabilität derzeit bedrohen.

1. Too big to fail: Die Ansteckungsgefahr ist immer noch da

Für Hank Paulson, amerikanischer Finanzminister im Jahr 2008, war die Sache klar: Die Investmentbank Lehman Brothers ist nicht groß genug, um systemrelevant zu sein. Er ließ sie in Konkurs gehen. Schon bald wusste die Welt, dass die Einschätzung falsch war. Denn es folgten eine globale Marktpanik und ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungsprogramm der US-Banken. Mit seinen 900.000 Derivatekontrakten war Lehman Brothers eben doch „too big to fail“ gewesen – zu groß, um fallen gelassen zu werden.

Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite ist die Gefahr der Systemrelevanz erkannt – aber nicht gebannt. „Wenn heute eine große Bank in Europa in Schieflage geraten würde, bestünden große Vorbehalte dagegen, diese Bank einfach abzuwickeln“, sagt Gerold Grasshoff, Senior Partner der Boston Consulting Group. Damit wurde eines der wichtigsten Ziele, das die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) nach der Krise ausgelobt haben, noch nicht erreicht: Großbanken in der Not untergehen lassen zu können.

In den USA ist das Problem auf den ersten Blick sogar größer geworden. Statt zu schrumpfen, sind die Goliaths der Bankenwelt weitergewachsen. Im Verlauf der Finanzkrise wurden insgesamt 500 Banken fusioniert oder aufgekauft. Verfügten die fünf größten Banken in den USA 2007 noch über 44 Prozent der Vermögenswerte, sind es zehn Jahre später schon 47 Prozent.

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In Europa sind die Banken tendenziell geschrumpft. Aber das Problem der Systemrelevanz ist gleichwohl noch nicht gelöst. Seit dem Jahr 2015 gibt es in der Europäischen Union mit dem sogenannten „einheitlichen Bankenabwicklungsmechanismus“ Regeln zur geordneten Abwicklung oder Sanierung von Geldhäusern, die in Schieflage geraten sind.

Eine neue, von der Deutschen Elke König geleitete Behörde würde im Ernstfall eine Abwicklung koordinieren. Zudem müssen die großen Banken detaillierte Abwicklungspläne vorlegen und ausreichend Anleihen ausgeben, die sich in einer Krise zu haftendem Eigenkapital umwandeln lassen. Dadurch sollen bei einer Schieflage statt des Staates vor allem die Anleihegläubiger zur Kasse gebeten werden.

Bis alle Banken vorbereitet sind, wird es aber noch etwas dauern. „In zwei bis drei Jahren wird das Thema voraussichtlich gelöst sein, sodass auch die global relevanten Banken grundsätzlich abwickelbar wären“, sagt Grasshoff.

Bislang allerdings ist das reine Theorie. Einen Testfall hat es noch nicht gegeben. Und eines ist geblieben: die Sorge, dass die global verflochtenen Großbanken im Falle einer Abwicklung noch immer erhebliche Risiken für die Finanzstabilität darstellen würden – und daher letztlich doch wieder der Staat einspringen müsste, um eine Marktpanik wie nach dem Kollaps von Lehman Brothers zu vermeiden.

2. Schattenbanken: Gleiche Risiken, nur am anderen Ort

Es trifft zu: Die Banken sind nach der Finanzkrise deutlich besser kapitalisiert. Leider ist das aber längst nicht gleichbedeutend damit, dass das Finanzsystem weniger gefährdet ist. „Risiko verschwindet nicht einfach, es verwandelt sich, ändert seine Form und zieht weiter“, sagt Mohamed El-Erian, der ökonomische Chefberater der Allianz.

Kapital sucht sich seinen Weg: Riskante Geschäfte wanderten im großen Stil nach der Krise aus dem strenger regulierten Bankensystem ab und fanden bei Hedgefonds, Private-Equity-Häusern, großen Vermögensverwaltern und anderen eine neue Heimat – den Schattenbanken.

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Der größtenteils wenig regulierte Sektor ist seit 2018 von 28 Billionen Dollar auf 45 Billionen Dollar gestiegen und macht heute 13 Prozent der weltweiten Vermögenswerte aus. Das zeigt eine Schätzung des Financial Stability Boards, einer internationalen Organisation, die das globale Finanzsystem überwacht. Notenbanker tappen im Dunkeln.

Die US-Notenbank Federal Reserve etwa überwacht klassische Banken, nicht aber die anderen Akteure. Allerdings sind die US-Banken eng mit dem Schattenbankensystem verbunden. So geben sie zum Beispiel milliardenschwere Kredite‧ an Hedgefonds und Private-Equity-Firmen, die damit riskante Übernahmen tätigen.

Das Volumen der Kreditvergabe von Banken an Schattenbanken hat sich von 2010 bis Ende 2017 auf über 250 Milliarden Dollar vervierfacht, zeigen Daten des US-Finanzministeriums. Zudem haben Private-Equity-Firmen in den vergangenen Jahren große Kreditabteilungen aufgebaut und damit ein Geschäft übernommen, das früher bei den traditionellen Banken angesiedelt war. Das Risiko hat sich nicht aufgelöst, sondern nur verlagert.

3. Verschuldung: Lasche Schuldendisziplin bei Staaten und Unternehmen

Jede Übertreibung wird meist abgelöst von einer Phase der Bereinigung: Die ungeliebte Januar-Diät folgt unweigerlich auf die lukullischen Exzesse an Weihnachten. Nur ist es mit der ökonomischen Disziplin nach der Finanzkrise ähnlich wie mit guten Silvestervorsätzen. Sie war allzu schnell verschwunden – zumindest was das Schuldenmachen angeht.

Nach der Lehman-Pleite kletterte die Kreditaufnahme in der Welt auf neue Rekorde und liegt heute nach Daten des McKinsey Global Institute um 72 Billionen Dollar höher als noch vor zehn Jahren. Selbst wenn man den Anstieg ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung setzt, bleibt noch immer eine spürbar höhere Verschuldung übrig. Kein Wunder, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) vor den Gefahren des immer weiter wachsenden Schuldenbergs warnt.

Ein Grund für die neuen Rekorde ist die ansteigende Staatsverschuldung. Viele Länder bekämpften die Krise mit Konjunkturpaketen oder mussten Banken mit Steuergeldern retten. Wiederholt entwickelte sich eine Krise der Privatwirtschaft zu einer öffentlichen Schuldenkrise wie in Griechenland, Irland oder Spanien. Insgesamt verdoppelte sich die Staatsverschuldung weltweit seit 2008.

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Besonders dramatisch ist die Entwicklung in China. Dort verfünffachten sich die Staatsverbindlichkeiten innerhalb eines Jahrzehnts auf knapp 30 Billionen Dollar – was über 250 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht.

Noch größere Sorgen bereitet die ausufernde Verschuldung der Unternehmen. Firmen rund um den Globus haben die ultraniedrigen Zinsen genutzt, um sich mit Krediten und Anleihen vollzusaugen. Von 2008 bis Mitte 2017 verdoppelte sich die Schuldenlast der Unternehmen weltweit auf rund 66 Billionen Dollar.

Der IWF befürchtet, dass ein Großteil dieser Summe in die riskanteren Regionen des Unternehmensuniversums geflossen ist und dass damit die Wahrscheinlichkeit eines „empfindlichen Abschwungs oder Stresses im Finanzsystem“ wächst, wie es im jüngsten Finanzstabilitätsbericht des IWF heißt.

Zwei Drittel des Kreditwachstums im Unternehmenssektor entfielen in den vergangenen zehn Jahren auf Schwellen- und Entwicklungsländer. Für die Experten des McKinsey Global Institute ist das ein gravierendes Risiko für die Weltwirtschaft, „vor allem, wenn sich die Firmen in fremden Währungen verschuldet haben“.

Wie schnell solche Risiken sich auswirken, ist gerade in der Türkei zu sehen, wo sich die Unternehmensschulden seit 2008 verdoppelt haben. Aber auch in Chile und Vietnam sind die Verbindlichkeiten der Firmen deutlich gestiegen. Der größte Risikofaktor ist aber auch hier China, wo sich die Schulden der Unternehmen nach rasantem Wachstum mittlerweile auf 163 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung summieren. Rund ein Drittel davon entfällt nach Berechnungen von McKinsey auf die Boombranchen Bau und Immobilien.

Keine Frage, das Wachstum in China ist enorm. Aber erst vor Kurzem warnten die japanische Regierung und die australische Notenbank vor der Ansteckungsgefahr durch eine potenzielle Schuldenkrise. „Chinas Regierung versucht alles, um die Verschuldung im privaten Sektor unter Kontrolle zu bringen, aber wenn der Berg ins Rutschen kommt, haben wir alle ein gewaltiges Problem“, konstatiert ein Frankfurter Topbanker.

4. Marktstabilität: Passives Investieren verstärkt Kursbewegungen

Im Vergleich mit den weltgrößten Vermögensverwaltern wirken selbst die größten Banken wie kleine Lichter. So managt Marktführer Blackrock 6,3 Billionen Dollar, Konkurrent Vanguard 5,2 Billionen Dollar. Ein großer Teil davon ist in Indexfonds (ETFs) angelegt, die die Entwicklung von Indizes wie dem Dax oder dem Euro Stoxx 50 abbilden.

Für Anleger sind diese Produkte oft eine gute Wahl, da bei ihnen deutlich weniger Gebühren anfallen als für aktiv betreute Fonds. Zudem haben sich ETFs in den vergangenen Jahren meist besser entwickelt als Produkte, die von Fondsmanagern individuell zusammengestellt wurden.

Für den Gesamtmarkt aber birgt der Trend zum passiven Investieren Gefahren: Immer weniger Investoren halten oder kaufen gezielt einzelne Aktien, wenn sie diese für unterbewertet halten. Immer weniger Investoren schwimmen damit gegen den Strom – Kurseinbrüche drohen heftiger auszufallen als in der Vergangenheit.

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Die Analysten von JP Morgan gehen davon aus, dass passive Investoren inzwischen rund zwei Drittel des Aktienmarkts ausmachen und aktive Anleger nur noch ein Drittel. Die Experten warnen vor heftigen Turbulenzen und einer „großen Liquiditätskrise“, falls die Märkte nach einer Negativnachricht auf Talfahrt gehen. Verstärkt werden könnte der Abwärtstrend dann auch durch Algorithmus-basierte Handelssysteme, die automatisch Papiere auf den Markt werfen, sobald ein bestimmtes Kursniveau unterschritten wird.

Große Gefahren lauern zudem am Derivatemarkt, obwohl die Politik dort nach der Finanzkrise ein Sicherheitsnetz eingezogen hat. Viele Derivategeschäfte müssen heute über sogenannte Clearinghäuser abgewickelt werden, die für Käufer oder Verkäufer einspringen, wenn einer der Handelsteilnehmer ausfällt. So soll das Finanzsystem sicherer und transparenter werden.

Die Schattenseite der Entwicklung: Clearinghäuser wurden durch die Reform selbst zu hochgradig systemrelevanten Institutionen. Wenn nun eines der großen Abwicklungshäuser in Schwierigkeiten geraten sollte, würde das Schockwellen durch das globale Finanzsystem senden. Begründet ist das durch die Größe des gewaltigen Geschäftsumfangs. Allein das Volumen an Zinsderivaten in Euro, das täglich abgewickelt wird, beträgt rund 1.000 Milliarden Euro.

Manche Finanzmanager vergleichen daher Clearinghäuser schon mit Atomkraftwerken. Wenn alles rundläuft, handelt es sich um eine beeindruckende Technologie. Geht aber etwas schief, wird die ganze Welt ein gewaltiges Problem bekommen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU ist aus Sicht von Experten sehr gering, aber eben auch nicht null.

Aktuell herrscht eine erhöhte Nervosität, weil sich große Verschiebungen am Clearingmarkt abzeichnen. Die Abwicklung von Derivategeschäften in Euro muss wegen des Brexit möglicherweise von London in die EU verlagert werden. Nicht nur die Bankenaufsicht hofft inständig, dass es dabei zu keinen größeren Unfällen kommen wird.

5. Cyberattacken: Verwundbare Infrastruktur

Finanzkrisen tauchen selten dort auf, wo sie schon einmal zugeschlagen haben. Deshalb zermartern sich Bankenaufseher die Köpfe darüber, wo der nächste Krisenherd entstehen könnte. Die Gefahr von Cyberattacken steht da recht weit oben auf der Agenda. Seit Gründung der gemeinsamen Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank im Jahr 2014 gehören IT- und Cyberrisiken zu den Schwerpunktthemen der Behörde, betont deren Chefin Danièle Nouy.

Das kommt nicht von ungefähr: Die Digitalisierung des Bankgeschäfts macht die IT-Systeme der Banken anfälliger für Attacken aus dem Internet. Je mehr Dienstleistungen Banken online und mobil anbieten, je mehr sie Aufgaben an externe Dienstleister auslagern, desto mehr Angriffsflächen bieten ihre IT-Systeme. Zugleich werden die Attacken immer professioneller.

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Vor gut einem Jahr blendeten Hacker Lösegeldforderungen auf den Bildschirmen der Deutschen Bahn ein, Trojanerangriffe legten britische Krankenhäuser lahm. Auch Banken wurden schon Opfer: Mehrfach drangen Cyberräuber in Kontosysteme von Banken ein und schleusten Millionenbeträge auf fremde Konten. Zu den Opfern zählen die Notenbank von Bangladesch, eine indische und eine russische Bank.

Banken sind für Hackerangriffe unterschiedlich gut gerüstet, beobachtet Uwe Kissmann, Cybersecurity-Experte von Accenture. „Wir stellen bei simulierten Hackerangriffen immer wieder fest, dass viele Unternehmen grundsätzlich große Probleme haben, einen Cyberangriff auch wirklich zeitnah zu identifizieren.“ Grundsätzlich könnten die Auswirkungen erfolgreicher Cyber‧attacken in der Bankenbranche „sehr groß sein“, warnt er. Schließlich betrifft so eine Attacke immer auch die Kunden und Geschäftspartner einer Bank.

Die EZB lässt sich schwere Attacken von großen Banken mittlerweile melden, in Deutschland müssen Banken Attacken dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik anzeigen. Ob es seither meldepflichtige Attacken gab, ist bislang nicht bekannt.

6. Politische Risiken: Gefahren sind nur auf den zweiten Blick zu erkennen

Wirtschaft gedeiht besonders gut in stabilen politischen Verhältnissen. Nach dem Index der PRS-Group ist Kanada weltweit am stabilsten. In Europa führt Norwegen die Liste an

Doch Vorsicht: Nicht jedes politische Desaster gefährdet das Finanzsystem. Vom 20. März bis zum 1. Mai 2003 dauerte offiziell der Irakkrieg, der den Anstoß zu einem Zusammenbruch der fragilen staatlichen Strukturen im Nahen Osten gab, der bis heute Tod und Flucht nach sich zieht. Am ersten Kriegstag legte der breite US-Aktienindex S&P 500 von 874 auf knapp 880 Punkte geringfügig zu.

Am Ende des Kriegs lag er bei 916 Punkten, also deutlich höher. Das Beispiel zeigt: Kriege sind nicht unbedingt schlecht für die Börse. Auch nicht für die Wirtschaft: Der weltweite Koreaboom in der Folge des gleichnamigen Kriegs ist bis heute in Erinnerung. Und selbst, als sich Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump vor einigen Monaten gegenseitig mit Drohungen überschütteten, juckte die Börse das nur relativ wenig, obwohl beide Länder über Atomwaffen verfügen.

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Für Finanzmärkte können nach außen eher unauffällige Vorgänge sich dagegen verhängnisvoll auswirken. Beispielsweise die Idee in den USA, ärmeren Bevölkerungsschichten statt Sozialleistungen künstlich verbilligte Immobilienkredite zur Verfügung zu stellen.

Das führte zu der Immobilienblase, deren Platzen 2008 beinahe das weltweite Finanzsystem in den Abgrund gerissen hätte. Diese Kredite werden heute immer noch vergeben, allerdings in eingeschränktem Maße. Noch immer wird über staatliche Förderbanken wie Fannie Mae und Freddie Mac ein großer Teil der Immobilienkredite vom Steuerzahler garantiert.

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Politische Fehler können überall in der Welt gemacht werden. In Europa richten sich zurzeit die sorgenvollen Blicke auf Italien. Das Land ist Schauplatz politischer Spannungen, die für die gesamte Euro-Zone ein Risiko darstellen. Während in den USA und Großbritannien de facto Regierung und Notenbank eng zusammenarbeiten können, steht die Europäische Zentralbank (EZB) im Spannungsfeld verschiedener politischer Interessen.

Die Frage ist, ob es mit anderen Mitteln gelingt, die Stabilität zu wahren.

In der öffentlichen Diskussion politischer Risiken, zum Teil auch an der Börse, spielen offensichtliche Probleme wie der Handelskonflikt zwischen den USA und anderen Ländern eine große Rolle. Geostrategisch ist der Nahe Osten das Pulverfass der Welt, das indirekt über den Zustrom von Flüchtlingen auch den Zusammenhalt in Europa gefährdet.

Außerdem ist ein wichtiges Problem, dass zwar das wirtschaftliche Gefälle der Weltregionen abnimmt, aber die Ungleichheit innerhalb einzelner Länder wächst. Doch zur Beantwortung der Frage, was wirklich das Finanzsystem gefährdet, muss man sehr genau hinschauen.

7. Geldpolitik: Verzerrungen an den Märkten

Die Notenbanken wurden nach der Lehman-Pleite zum wichtigsten Akteur, verhinderten einen Absturz der Wirtschaft. Knapp drei Wochen später senkten die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und andere Notenbanken in einer konzertierten Aktion die Zinsen.

Dies war nur der Anfang. Immer weitere Zinssenkungen folgten, bis die Zinsen historische Tiefststände erreichten. Bereits im November 2008 begann die Fed damit, Kreditverbriefungen und Staatsanleihen aufzukaufen. Die japanische Notenbank, die Bank von England und später die EZB folgten dem Beispiel.

Die Notenbanken pumpten dadurch in nie gekanntem Ausmaß Liquidität in den Markt und stabilisierten so nach der Krise die Wirtschaft. Gleichzeitig trieben sie aber auch die Vermögenspreise in die Höhe. Das gilt für Aktien und Anleihen ebenso wie für Immobilien. So lag die jährliche Durchschnittsrendite des Deutschen Aktienindexes (Dax) seit 2009 bei etwa 15,5 Prozent. Laut der Bundesbank sind die Immobilienpreise in deutschen Großstädten um bis zu 35 Prozent überbewertet.

Die Frage ist: Was passiert, wenn die Notenbanken die Liquidität zurückführen? Der Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Claudio Borio, fürchtet, dass dies zu Verwerfungen führen könnte. Aus seiner Sicht haben die Notenbanken durch ihre lockere Geldpolitik die Märkte lange Zeit in falscher Ruhe gewogen und die Anleihe- und Aktienpreise künstlich verteuert.

Die Fed hat bereits die Zinsen in mehreren Schritten angehoben und damit begonnen, ihre Bilanz zu schrumpfen, indem sie auslaufende Staatsanleihen aus dem Bestand nicht mehr ersetzt. Auch die EZB könnte im nächsten Jahr die Zinsen anheben. Welche Probleme mit einem Liquiditätsentzug verbunden sind, zeigt sich derzeit in den Schwellenländern wie Türkei oder Argentinien. Die verschuldeten sich in Dollar, die straffere Geldpolitik in den USA ist ein wichtiger Auslöser für die Turbulenzen.

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2 Kommentare zu "Crash-Risiko steigt: Das sind die 7 größten Gefahrenherde für eine neue Finanzkrise"

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  • Überall wird immer wieder behauptet ,die Deutschen haben Angst vor Aktien.
    seit ein paar Wochen ist nun in den Medien der große Crash in aller Munde, das erzeugt bei den meisten nicht gerade eine Kauflaune. Kann es sein das der immer wieder angekündigt die Crah gar nicht kommt und interessierte Kreise mit diesen Crashgeschrei ihr eigenes Süppchen kochen , manchmal hat man den Eindruck .

  • Guter Artikel, Danke!
    Die Gefahrenherde werden gut aufgezeigt, doch bitte ich folgendes zu bedenken:
    1. Bei Schattenbanken lässt es sich nicht gut an auf ungesicherten Krediten zu spekulieren - "Arme haben nichts mit Schattenbanken am Hut, nur reiche Spekulanten würden Geld verlieren" - eine Rettung durch den Staat sollte ausgeschlossen sein.
    2. Die regulierten Geschäftsbanken achten sehr genau auf Sicherheiten, die Kreditvergabe erfolgt restriktiv. In Deutschland werden langfristig Kredite mit fixem Zins vergeben, das hilft den Investoren und Häuslebauern.
    3. Cyberattacken lassen sich technologisch sehr gut abwehren, die Technologie ist ausgereift und beherrschbar. Die IT darf nur nicht "schlafen".

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