Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

Cum-Ex-Skandal Insolvenzverwalter der Maple Bank verklagt Freshfields

Die Maple Bank verließ sich bei dubiosen Aktiendeals auf die Anwälte von Freshfields Bruckhaus Deringer. Der Insolvenzverwalter der Bank fordert nun 95 Millionen Euro von den Juristen.
Kommentieren
Das Geldhaus betrieb von 2006 bis 2010 Cum-Ex-Geschäfte in großem Stil – und brach 2016 zusammen. Quelle: dpa
Maple Bank

Das Geldhaus betrieb von 2006 bis 2010 Cum-Ex-Geschäfte in großem Stil – und brach 2016 zusammen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfGuter Rat war teuer, in diesem Fall bis zu 750 Euro pro Stunde. Jahrelang rechneten die Anwälte von Freshfields Bruckhaus Deringer mit Beratung zum Thema Cum-Ex satte Honorare ab. Banken wollten von der Kanzlei wissen, ob diese Methode, Aktien zu handeln, juristisch unbedenklich war. Immerhin ließen sich die erwarteten zweistelligen Renditen nur erzielen, wenn sich die Akteure eine einmal abgeführte Kapitalertragsteuer zweimal erstatten ließen. War das legal?

War es, sagten die Freshfields-Experten. Wieder und wieder bestätigten sie ihren Mandanten, dass der doppelte Griff in die Steuerkasse prinzipiell rechtlich tragbar sei. Die „überwiegende Wahrscheinlichkeit“, so die gebräuchlichste Formulierung in den Gutachten, spreche für ein Gelingen der Geschäfte.

383 Millionen Euro Schaden

Dann gelangen sie nicht mehr. Neue Steuerbescheide wurden verweigert, alte korrigiert. Es begann ein Hauen und Stechen. Kunden verklagten ihre Banken, Banken ihre Kunden, beide ihre Berater. Die kleine Maple Bank brach 2016 unter dem Druck zusammen.

Nun macht ihr neuer Chef eine neue Rechnung auf: Auf zunächst 95 Millionen Euro verklagt Insolvenzverwalter Michael Frege Freshfields, wie das Landgericht Frankfurt auf Nachfrage mitteilte. Die Kanzlei möchte nicht zahlen. Ein Sprecher: „Wir werden uns vollumfänglich verteidigen. Für Ansprüche gegen unsere Kanzlei sehen wir keine Grundlage.“

Frege wollte sich nicht äußern. Seine Argumentation: Maple betrieb von 2006 bis 2010 Cum-Ex in großem Stil. Die Behörden bezifferten später den Schaden für die Allgemeinheit auf 383 Millionen Euro. Nur ein kleinerer Teil davon war zu retten, die Bank ging pleite. Der Rat von Freshfields kann nicht richtig gewesen sein.

Seither kümmern sich die Strafverfolgungsbehörden und der Insolvenzverwalter um sie. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zählt 18 Beschuldigte. Einige berichteten den Ermittlern, dass die Bank viele Cum-Ex-Geschäfte im Alleingang machte. Das war ungewöhnlich. Viele Cum-Ex-Akteure behaupten bis heute, die verschiedenen Beteiligten an diesen Geschäften hätten keine Absprachen getroffen, ja sie hätten einander nicht einmal gekannt.

Verantwortung wird auf Anwälte abgewälzt

Die Maple Bank ließ diese Fassade weg. Die deutschen Mitarbeiter handelten die Aktien mal mit ihren Kollegen in Großbritannien, mal mit denen in Italien, jedenfalls immer im Kreis im eigenen Haus. Der Vorteil: Die Profite mussten mit niemandem geteilt werden.

Kenner des Falls Maple berichten, dass auch dies mit dem juristischen Segen von Freshfields geschah. Einige der Beschuldigten weisen die Verantwortung darum den Anwälten zu. Freshfields sei eine Topkanzlei. Die Beteiligten hätten, ihren Ratschlägen folgend, schlicht nicht gewusst, dass sie Unrecht tun. Juristen sprechen von einem „unvermeidbaren Verbotsirrtum“.

Die Steuerexperten von Freshfields mussten in Sachen Cum-Ex bereits 2016 zum Rapport im Untersuchungsausschuss des Bundestags antreten. 2017 durchsuchte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt dann die Kanzlei, im vergangenen Jahr folgte die zweite Razzia. Im Fall Maple sind mittlerweile zwei ihrer Steuerpartner beschuldigt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • iw
  • vov
Startseite

Mehr zu: Cum-Ex-Skandal - Insolvenzverwalter der Maple Bank verklagt Freshfields

0 Kommentare zu "Cum-Ex-Skandal: Insolvenzverwalter der Maple Bank verklagt Freshfields"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.