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Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

Durchsuchungen bei Privatbank Dauerbesuch der Staatsanwaltschaft: Cum-Ex-Affäre erreicht Führungsetage von Hauck & Aufhäuser

Ermittler machen bei ihrer dreitägigen Razzia reiche Beute bei der Frankfurter Privatbank. Der Skandal um fragwürdige Aktiengeschäfte reicht offenbar bis in die Spitze der Bank.
20.08.2020 - 17:47 Uhr 1 Kommentar
Hauck Aufhäuser Lampe wird 1300 Mitarbeiter beschäftigen. Quelle: ddp images/Joerg Koch
Hauck & Aufhäuser

Hauck Aufhäuser Lampe wird 1300 Mitarbeiter beschäftigen.

(Foto: ddp images/Joerg Koch)

Düsseldorf Die Gäste kamen Anfang der Woche überraschend, jetzt wollen sie nicht mehr gehen. Am Dienstagmorgen verschafften sich Staatsanwälte, Steuerfahnder und Polizisten Zutritt zu den Geschäftsräumen der Privatbank Hauck & Aufhäuser in Frankfurt und München. Am Mittwoch kamen sie wieder, und auch am Donnerstag setzten die Ermittler ihre Durchsuchung fort. Nach Handelsblatt-Informationen verläuft die Razzia sehr ergiebig.

Die Staatsanwaltschaft äußert sich dazu nicht. Aus dem Umfeld der Bank heißt es, Hauck & Aufhäuser soll an Geschäften auf Kosten der Steuerzahler beteiligt gewesen sein. Die dubiosen Methoden sind seit Jahren unter dem Stichwort Cum-Ex bekannt. Dabei wurden Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch so gehandelt, dass die Finanzämter den Beteiligten doppelt so viel Steuer erstatteten, wie sie zahlten.

Die Masche wurde 2012 durch den Gesetzgeber unmöglich gemacht – bei Hauck & Aufhäuser soll ein Nachfolgemodell praktiziert worden sein. Mit sogenannten „Reverse Market Claims“ oder „Shared Accounts“ wurden Steuern gar nicht erst gezahlt, sondern nur die Erstattungen geltend gemacht.

„Bei den aktuellen Durchsuchungen gehe es um Tatzeiträume bis 2016“, sagt Ulrich Bremer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln. Er spricht von „Cum-Ex-ähnlichen Geschäften“. Hauck & Aufhäuser soll nach Handelsblatt-Informationen als Depotbank sowohl auf Verkäufer- als auch auf Käuferseite aufgetreten sein.

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    Das deutet darauf hin, dass die Bank einen guten Überblick über das Geschehen hatte. Bei früheren Ermittlungen entschuldigten sich viele Verdächtige damit, nur einen Ausschnitt der Geschäfte gekannt zu haben. Für die Ermittler gilt: Je mehr ein Beteiligter weiß, desto größer ist seine mutmaßliche Schuld.

    Bank-Manager in Erklärungsnot

    Nach Handelsblatt-Informationen war bei Hauck & Aufhäuser das Wissen um die dubiosen Geschäfte offenbar umfassend – und reichte bis in die Spitze der Bank. „Im Topmanagement fing alles an“, sagt ein Insider. Die Bank wirkte bei fragwürdigen Steuergeschäften mit, für die Fonds mit den Namen von Edel- und Schmucksteinen genutzt wurden, darunter „Smaragd“, „Amethyst“ und „Amber“. Daneben geht es um ein Vehikel namens Fidus Capital Investment AG. Die Finanzfirmen sollen so konstruiert worden sein, dass sie von der Steuer befreit waren.

    Offiziell gibt sich Hauck & Aufhäuser gesprächsbereit. „Wir kooperieren selbstverständlich weiterhin mit den Behörden“, sagte eine Sprecherin. „Bereits im Jahr 2018 hat Hauck & Aufhäuser den Sachverhalt von einer externen internationalen Rechtsanwaltskanzlei untersuchen lassen.“

    Der Name dieser Kanzlei ist Baker Tilly. Konsequenzen gab es nach deren Untersuchung allerdings keine – sie war offenbar ganz im Sinne ihrer Auftraggeber. Die Staatsanwaltschaft forscht deshalb nun selbst – und ist nach Informationen des Handelsblatts auch schon fündig geworden – in der Revisionsabteilung der Bank.

    Vorstandschef in Erklärungsnot

    Bei Compliance-Mitarbeitern gab es anscheinend deutliche Zweifel an den durchgeführten Geschäften. Die Begriffe „Cycling“ und „Double Dip“ – also Kreisgeschäfte und Doppelerstattungen – seien verwendet worden. Es sind Codewörter für Cum-Ex-Geschäfte. Auch mit einer möglichen Einleitung eines Strafverfahrens soll sich die Bank befasst haben. Insider berichten zudem davon, dass belastendes Material beseitigt werden sollte.

    Vorstandschef Michael Bentlage muss all dies nun seinen ausländischen Eigentümern erklären. Seit 2016 gehört Hauck & Aufhäuser zum chinesischen Investmentriesen Fosun. Dass die mutmaßliche Tatzeit ausgerechnet mit dem Übernahmedatum zusammenfiel, dürfte zu scharfen Nachfragen aus der Zentrale in Shanghai führen. Fosun äußerte sich auf Anfrage nicht.

    Das Leitbild der deutschen Bank jedenfalls ist ein anderes. „Das tragende Fundament des freien wirtschaftlichen Systems ist die volle persönliche Verantwortung des Wirtschaftenden für seine Handlungen in moralischer und finanzieller Beziehung“, formulierte der Gründernachfahre und einstige Bankchef Otto Hauck 1931. „Der sittliche Maßstab, der dabei anzulegen ist, findet seinen Niederschlag in der seit Jahrhunderten herausgebildeten Tradition des ehrbaren Kaufmanns.“

    Mehr: Warum es bei der Aufarbeitung des historischen Steuerbetrugs nur langsam vorangeht

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    1 Kommentar zu "Durchsuchungen bei Privatbank: Dauerbesuch der Staatsanwaltschaft: Cum-Ex-Affäre erreicht Führungsetage von Hauck & Aufhäuser"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Gründernachfahre und einstige Bankchef Otto Hauck 1931. „Der sittliche Maßstab, der dabei anzulegen ist, findet seinen Niederschlag in der seit Jahrhunderten herausgebildeten Tradition des ehrbaren Kaufmanns.“
      Konnte mich kaum halten vor Lachen.

      Wenn man sich die Exzesse der Finanzindustrie anschaut könnte man wahrscheinlich - vom Agieren her - viele Institute gleich der Mafia zuordnen.

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