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Cyprus Coop Zweitgrößte Bank Zyperns sucht verzweifelt einen Retter

Die Finanzkrise auf Zypern schien schon lange abgehakt, die Zukunft positiv. Aber jetzt ruft das zweitgrößte Geldinstitut der Insel um Hilfe.
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Blick vom griechischen Teil der Stadt auf den türkischen Teil. Quelle: Foto: dpa
Nikosia

Blick vom griechischen Teil der Stadt auf den türkischen Teil.

AthenEs klang beruhigend, was Moody’s Investor Service Mitte März über den Finanzsektor der Inselrepublik Zypern schrieb: Das starke Wirtschaftswachstum, der Boom im Tourismus, das Comeback des Immobilienmarktes und eine robuste Binnennachfrage – beste Voraussetzungen für die Geldhäuser. „Wir halten an unserem positiven Ausblick für das zyprische Bankensystem fest“, bekräftigte Moody’s-Analystin Melina Skouridou Mitte März.

Aber zur gleichen Zeit verbrachte Nicholas Hadjiyiannis, der CEO der Cyprus Cooperative Bank Ltd. (Cyprus Coop), schlaflose Nächte. Seit Ende 2017 hatten verängstigte Kunden bereits Einlagen von 1,9 Milliarden Euro von ihren Konten abgezogen. Allein im März flossen 700 Millionen ab. „Diese Tage waren ein einziger Albtraum“, erinnert sich der Banker. Nur eine Anfang April verabreichte staatliche Spritze von 2,5 Milliarden Euro konnte die Liquidität der Bank sichern.

Aber gerettet ist Cyprus Coop damit noch nicht. Das Institut droht unter der Last seiner Problemkredite zusammenzubrechen. Die Summe der notleidenden und ausfallgefährdeten Darlehen beläuft sich auf 6,2 Milliarden Euro.

Das entspricht rund 60 Prozent aller ausgereichten Kredite der Bank oder einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Insel. Jetzt sucht die Cyprus Coop einen Investor, der entweder über eine Kapitalerhöhung das gesamte Institut übernimmt oder die rentablen Teile der Bank kauft.

Damit rückt eine Krise wieder in den Fokus, die bereits abgehakt schien. Dem aufgeblähten Bankensystem war es geschuldet, dass Zypern 2012 in der Strudel der Griechenland-Turbulenzen geriet. Auf dem Höhepunkt des Bankenbooms erreichte die Bilanzsumme der zyprischen Institute das Neunfache des BIP.

Vor allem in der ehemaligen Sowjetunion sammelten Zyperns Banker Einlagen, die sie größtenteils in griechische Staatsanleihen investierten. Die Banken versprachen Diskretion, und die Papiere hohe Renditen – bis zum griechischen Schuldenschnitt vom Februar 2012. Mit ihm verloren die zyprischen Banken fast ihr gesamtes Eigenkapital. Das damals zweitgrößte Institut, die Laiki Bank, wurde abgewickelt.

Der Branchenführer Bank of Cyprus wurde mit einem Rückgriff auf nicht versicherte Einlagen rekapitalisiert. Wer mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hatte, verlor fast 60 Prozent. Bonds der Banken, damals in Zypern eine beliebte Anlage, wurden in praktisch wertlose Aktien umgewandelt.

Enormes Kreditrisiko bei Cyprus Coop

Die Cyprus Coop wurde mit öffentlichen Hilfen von 1,7 Milliarden Euro gerettet und damit verstaatlicht. Heute ist sie, gemessen an der Bilanzsumme, die zweitgrößte Bank der Insel, nach Zweigstellen und Einlagen sogar die größte.

Das 2013 formulierte Ziel, die Bank an die Börse zu bringen, private Investoren zu gewinnen und den Staatsanteil auf 25 Prozent zu drücken, scheiterte aber vor allem an den immensen Kreditrisiken. Sie sind bei der Cyprus Coop mit 60 Prozent der Kreditsumme viel höher als im Branchendurchschnitt, der Ende Dezember 2017 nach Angaben der zyprischen Zentralbank bei 43,7 Prozent lag.

Der Internationale Währungsfonds drängt die Regierung in Nikosia seit langem, den rechtlichen Rahmen für den Abbau der Problemkredite zu verbessern und das Insolvenzrecht zu überarbeiten. So dürfen nach geltendem Recht beliehene Immobilien nicht zwangsversteigert werden, wenn es sich um den Erstwohnsitz des Schuldners handelt.

Diese Regelung ermutigt viele Hausbesitzer, ihre Hypothekenkredite nicht mehr zu bedienen, obwohl sie es könnten. Die Cyprus Coop ist davon besonders betroffen, weil ein hoher Anteil ihrer notleidenden Darlehen auf Immobilienkredite entfällt.

Die prekäre Lage der Bank bleibt den Kunden nicht verborgen. Gerüchte über ein drohendes Bail-in, eine Zwangsbeteiligung der Einleger, führten ab Dezember 2017 dazu, dass viele Kunden ihre Konten plünderten.

Die Erinnerung an das Bankendesaster vom Frühjahr 2013, als Hunderttausende Sparer ihre Vermögen verloren, ist auf Zypern noch frisch. Mit der staatlichen Liquiditätsspritze von Anfang April hat sich die Lage zwar entspannt. Aber wenn nicht bald eine tragfähige Lösung für das Geldinstitut gefunden wird, könnte der nächste Bankrun drohen.

Im März startete die Bank die Ausschreibung für einen Investor. Die Angebotsfrist lief ursprünglich am kommenden Montag ab, wurde inzwischen aber bis Mitte Mai verlängert. Es gebe Interesse von Investoren, versichert man in Finanzkreisen der Inselhauptstadt Nikosia. Bisher hat öffentlich nur die Hellenic Bank, das drittgrößte Kreditinstitut der Insel, Interesse an der Ausschreibung bekundet.

Ein möglicher Sanierungsplan könnte so aussehen, dass Hellenic die rentablen Teile der Coop übernimmt und die faulen Kredite einer Vermögensverwaltungsgesellschaft weiterreicht. Finanziert werden könnte der Kauf über eine Kapitalerhöhung von Hellenic. Zyprische Medien nennen als Interessenten für den Einstieg bei Hellenic drei U.S.-Investmentgesellschaften, nämlich Lone Star Funds, Atlas Merchant Capital und J.C. Flowers & Co.

Als systemrelevante Banken stehen sowohl die Cyprus Coop wie auch Hellenic unter Kontrolle der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Bankenaufsicht SSM. Sie müsste einen solchen Sanierungsplan genehmigen. In Bankenkreisen heißt es, die EZB stehe einer Fusion des gesunden Teils der Coop mit einer anderen zyprischen Bank positiv gegenüber. Auch Zyperns Finanzminister Harris Georgiades glaubt, dass die EZB eine solche Lösung favorisiert.

Die Zeit drängt. Es geht um mehr als das Schicksal der zweigrößten Bank Zyperns und die Gelder ihrer Kunden. Rutscht die Coop in eine neue Liquiditätskrise, könnten die Schockwellen auch andere Problem-Banken im Euro-Raum erschüttern.

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