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Danske-Skandal Die Stimmen für einen gemeinsamen Kampf gegen Geldwäsche werden lauter

Banken und Regulierer fordern besseren Austausch über dubiose Finanzströme. In den Danske-Skandal sind mehrere Banken verwickelt, auch die Deutsche Bank steht im Visier der Ermittler.
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Der Whistleblower fordert besseren Schutz. Quelle: Bloomberg
Howard Wilkinson

Der Whistleblower fordert besseren Schutz.

(Foto: Bloomberg)

London, Frankfurt Der Geldwäscheskandal bei der dänischen Danske Bank schreckt Regulierer und Banken in Europa auf. Führende Branchenvertreter forderten am Mittwoch einen besseren Datenaustausch zwischen Geldhäusern und eine Harmonisierung der Regeln in Europa.

„Es sollte mehr internationale Kooperation geben“, sagte Gonzalo Gasos, der Regulierungschef des europäischen Bankenverbands EBF, auf der Handelsblatt-Tagung „European Banking Regulation“. Deutsche-Bank-Vorstand Sylvie Matherat plädierte für einheitliche Vorgaben bei der Bekämpfung von Geldwäsche.

„Wir müssen uns überall an andere Regeln halten, weil das Thema national geregelt ist“, sagte Matherat. „Es wäre sicher besser, wenn es eine stärkere Harmonisierung gäbe.“

Auch im Europaparlament forderten führende Bankmanager eine bessere Zusammenarbeit. „Da Finanzverbrechen sich über Grenzen und Geldinstitute hinweg erstrecken, sollten wir Informationen zwischen den Banken austauschen können“, sagte Diederik van Wassenaer, Regulierungschef bei der niederländischen Großbank ING.

Jede Bank habe nur ein unvollständiges Bild einer komplexen Transaktion, erst durch einen Datenaustausch würde die komplette Kette sichtbar. Danske-Interimschef Jesper Nielsen stimmte zu: Banken müssten untereinander und mit den Behörden enger zusammenarbeiten.

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Die Vertreter von Danske und ING waren vor den Sonderausschuss zu Finanzkriminalität, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung in Brüssel geladen worden, weil ihre Institute in massive Geldwäscheskandale verwickelt sind. Die estnische Niederlassung der Danske Bank hatte zwischen 2007 und 2015 mehr als 200 Milliarden Dollar an illegalen Kundengeldern aus Russland und anderen früheren Sowjetrepubliken in den Westen geschleust.

Die Ermittlungen dauern noch an. ING war im September in einem separaten Fall wegen mangelnder Kontrollen zu einer Zahlung von 775 Millionen Euro verdonnert worden.

In den Danske-Skandal sind mehrere Banken verwickelt, auch die Deutsche Bank steht im Visier der Ermittler. Sie war eine von drei Korrespondenzbanken, die anderen waren die US-Institute JP Morgan Chase und Bank of America. Als die Verbindung diese Woche bekannt wurde, fiel die Deutsche-Bank-Aktie auf einen neuen Tiefstand. Die Anleger fürchten neue Rechtskosten.

Untätige Behörden

Matherat wies die Vorwürfe zurück. Als Korrespondenzbank sei es nicht die Aufgabe der Frankfurter gewesen, Danske-Kunden zu kontrollieren, sagte sie. „Die Bank selbst ist verantwortlich dafür, ihre Kunden zu überprüfen.“

Die Deutsche Bank sehe sich Transaktionen für andere Institute genau an und versuche, verdächtige Geschäfte zu erkennen, erklärte Matherat. Zudem gebe es Kontrollen der Banken, mit denen man zusammenarbeite. „Aber diese sind begrenzt, weil wir keinen Zugang zu deren Kundenbasis haben.“ Zum Umfang der Geschäfte äußerte sie sich nicht.

Aber sie machte deutlich, dass die in der Presse genannte Zahl von 150 Milliarden Dollar über acht Jahre im Vergleich zum gesamten Geschäftsvolumen der Bank gering sei. „Wir wickeln jeden Tag Bankgeschäft mit einem Volumen von 450 bis 500 Milliarden Dollar ab.“

Der Danske-Skandal unterstreicht, wie groß das Geldwäscheproblem in Europa ist. Und er erinnert daran, dass die Behörden oft untätig zuschauen. Banken in mindestens acht europäischen Ländern seien involviert, sagte der Danske-Whistleblower Howard Wilkinson bei der Anhörung im Europaparlament. Deshalb sei ein verstärktes europäisches Vorgehen angebracht.

Der Brite war sieben Jahre lang für die Danske-Niederlassung in Estland verantwortlich und hatte den Skandal 2013 ins Rollen gebracht. Wilkinson zeichnete ein anderes Bild als Matherat.

Ohne die Deutsche Bank beim Namen zu nennen, sagte er, die US-Tochter der europäischen Bank habe eine „relaxte Einstellung“ zu Kontrollen gehabt. Sie habe neun Jahre gebraucht, um die Verbindung zur Danske Bank zu trennen. Die Deutsche Bank beendete das Verhältnis erst 2015, JP Morgan hatte bereits 2013 Konsequenzen gezogen.

Neues Anti-Geldwäsche-Büro

Die EU will ihren Kampf gegen Geldwäsche verstärken. Ein neues Anti-Geldwäsche-Büro bei der EZB soll den Informationsaustausch zwischen der Bankenaufsicht und anderen Behörden verbessern. Doch eine neue europäische Superbehörde ist unrealistisch. Denn neben unterschiedlichen Gesetzen gibt es in den Mitgliedstaaten verschiedene Behörden, die für den Kampf gegen Geldwäsche zuständig sind.

Wilkinsons Anwalt Stephen Kohn empfahl dem Ausschuss das amerikanische Whistleblower-Gesetz als Vorbild. Nur wenn man Whistleblower finanzielle Anreize gebe und ihre Identität wirksam schütze, könne man effektiv gegen Geldwäsche vorgehen, sagte der Amerikaner. „Ohne einen Insider wissen Sie nicht, dass es das Verbrechen überhaupt gibt.“

Die Behörden entdecken das Thema erst langsam. „Geldwäsche hat in Europa lange keinen interessiert“, sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. „Wir sehen hier eine Kombination aus Markt- und Staatsversagen.“ Einzelpersonen wie Wilkinson brächten die Skandale ins Rollen, die Behörden liefen nur hinterher.

Einer dieser Einzelkämpfer ist Bill Browder. Der frühere Hedgefonds-Manager kämpft seit neun Jahren gegen Geldwäsche, nachdem sein Anwalt Sergej Magnitsky in einem russischen Gefängnis gestorben war. Magnitsky hatte herausgefunden, dass russische Beamte 230 Millionen Dollar an Steuergeldern auf private Konten ins Ausland verschoben hatten.

Seitdem jagt Browder mit einem kleinen Team alle, die von diesen Millionen profitiert haben. Er habe die gesamte Summe inzwischen gefunden, sagt der Aktivist. Seine Mission sei aber nie vorbei, weil er auf immer neue Geldwäsche-Netzwerke stoße.

Auch im Danske-Fall hatte er bereits 2013 die estnischen und dänischen Behörden alarmiert. Die Reaktion war enttäuschend. Es gebe nirgendwo eine wirksame Strafverfolgung, sagt Browder. Dabei helfe nur Abschreckung. „Sie müssen ein paar Typen von der Danske Bank im Gefängnis sehen, dann wird das schmutzige Geschäft mit den Scheinfirmen schon enden.“

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