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Danske-Skandal Razzia bei Swedbank – Geldwäsche-Affäre spitzt sich dramatisch zu

Die Geldwäsche-Vorwürfe gegen die schwedische Bank erhalten nach einem TV-Bericht neue Nahrung. Es fällt der Name des Ex-Trump-Beraters Paul Manafort.
Update: 27.03.2019 - 14:39 Uhr Kommentieren
Über Konten der Bank sollen im Zuge des Skandals bei der dänischen Danske Bank in Estland umgerechnet fast vier Milliarden Euro gewaschen worden sein. Quelle: Bloomberg
Die Zentrale der Swedbank in Stockholm

Über Konten der Bank sollen im Zuge des Skandals bei der dänischen Danske Bank in Estland umgerechnet fast vier Milliarden Euro gewaschen worden sein.

(Foto: Bloomberg)

Kopenhagen Die Pressemitteilung der Swedbank am Mittwochvormittag klang noch relativ harmlos. „Wir bestätigen, dass die EBM (Ekobrottsmyndighete, Schwedens Ermittlungsbehörde für Wirtschaftskriminalität) eine Aktivität in der Konzernzentrale von Swedbank eingeleitet hat.“ Hinter der „Aktivität“ verbirgt sich jedoch eine dramatische Zuspitzung des seit Monaten schwelenden Geldwäscheskandals, in den mehrere nordeuropäische Banken verwickelt sind.

Am Mittwochvormittag führte die Behörde nämlich eine großangelegte Razzia bei Schwedens ältester Bank, Swedbank, durch. Der Grund: Man wolle Material sicherstellen, das möglicherweise auf illegale Insiderinformationen hindeuten könne, erklärte die EBM.

Die Beamten wollen herausfinden, ob die Swedbank-Leitung unter ihrer Chefin Birgitte Bonnesen ihren Hauptaktionären, darunter mehrere schwedische Pensionsfonds, Insiderinformationen über eine Verwicklung der Bank in einen der größten Geldwäscheskandale in Europa gegeben hat. Die Aktie des Instituts reagierte mit einem Kurssturz von zeitweise elf Prozent.

Bereits im Februar hatte die Tageszeitung „Dagens Nyheter“ berichtet, dass die 15 größten Swedbank-Aktionäre über eine bevorstehende TV-Dokumentation zur Swedbank-Verwicklung in den Geldwäscheskandal informiert wurden. Nach der Ausstrahlung des Films brach der Kurs der Swedbank-Aktie massiv ein.

In der Fernsehdokumentation des öffentlich-rechtlichen Senders SVT wurde gezeigt, dass Swedbank zwischen 2007 und 2015 über ihre Filialen in den baltischen Ländern insgesamt 40 Milliarden Kronen (3,8 Milliarden Euro) gewaschen hat. Geheime Dokumente, die dem Fernsehsender vorliegen, deuten darauf hin, dass Swedbank in dem Zeitraum zahlreiche Geldtransaktionen zusammen mit der in den größten europäischen Geldwäsche-Skandal verwickelten Danske Bank durchgeführt hat.

Dieser Skandal wurde im vergangenen Jahr bekannt. Dänemarks größte Bank soll zwischen 2007 und 2015 über seine kleine Filiale in Estland Transaktionen von nicht in Estland lebenden Personen und Unternehmen mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro durchgeführt haben. Das hatte ein interner Untersuchungsbericht der Bank ergeben. Ein Großteil der Transaktionen gilt als „verdächtig“, wie es in dem Bericht heißt. 

Die Auftraggeber der Transaktionen sollen aus Russland, Moldawien und Aserbaidschan stammen. Im Fall der Swedbank waren die jetzt näher untersuchten Auftraggeber mindestens 50 Unternehmenskunden mit ein und derselben Adresse in Großbritannien. Außerdem tauchen in den Dokumenten mehrere tausend Privatkunden mit Konten bei den baltischen Swedbank-Filialen auf, die in Steuerparadiesen wie den Britischen Jungfraueninseln und Belize gemeldet sind. Es habe „klare Anzeichen für Geldwäsche“ gegeben, heißt es in dem TV-Bericht.

Ex-Wahlkampfmanager von Trump erhielt Zahlungen

Für den Fall interessieren sich auch amerikanische Behörden. Nicht zuletzt, weil viele Transaktionen in Dollar durchgeführt worden sind. Auch gehört der ehemalige und inzwischen zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Berater von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, zu den Personen, die über die Swedbank verdächtige Zahlungen aus Osteuropa erhalten hat. Auch der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch, der nach seinem Sturz nach Russland flüchtete, zählte den Dokumenten zufolge zu den Swedbank-Kunden.

Besonders brisant kann es für die schwedische Bank werden, wenn sich bewahrheiten sollte, dass Swedbank im vergangenen Jahr amerikanische Untersuchungsbehörden nicht wahrheitsgemäß über die Zahlungen an Manafort informiert hat.

Swedbank ist die schwedische Bank, die sich nach der Unabhängigkeit der baltischen Länder von der damaligen Sowjetunion am stärksten in der Region etabliert hat. Swedbank-Chefin Birgitte Bonnesen, die von 2011 bis 2014 verantwortlich für die Geschäfte im Baltikum war, hat bislang immer wieder beteuert, dass ihre Bank mit dem Geldwäsche-Skandal der Danske Bank nichts zu tun habe. Swedbank habe eine völlig andere Kundenstruktur als die Danske Bank. „Wir haben uns auf einheimische Kunden konzentriert. Das ist eine ganz andere Sache“, sagte sie.

Swedbank-Chefin gerät unter Druck

Nach den neuesten Enthüllungen und der Razzia ist der Druck auf sie gewachsen, zumal der Aktienkurs nach Bekanntwerden der Vorwürfe um sechs Prozent gefallen ist. Nach der Razzia brach er noch einmal um rund sechs Prozent ein. In der Wirtschaftszeitung „SvD Näringsliv“ wurde bereits über ihren Rücktritt spekuliert. „Lüge oder null Kontrolle?“, fragte die Online-Ausgabe vor einer Woche und reichte die Antwort gleich nach: „Swedbanks Chefin wird es schwer haben, den Posten zu behalten“.

Bislang betont die Bank, dass man mit allen Behörden kooperiere. Doch die Kritik an der Bank-Leitung wächst von Tag zu Tag. Nach der Razzia erklärte der Chef des Verbandes der schwedischen Kleinaktionäre, Joacim Olsson, dass die großen Aktionäre die Führung der Bank auf der am Donnerstag stattfindenden Hauptversammlung nicht entlasten sollten.

„Eine Bank, die im Prinzip tagtäglich seit einem Monat Gegenstand neuer Enthüllungen über Geldwäsche und Lügen gegenüber amerikanischen Behörden ist, sollte nicht aus der Verantwortung entlassen werden“, erklärte er gegenüber der Zeitung „Svenska Dagbladet“. „Es ist einfach ‚too much‘“.

Einer der Hauptaktionäre bei Swedbank, der Pensionsfonds Alecta, begrüßte die Razzia. „Es ist gut, dass EBM nun alles unternimmt, um Klarheit in diesem Fall zu schaffen“, erklärte ein Sprecher. Und Finanzmarktminister Per Bolund forderte, dass „alle Karten auf den Tisch gelegt werden“. Auf der für Donnerstag angesetzten Hauptversammlung dürfte es turbulent zugehen.

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