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Datenklau Hackerangriffe sorgen für Zweifel an Clouds für Banken

Die Banken lagern immer mehr Daten und IT-Anwendungen an externe Anbieter aus. Hackerangriffe werfen immer wieder Fragen nach der Sicherheit auf.
Update: 05.08.2019 - 15:05 Uhr Kommentieren
Banken lagern immer mehr ihrer Daten und IT-Anwendungen an externe Anbieter aus. Quelle: ddp images/Ian Lishman/Juice Ima
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Banken lagern immer mehr ihrer Daten und IT-Anwendungen an externe Anbieter aus.

(Foto: ddp images/Ian Lishman/Juice Ima)

Frankfurt, Düsseldorf Sie lebte mit drei Mitbewohnern in einem heruntergekommenen Haus in Seattle. Ihre Tage verbrachte Paige T. offenbar vor allem mit dem Onlinespiel Counter-Strike. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg beschreiben ihre WG-Genossen die 33-jährige IT-Spezialistin als brillant, aber introvertiert. Seit vergangenem Montag ist Paige T. wegen Computerbetrugs angeklagt.

Hinter dieser dürren Beschreibung der US-Behörden verbirgt sich ein spektakulärer Hackerangriff. Paige T. gelang es, sich auf die Daten Zugriff zu verschaffen, die der fünftgrößte US-Kreditkartenanbieter Capital One bei Amazon Web Services (AWS) speichert. So kam die Hackerin aus Seattle an die vertraulichen Daten von mehr als 100 Millionen Kunden. Das FBI kam der Angeklagten nur auf die Spur, weil sie im Netz mit ihren Attacken prahlte.

In diesen verdächtigen Postings tauchen auch die Namen anderer Unternehmen auf, unter anderem der der italienischen Großbank Unicredit, die jetzt auch prüft, ob ihr Daten aus der Amazon-Cloud abhandengekommen sind. „Unicredit hat am 30. Juli erfahren, dass der Name der Bank im Zusammenhang mit dem Capital-One-Zwischenfall aufgetaucht ist. Unicredit hat die zuständigen Behörden kontaktiert und geht die Untersuchung aktiv an“, heißt es in einem Statement der Bank.

Schwachstelle der Banken

Die Mitteilung zeigt, dass der Fall Capital One noch deutlich größere Dimensionen haben könnte, als bislang bekannt ist. Nach dem Hackerangriff in den USA steht die Frage im Raum: Wie sicher ist die Cloud? Oder anders gefragt: Wie gut sind die Drittanbieter geschützt, an die immer mehr Banken einen immer größeren Anteil ihrer Daten und Anwendungen auslagen?

Schließlich unterscheidet sich die Finanzbranche in einem wichtigen Punkt von allen anderen Branchen: Kommen einem Autobauer die geheimen Pläne für die nächste Modelloffensive abhanden, betrifft das erst einmal nur diesen Konzern. Wird eine wichtige Bank Opfer eines großen Hackerangriffs, ist im schlimmsten Fall das gesamte Finanzsystem gefährdet.

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Lange standen deutsche Banken der Auslagerung in die Cloud, sprich der Anmietung von Rechenzentren von Drittanbietern, eher kritisch gegenüber. Doch im Zuge der Digitalisierung greifen die Geldhäuser immer stärker auf die Dienste von Cloud-Anbietern wie Amazon oder Microsoft zurück. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter IT-Experten von 100 deutschen Instituten aus dem vergangenen Dezember.

So setzen 53 Prozent der deutschen Banken schon jetzt auf Cloud-Lösungen. Weitere 30 Prozent planen die Nutzung „in absehbarer Zeit“. Zwei Drittel der befragten IT-Spezialisten gehen davon aus, dass der Einsatz von Cloud-Computing innerhalb der kommenden zwei Jahre branchenweit zunehmen wird.

Investitionen in Milliardenhöhe

Nach einer Prognose des Marktforschungsunternehmens IDC investierte die Finanzbranche 2018 fast 18 Milliarden Dollar in Cloud-Lösungen. Für diese Offensive gibt es gute Gründe: Durch die Cloud steht IT schnell und flexibel zur Verfügung, im besten Fall mit ein paar Mausklicks. Denn Anwender greifen über das Netzwerk auf Speicherplatz, Rechenleistung und Software zu. So bekommen Unternehmen IT-Dienstleistungen auf Abruf.

Zudem ersparen sie sich Investitionen in die eigene IT-Infrastruktur und bezahlen lediglich die genutzten Kapazitäten. Der Begriff „Cloud“ hat übrigens mit der dezentralen Datenverarbeitung zu tun – in Skizzen wird diese als Wolke dargestellt. Dieses Prinzip spielt bei der digitalen Transformation eine wichtige Rolle. Mithilfe der Infrastruktur von Amazon, Microsoft, Google und anderen können Unternehmen beispielsweise schnell Apps und andere Anwendungen entwickeln, effizient Informationen austauschen und Maschinendaten analysieren.

Nach einer Umfrage des deutschen Hightechverbands Bitkom sehen 57 Prozent der Unternehmen, die die Cloud nutzen, darin einen großen Beitrag zur Digitalisierung. Viele Start-ups bauen ihre IT-Infrastruktur sogar vollständig in der Datenwolke auf. Experten unterscheiden zwischen Public und Private Cloud – also einer Infrastruktur, die ein Unternehmen allen seinen Kunden anbietet, oder einer für den Kunden maßgeschneiderten eigenen kleinen Datenwolke.

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