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Dax-Abstieg, Konzernumbau, Fusionsgerüchte Das sind die Gründe für den aktuellen Frust bei der Commerzbank

Viele Commerzbank-Mitarbeiter sind schwer verunsichert, nicht nur durch eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank. Doch die Führung will Kurs halten.
2 Kommentare

Das sind die Vor- und Nachteile einer möglichen Fusion

FrankfurtMartin Zielke wird als der Vorstandschef in die Geschichte eingehen, unter dem die Commerzbank erstmals aus dem Aktienleitindex Dax abgestiegen ist. Ab Montag spielt das Institut in der zweiten Börsenliga MDax – und das wurmt Zielke. „Es ärgert mich, und zwar gewaltig. Und das sollte es nicht nur mich, sondern uns alle“, erklärte der 55-Jährige in einem Interview im Intranet der Bank, das dem Handelsblatt vorliegt.

Der Ärger müsse die Bank aufrütteln und ihren Kampfgeist wecken, fordert Zielke. „Jetzt erst recht!“, lautet sein Motto.

Doch wer mit Mitarbeitern, Aktionären und Bankenaufsehern über die Lage des Instituts spricht, gewinnt den Eindruck, dass bei der Commerzbank alles andere als Aufbruchsstimmung herrscht. Innerhalb und außerhalb des Instituts gibt es große Zweifel, ob Zielkes Expansionskurs im Privat- und Firmenkundengeschäft am Ende zu deutlich höheren Erträgen führen wird.

Beim Umbau der Bank knirscht es an allen Ecken und Enden. Und in der Belegschaft, die wegen des laufenden Abbaus von 9.600 Stellen ohnehin schon verunsichert ist, wächst die Angst vor einer Fusion mit der ungeliebten Deutschen Bank.

Die Anzeichen für eine Verschmelzung der beiden Institute haben sich in den vergangenen Wochen verdichtet. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte beim Banken-Gipfel des Handelsblatts, Geldhäuser hätten aktuell „nicht die nötige Größenordnung“, um die deutsche und europäische Wirtschaft zu begleiten. Und auch Zielke und sein Deutsche-Bank-Pendant Christian Sewing sind laut Finanzkreisen perspektivisch offen für eine Fusion.

Für die Beschäftigten der Commerzbank wäre ein Zusammenschluss dagegen ein Horrorszenario. „Das sorgt für massive Verunsicherung“, berichtet ein Mitarbeiter. Eigentlich sei man bei der Commerzbank ja gestählt, was Übernahmegerüchte angehe. „Aber die Gerüchte werden immer konkreter – und es ist offensichtlich, dass einige Entwicklungen für eine Fusion sprechen.“

Intern machen Schätzungen die Runde, dass bei einem Zusammenschluss allein bei der Commerzbank 8.000 bis 10.000 weitere Arbeitsplätze wegfallen würden. „Eine Fusion würde zu einem großen Hauen und Stechen und dem Abbau Tausender Arbeitsplätze führen“, betont Rechtsanwalt Christoph Abeln, der zahlreiche Commerzbank-Mitarbeiter vertritt.

Tagungszentrum statt Luxushotel

Zielke hat im Intranet der Bank kürzlich der Darstellung widersprochen, er wolle lieber heute als morgen mit der Deutschen Bank fusionieren. Er gab sich überrascht, „was ich alles gesagt haben soll“ – und betonte, er werde sich weiter auf die Umsetzung der Strategie konzentrieren. „Das hat für uns absolute Priorität. Alles andere ist Spekulation.“ Doch innerhalb der Bank fragen viele, wie lange diese Aussage Bestand haben wird.

Zielke hatte im Herbst 2016 angekündigt, aus dem Geldhaus ein digitales Technologieunternehmen zu machen. Im Rahmen der Strategie „Commerzbank 4.0“ werden viele Geschäftsbereiche neu zugeschnitten. Dabei kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten und Reibereien – etwa bei der Verschiebung Tausender Unternehmen vom Firmen- ins Unternehmerkundensegment.

Die Strategie sah vor, Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von weniger als 15 Millionen Euro im Unternehmerkundensegment anzusiedeln. Doch bei der Umsetzung stellte die Bank fest, dass viele dieser Gesellschaften komplexe Produkte nutzen, die Unternehmerkundenberater gar nicht verkaufen können. Folglich beließ sie diese im Firmenkundenressort, wo auch Großkonzerne betreut werden.

Zahlreiche andere Firmen konnten bisher aus anderen Gründen ebenfalls nicht ins Unternehmerkundensegment verschoben werden. Das führt dazu, dass sich einige Firmenkundenberater aktuell um mehr Unternehmen kümmern müssen als geplant – und entsprechend verärgert sind. Die Bank geht davon aus, dass sie dieses temporäre Problem bis Jahresende lösen kann, indem sie weitere Firmen ins Unternehmerkundenressort verlagert.

Auch in der IT-Abteilung gibt es Unmut. Hier hat die Commerzbank vor Jahren zahlreiche Arbeiten ausgelagert. Kürzlich legte der Vorstand dann eine Kehrtwende hin und beschloss, die Tochter Commerz Systems wieder zu integrieren. Hintergrund ist, dass in der Zentrale der Bank Produktentwickler und IT-Experten künftig verstärkt in Teams zusammenarbeiten und Produkte so schneller auf den Markt bringen sollen.

„Das Thema Technologie lässt sich nicht mehr auf einen einzigen Bereich konzentrieren“, erklärte Vorstand Frank Annuscheit dazu im Intranet. „In einem Technologieunternehmen muss die IT Teil jeder Produkteinheit sein, die sich mit der Entwicklung und Konzeption eines einzelnen Produkts beschäftigt.“

Unruhe gibt es auch in der Treasury-Abteilung, für die im Vorstand nun Finanzchef Stephan Engels statt Michael Reuther verantwortlich ist. In diesem Bereich, der unter anderem für Finanzierung und Liquiditätsmanagement zuständig ist, sollen Finanzkreisen zufolge Aufgaben ausgegliedert werden und neue hinzukommen.

Das führt, einer internen Mitteilung zufolge, zu einem Stühlerücken: Der langjährige Bereichsvorstand Thorsten Kanzler verlässt die Bank und wird Anfang Oktober durch den Briten Inga Johal ersetzt. Dessen Position als Bereichsvorstand für Market-Risk-Management übernimmt Dominik Schmidt-Kiefer.

Gedrückte Stimmung

Der Umbau und der laufende Stellenabbau drücken auf die Stimmung. „Bei vielen Commerzbank-Mitarbeitern ist der Frust groß“, berichtet Anwalt Abeln. Andere Beteiligte betonen, das Geldhaus packe gerade viele Themen gleichzeitig an und zerstöre dabei über Jahre gewachsene Fürstentümer. Dass dies viele Mitarbeiter verunsichere, sei klar, aber unausweichlich.

Am Mittwoch und Donnerstag wollen Vorstand und Aufsichtsrat bei der jährlichen Strategiesitzung die Lage der Commerzbank erörtern. Dabei setzt das Institut im Gegensatz zur Deutschen Bank, die ihr Strategietreffen kürzlich im Hamburger Luxushotel „The Fontenay“ abhielt, auf Bodenständigkeit. Das Treffen findet im firmeneigenen Tagungszentrum in Glashütten unweit von Frankfurt statt.

Bankchef Zielke hat bereits vorab deutlich gemacht, dass er nicht mit grundlegenden Veränderungen rechnet. Ein Ziel hat er fest im Blick – die Rückkehr in die erste Börsenliga. „Ich finde einfach, die Commerzbank gehört in den Dax“, erklärte Zielke im Intranet. „Wir werden beweisen, dass wir es schaffen, auch wieder aufzusteigen.“

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2 Kommentare zu "Dax-Abstieg, Konzernumbau, Fusionsgerüchte: Das sind die Gründe für den aktuellen Frust bei der Commerzbank"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die vorausgehenden Fusionen: Commerzbank mit Dresdner Bank, Deutsche Bank mit Postbank, sollten zu denken geben. Eine international bedeutende Bank wird auch durch die nächste Fusionsstufe voraussichtlich nicht geschaffen.
    Das kann nur durch internationale Fusionen gelingen, bei deren Zustandekommen die deutschen Banken untergeordnete Rollen spielen würden. Das kann sich hierzulande wohl noch niemand vorstellen. Außerdem: Welche Bank der es heute gut geht tut sich das an? So wird es allenfalls zu der alternativlosen Fusion des Elends kommen. Karstadt und Kaufhof weisen die Richtung.

  • Massive Regulierungen, die die Kosten treiben und das Geschäftsfeld einschränken, dazu die niedrigen Zinsen, sind Hauptgrund für den Frust.

    Schattenbanken und Kryptowährungen bleiben unreguliert und damit offen für Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche!