Dax feiert 30. Geburtstag „Deine Kurven sind geliebt und gefürchtet“

Der Index der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen hat sich seit seiner Auflegung 1988 gut entwickelt. Mittelfristig könnte der Dax sogar aufgestockt werden.
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Fazit zum 30. Geburtstag – „Der Dax hat Krisen immer gut gemeistert“

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FrankfurtDeutsche-Börse-Chef Theodor Weimer liest gerne und viel. Und er baut Zitate und Eindrücke, die er dabei gewinnt, dann oft direkt in seine Reden ein. Am Wochenende scheint Weimer einen Liebesroman verschlungen zu haben. Denn in seiner Ansprache zum 30. Geburtstag des Dax am Montag sprach zum deutschen Leitindex wie zu einer launischen Geliebten.

„Du bringst unser Herz zum Klopfen, und du bringst uns manchmal um den Verstand“, schmachtete Weimer. „Deine Kurven sind geliebt und gefürchtet.“

Der Dax war am 1. Juli 1988 mit 1.163 Punkten gestartet. 30 Jahre später notiert er mit mehr als 12.000 Punkten. Zum Jahrestag des Leitindexes waren etwa 250 Gäste in die altehrwürdige Frankfurter Wertpapierbörse gekommen, darunter viel Finanzprominenz. Mit von der Partie waren unter anderem Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, Bankier Friedrich von Metzler, Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels sowie die Vorstandschefs von Deka und Fresenius, Michael Rüdiger und Stephan Sturm.

Weimer ließ es sich bei der Feier nicht nehmen, in der ausgewählten Runde eine Reform des Dax ins Spiel zu bringen. In den Index, der derzeit die 30 wichtigsten deutschen Unternehmen umfasst, könnten aus Sicht des Börsenchefs perspektivisch mehr Firmen aufgenommen werden. „Mögest du darüber nachdenken, etwas breiter zu werden“, sagte Weimer in seiner Eloge auf den Dax. „Es täte deiner Exklusivität keinen Abbruch.“

Doch konkrete Pläne für eine Aufstockung des Dax gebe es aktuell nicht, sagte Weimer im Anschluss an seine Rede im Gespräch mit Journalisten. Aber wenn die deutsche Wirtschaft weiter floriere und die Marktkapitalisierung der Unternehmen steige, könne man darüber perspektivisch durchaus nachdenken. „Mittelfristig ist das sicher eine Option.“

„Der Staat könnte vieles besser machen“

Hans Joachim Reinke, Vorstandschef der Fondsgesellschaft Union Investment, machte in seiner Rede deutlich, wie sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen 30 Jahren geändert haben. Zum Start des Dax habe es auf die zehnjährige deutsche Bundesanleihe 6,63 Prozent Zinsen gegeben – und somit keinen großen Bedarf, in Aktien zu investieren. Heute sei das anders, denn aufgrund der EZB-Geldpolitik werfe die Bundesanleihe nur noch mickrige 0,3 Prozent ab.

Angesichts dieses Umstands investieren die Deutschen aus Sicht von Reinke noch viel zu selten in Aktien. „Nur zehn Prozent der privaten Geldvermögensbestände in Höhe von sechs Billionen Euro in Deutschland liegen in Aktien und Anteilsrechten“, sagte Reinke. Nur 36 Prozent des Aktienbestands der Dax-Unternehmen sei in deutscher Hand, nur elf Prozent entfielen auf private Aktionäre. „Es ist noch sehr viel Luft nach oben“, findet der Union-Investment-Chef.

Für die Zurückhaltung macht er wie viele Experten die mangelnde finanzielle Bildung in Deutschland verantwortlich. „Leider ist die Aktie in vielen Familien zu Unrecht negativ besetzt, weil vielfach gefährliches Halbwissen rationalem Handel im Wege steht“, sagte Reinke. „Wenn sich heute junge Menschen bei der Geldanlage eher zu Sportwetten hingezogen fühlen als zu substanzwertorientierten Aktienanlagen, sollte uns das allen zu denken geben.“

Von der Bundesregierung forderte Reinke Maßnahmen, um die Aktienkultur in Deutschland zu verbessern. „Wir brauchen politische Rahmenbedingen, die Aktiensparen fördern. In Deutschland sind das nicht die besten, weil traditionell andere Anlagen im Fokus stehen“, kritisierte Reinke. „Der Staat könnte einiges anders und vor allem vieles besser machen.“

„Du kostest auch Nerven“

Fresenius-Chef Stephan Sturm sagte beim Festakt, wie sehr der hessische Gesundheitskonzern von der Aufnahme in den Dax 2009 profitiert hat. „Das öffentliche Rampenlicht haben wir sehr genossen. Auf einmal wurde über die kleine, unscheinbare Medizingruppe aus Bad Homburg auch in den Vorabendnachrichten berichtet.“ Zudem habe das Unternehmen neue Investoren gewonnen. „Auf einmal meldeten sich Fonds aus den USA oder aus Fernost, von denen wir bis dato immer nur gelesen hatten.“

Am Ende seien durch die Dax-Zugehörigkeit das Handelsvolumen der Fresenius-Aktie, die Liquidität und letztlich auch die Bewertung des Unternehmens gestiegen, sagte Sturm – von knapp fünf Milliarden Euro 2009 auf rund 38 Milliarden Euro am Freitagabend. „Ich bin gespannt, was Herr Seehofer von diesen 38 Milliarden dann übrig lässt nachher“, sagte Sturm kurz vor der Markteröffnung.

Wegen des Asylstreits zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel gerieten Fresenius-Aktien und der Gesamtmarkt dann zu Handelsbeginn unter Druck. Der Dax startete rund ein Prozent schwächer. Perfektes Timing zum Geburtstag sieht anders aus. Doch der Dax ist eben eine Diva. Oder, wie es Theodor Weimer in seiner Festrede sagte: „Du kostest auch Nerven.“

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