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Dax-Konzern Wirecard übertrifft schon wieder die Prognose

Der Online-Zahlungsdienstleister hat die im vergangenen Jahr bereits dreimal angehobene Gewinnspanne leicht übertroffen. Darauf hatten viele Anleger im Vorfeld spekuliert.
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Wirecard legt gute Zahlen für das Schlussquartal vor. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Wirecard CEO Markus Braun

Wirecard legt gute Zahlen für das Schlussquartal vor.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Aschheim, Düsseldorf Wirecard hat seine Anleger nicht enttäuscht. Seit der ersten Handelswoche des Jahres spekulierten sie auf positive Geschäftszahlen, die Aktie des Dax-Neulings legte seitdem rund ein Drittel an Wert zu.

Insofern verwunderte es nicht, dass Investoren am Mittwoch Gewinne mitnahmen, als der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München seine vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentierte. Im Verlauf des Vormittagshandels ging es um rund drei Prozent nach unten.

Doch die Geschäftszahlen des Unternehmens zeigen weiterhin einen klaren Trend nach oben. So ist das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nach vorläufigen Zahlen um 38 Prozent auf 568,3 Millionen Euro gestiegen.

Beinahe im Gleichschritt kletterte der Umsatz um 40 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Ganz ähnlich verlief die Entwicklung im Schlussquartal 2018, als der vorläufige konsolidierte Umsatz um 36 Prozent auf 637,5 Millionen Euro wuchs. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg in dieser Zeit um rund 37 Prozent auf 172,9 Millionen Euro.

Damit hat der Konzern sein letztmals Ende Oktober nach oben revidiertes Gewinnziel für das Gesamtjahr übertroffen. Es bewegte sich in einer Bandbreite von 530 und 560 Millionen Euro. Allerdings hatten Analysten bislang schon keinerlei Zweifel, dass diese Spanne erreicht wird. Die Wachstumsstory von Wirecard sei weiterhin intakt, das vierte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft traditionell stark, heißt es.

Der Vorstand um den Chef Markus Braun hatte im vergangenen Jahr nur moderat die Prognose angehoben. Anfang 2018 stand noch die Spanne von 510 bis 535 Millionen Euro, ab dem Frühjahr waren es 520 bis 545 Millionen, zuletzt dann die angesprochenen 530 bis 560 Millionen. Das sorgt am Aktienmarkt für ein gutes Gefühl, mehr aber auch nicht.

Als dann im Herbst die Kurse an den Börsen einknickten, gehörte die zuvor stark gestiegene Aktie zu den größten Verlierern. Von einem Wert von knapp unter 200 Euro, auf den der Kurs in der Euphorie um den sich abzeichnenden Dax-Aufstieg im September geklettert war, sank er bis auf 126,95 Euro. Am heutigen Mittwoch ist die Aktie rund 40 Euro mehr wert.

Wegen der hohen Bewertung – das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr liegt noch immer bei hohen 40 – zählt die Wirecard-Aktie nach wie vor zu schwankungsanfälligsten Aktien im Dax. Nur der Halbleiter-Produzent Infineon, der ebenfalls im Münchener Osten seinen Sitz hat, zeigt ähnliche Kursausschläge. Börsianer begründen das mit der hohen Anfälligkeit beider Branchen bei aufkommenden Konjunktursorgen.

Dabei hat Wirecard mit seinen Planzahlen nie enttäuscht. Meist wurden sie, wie im jetzigen Fall wieder, sogar leicht übererfüllt. Aufhorchen ließ der rund 20 Jahre alte Konzern, der mittlerweile um die 5000 Mitarbeiter beschäftigt, im Herbst. Da präsentierten Vorstandschef Markus Braun und sein Finanzvorstand Alexander von Knoop in London den neuen Langfristplan bis zum Jahr 2025, zuvor gab es lediglich Prognosen bis 2020.

Demnach soll sich der Gewinn bis Mitte des kommenden Jahrzehnts auf 3,3 Milliarden Euro versechsfachen. Ähnliche Dimensionen sind auch für den Umsatz geplant, der dann auf über zehn Milliarden Euro steigen soll.

Damit solche Zahlen zustande kommen, müssen viele Annahmen auch Realität werden. Im Kern geht es dabei darum, dass die Menschen immer mehr Zahlungen ohne Bargeld abwickeln. Das gelingt dann, wenn der Prozess einfach und bequem ist und so einen Vorteil gegenüber den bisherigen Gewohnheiten bietet.

Bei Wirecard rechnet man damit, dass das Bezahlen bei Online- und Mobile-Geschäften ebenso wie an der Ladenkasse künftig über eine einzige Plattform erfolgen wird und so im Handel gar nicht mehr differenziert wird, auf welchem Weg ein Geschäft zustande kommt.

Zudem will Wirecard durch die Auswertung von Daten den Händlern künftig Mehrwertdienste bieten, mit denen sie durch gezielte Kundenansprache mehr Umsatz generieren können. Analysten halten diese Strategie zwar für ambitioniert, Wirecard sei aber gut vorbereitet dafür.

Der Erfolg von Wirecard hängt somit sehr stark vom künftigen Verhalten der Kunden ab. Die Analysten von Goldman Sachs hatten Anfang der Woche zwar ihr Kursziel von 250 auf 230 Euro gesenkt. Die Aktie steht jedoch nach wie vor auf der so genannten „Conviction Buy List“, einer Art hauseigener Empfehlungsliste der amerikanischen Großbank.

Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte das Management um Chef Markus Braun am Mittwoch, für 2019 soll ein operatives Ergebnis von 740 bis 800 Millionen Euro erreicht werden. An den Aktienmärkten halten es Großanleger aber ebenfalls für möglich, dass Wirecard ähnlich wie im vergangenen Jahr mehrmals die Prognose leicht anheben wird.

Eine Gelegenheit dafür wäre der 4. April, da will Wirecard seine endgültigen Zahlen für 2018 präsentierten. Dann wäre bereits ein Viertel dieses Jahres vorbei, was einen tieferen Blick in dessen Entwicklung erlauben würde.

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