Deutsche Bank Abbey Life steht vor Verkauf

Die Deutsche Bank könnte schon bald ihre britische Tochtergesellschaft Abbey Life abstoßen. Der Verkauf würde Milliarden einbringen – sagen Insider. Die könnten die dünne Kapitaldecke der Bank aufbessern.
Noch wartet die Deutsche Bank auf die genauen Kapitalvorschriften der EZB, sagen Insider. Der Verkauf der britischen Tochter könnte der Bank Milliarden einbringen. Quelle: dpa
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Noch wartet die Deutsche Bank auf die genauen Kapitalvorschriften der EZB, sagen Insider. Der Verkauf der britischen Tochter könnte der Bank Milliarden einbringen.

(Foto: dpa)

LondonDie Deutsche Bank denkt daran, ihre britische Tochtergesellschaft Abbey Life abzustoßen, sagen mit dem Vorgang vertraute Personen. Eine Entscheidung über den möglichen Verkauf, der der Bank bis zu drei Milliarden Pfund einbringen könne, ist den Angaben zufolge noch nicht gefallen. Anke Hallmann, eine Sprecherin der Deutschen Bank, wollte sich zu der Meldung nicht äußern.

Die Deutsche Bank warte auf eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank darüber, wieviel Kapital Geldhäuser als Absicherung gegen Risiken ihrer Versicherungssparten vorhalten müssen, sagte eine der informierten Personen.

Die in London ansässige Phoenix Group Holdings Plc könnte am Erwerb von Abbey Life interessiert sein, wenn sie zum Verkauf stehe, sagte eine informierte Person. Eine Sprecherin von Phoenix reagierte nicht sofort auf die Bitte um eine Stellungnahme.

Cryan ist der neue starke Mann
Die Vorstandschefs der Deutschen Bank
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Hermann Josef Abs (1957-1967, oben links): Der gelernte Banker handelt in den 50er Jahren das Londoner Abkommen über deutsche Auslandsschulden aus. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969): Die erste Doppelsitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

John Cryan (Seit Juli 2015)
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Anfang Juli löste der Brite John Cryan zunächst Anshu Jain in der Doppelspitze mit Jürgen Fitschen ab. Seit Mai 2016 führte er die Deutsche Bank allein. John Cryan war von 2012bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS. Er hatte die Bank als Finanzchef durch die Krise nach der Lehman-Pleite geführt. Als klar war, dass der damalige Chef Oswald Grübel den heutigen CEO Sergio Ermotti befördern würde, trat Cryan bei der Schweizer Großbank „aus persönlichen Gründen“ zurück. Seit 1987 hatte Cryan verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-2015/16)
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Jain (l.) verdiente jahrelang als oberster Investmentbanker Milliarden für die Deutsche Bank. Viele Probleme des Hauses haben ihre Wurzeln in der von ihm geführten Sparte. Fitschen musste sich im Strafprozess vor dem Landgericht München gegen den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Schadenersatz-Verfahren um die Kirch-Pleite wehren. Mittlerweile ist er Senior Advisor der Bank, Aufsichtsratsvorsitzender des Handelsunternehmens Ceconomy und sitzt im Verwaltungsrat von Kühne & Nagel in der Schweiz. Fitschen leitet außerdem ab dem Frühjahr 2018 den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Vonovia.

Josef Ackermann (2002-2012)
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Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002)
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Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Hilmar Kopper (1989-1997)
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Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Alfred Herrhausen (1985-1989)
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Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Die Deutsche Bank will das Vermögensverwaltungsgeschäft, dem Abbey Life im Konzern zugeordnet ist, als Gegengewicht zu ihrer größten Sparte, der Investmentbank, aufwerten. Co- Konzernchef John Cryan will am 29. Oktober detaillierte Ergebnisse der Strategieüberprüfung der Bank vorstellen.

Die Deutsche Bank erwarb Abbey Life 2007 für 977 Mio. Pfund von einer Vorgängerin der Lloyds Banking Group Plc. Der Versicherer schützt Pensionsfonds vor dem Risiko, dass ihre Mitglieder länger als erwartet leben. Abbey Life versicherte im Februar Pensionsverpflichtungen des Versorgers Scottish Power.

Das Banken-Chamäleon
Zeugnis der Anfangstage
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Der 10. März 1870 ist der Gründungstag der Deutschen Bank. Standort war damals nicht Frankfurt, sondern Berlin. Gründer waren Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: „Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten.“ Eine klare Ausrichtung des jungen Instituts.

Hauptsitz in Berlin
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So sah die Zentrale der Deutschen Bank in Berlin aus, hier auf einer späteren Aufnahme aus dem Jahr 1929. Ab 1880 finanzierte die Bank zunehmend Industrieprojekte. Der Ausbau des Filialnetzes hatte zunächst keine Priorität, die meisten Geschäfte wurden aus Berlin abgewickelt.

Frankfurt kommt erst später
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Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886. Im Bild die Niederlassung an der Frankfurter Kirchnerstraße anno 1914.

Filiale in der Fuggerstadt
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Die Filialen prägten natürlich auch nicht überall das Stadtbild, so wie in Berlin und später in Frankfurt. Diese Aufnahme zeigt die Straßen von Augsburg zur Jahrhundertwende – also 1900.

Geschäftssitze im Wandel der Zeit
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Gegen Ende des ersten Weltkriegs entstand dieses Foto von kaiserlichen Militärs vor der Niederlassung in Bremen. An der Filiale in der Hansestadt lässt sich der Wandel im Stadt- und Bankenbild gut illustrieren.

Bremen 50 Jahre später
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Das historische Gebäude am Domshof blieb der Handelsstadt Bremen erhalten. Das Umfeld hat sich komplett verändert – das gilt auch für Geschäftsfelder. Auf Wandel musste das Institut in seiner Geschichte immer wieder reagieren.

Neuausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
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Mit Ende des Erste Weltkriegs war auch das Auslandsvermögen des Instituts verloren. Die schwierige Wirtschaftslage nebst Inflation in der Weimarer Republik macht es der Deutschen Bank nicht einfach. Im Bild ein Kassenschalter aus dem Jahr 1920.

2012, nach der Berufung von Michele Faissola an die Spitze des Geschäftsbereichs Asset and Wealth Management, gliederte die Deutsche Bank Abbey Life aus ihrer Investmentbank aus. AWM ist der einzige der vier operativen Geschäftsbereiche des Konzerns, der seine 2012 abgegebenen Gewinnprognosen nicht kassieren musste.

  • Bloomberg
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